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Mit Justitia an die schönsten Orte Deutschlands

Aus dem Landgericht Mit Justitia an die schönsten Orte Deutschlands

Wer sich in unserem Rechtssystem nur lange genug durch die Instanzen klagt, bekommt viele schöne Städte in Deutschland zu sehen. Vielleicht nicht gerade in Sozialsachen – dort landet man am Schluss nämlich in Kassel am Bundessozialgericht. Also sollte man sich lieber vorher einigen.

Wer Ärger mit Behörden hat, fährt ins schöne Leipzig zum Bundesverwaltungsgericht – für diese Angelegenheiten die letzte Instanz. In Zivil- und Strafsachen führt der Weg zum Bundesgerichtshof nach Karlsruhe. Von dort sind es dann auch gerade mal zehn Minuten bis zum Bundesverfassungsgericht – wenn man das ganz große Rad drehen möchte.

Meistens beginnt der Instanzenweg aber an einem Amtsgericht. Auch im Fall von Karl-Dieter (Name geändert). K.-D. wurde vom Amtsgericht Einbeck wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheit im Straßenverkehr und Widerstands gegen Polizisten zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt – ohne Bewährung. K.-D. ist zweifacher Bewährungsversager. Weil ihm das Urteil zu hart war, legte er Berufung ein. Aus Einbeck ging es ans Göttinger Landgericht. Hier sollte es nur noch um die Höhe der Strafe gehen – K.-D. hat alle Vorwürfe eingeräumt.

Was am Landgericht von vornherein schon mal höher ist, ist die Anzahl der Richter. Neben Dirk Amthauer haben zwei Schöffen Platz genommen, die K.-D.s Fall noch einmal ganz genau unter die Lupe nehmen. Und tatsächlich: Ein Aspekt aus der ersten Instanz lässt den Berufsrichter staunen. K.-D. hat sich nach der Trunkenheitsfahrt freiwillig in Therapie begeben. Ein Umstand, der in Einbeck keine Rolle im Verfahren gespielt hat. Nun sollen die Ärzte gehört werden, um zu klären, ob K.-D. möglicherweise krank, eine weitere Bewährung also ausnahmsweise möglich ist. Nun wird die Verhandlung ausgesetzt, für sechs bis acht Wochen. Dann geht es mit einem neuen Sachverständigen weiter, der die Strafkammer über die bereits erzielten Behandlungserfolge, die laufende ambulante Betreuung und weitere ärztliche Maßnahmen bei einer neuen Bewährung informieren soll. Am Landgericht wird – scheint es – genauer hingeguckt. Denn, klärt Amthauer seinen Angeklagten auf, sonst könnte er wegen eines Rechtsfehlers Revision einlegen. Dann ginge es in die nächste Runde ans Oberlandesgericht nach Braunschweig. Dann ist aber auch Schluss. Wenn K.-D. nach Karlsruhe wollte, müsste er sich eines schweren Verbrechens und nicht nur einer Trunkenheitsfahrt schuldig machen.
Denn ehrlich, wer will schon mit Justitia als Reiseführerin auf große Fahrt gehen? Da gibt es sicherlich spaßigere Touren als nach Karlsruhe und Leipzig. Und sogar nach Kassel.

Von Lukas Breitenbach

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