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Mit Keulen zerschlagen, den Körper aufs Rad geflochten

Hinrichtung eines Groners 1828 Mit Keulen zerschlagen, den Körper aufs Rad geflochten

Die „Praxis des Zerstoßens der Glieder mit eisernen Keulen“ wurde in Niedersachsen noch bis 1828 angewandt. Der freie Journalist Matthias Blazek hat darüber im Septemberheft 2010 der Zeitschrift für Regionale Forschung und Heimatpflege „Südniedersachsen“ einen Beitrag geschrieben.

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„Abbildung des Zellischen Gerichts“, 1699. Entnommen aus: „Fürtreffliches Denck-Mahl / Der Göttlichen Regierung / Bewiesen an der uhralten höchst-berühmten Antiquität des Klosters zu S. Michaelis in Lüneburg / der in dem hohen Altar daselbst gestandenen Güldenen Taffel / und anderer Kostbarkeiten“ von Sigismund Hosmann aus dem Jahre 1700.

Quelle: Repro: Blazek

Das Tageblatt druckt Auszüge dieses historisch spannenden Textes, der sich auch mit einer Hinrichtung in Göttingen beschäftigt, die am 10. Oktober 1828 stattgefunden hat. Dabei wurde der Groner Bürger Andreas Christoph Beinhord wegen des Mordes an Vater und Schwester öffentlich hingerichtet.

Der Räuberhauptmann Nickel List hat „den 23. Mai 1699 seinen Lohn empfangen, da er von unten auf mit acht Schlägen zerschmettert, ihm noch lebend der Kopf mit dem Beil abgehauen, selbiger auf einen hohen Pfahl genagelt, der todte Körper aber auf einem Scheiterhaufen zu Pulver verbrannt worden“, besagt der Text auf einem Stein in Beutha in Sachsen, der seinerzeit am Standort von Lists Haus (der Räuberhöhle) aufgestellt worden war.

In Celle hatte man „in Erwägung seines ‚treuen und offenherzigen‘ Bekenntnisses das in Hof bereits gefällte Urtheil auf Verordnung des Fürsten dahin, daß er nur zur Zerschmetterung der Glieder und zwar anstatt mittels Rades nur mittels eiserner Keulen verurtheilt wurde“, heißt es dazu im Band 18 der Allgemeinen Deutschen Bibliographie (1883).

Noch 1830 wusste Dr. Albert Hüne in seiner „Geschichte des Königreichs Hannover und Herzogthums Braunschweig“ (Zweiter Teil, Hannover 1830, S. 449) zu berichten: „Die barbarischen Strafen der sogenannten Carolina wurden zwar nie in ihrer vollen Strenge ausgeübt, aber auch eben so wenig als die Tortur wirklich abgeschafft.“ So kommt es, dass selbst im Hannöverschen, wo schwere Eisenkeulen, blutige Kuhhäute und glühende Zangen als Mittel der Strafverschärfung dienten, zwar eine relativ hohe Dichte an Hinrichtungen mit Eisenkeulen zu verzeichnen ist, in der Regel aber landesherrliche Gnade waltete und auf weitergehende Geißelungen verzichtete.

Noch bis 1840, als hier ein neues Kriminalgesetzbuch eingeführt wurde, hatte man im Kurfürstentum beziehungsweise Königreich Hannover Malefikanten (mit eisernen Keulen) gerädert. „Nur wurde sie [die Räderung] seit dem 17. Jahrhundert mit eisernen Keulen vollzogen und ist in dieser Form in Celle noch im gegenwärtigen Jahrhundert (in dem benachbarten Göttingen sogar noch 1828 gegen einen Vatermörder) zur Anwendung gelangt“. Bis 1859 blieb zudem als Schärfung der Todesstrafe noch das Schleifen zum Richtplatz gesetzlich verankert....

Gerädert wurden überwiegend Mörder und Giftmischer. Dies geschah in der Weise, dass dem auf ein an der Erde liegendes Andreaskreuz (X) gebundenen Delinquenten mittels eines schweren Eisenrades die Röhrenknochen in feststehender Reihenfolge zerstoßen wurden. Danach wurde der Körper auf ein Rad „geflochten“ und, zur Abschreckung in der Feldmark oder an Weggabelungen aufgestellt, den Vögeln zum Fraß angeboten. Bis zum 17. Jahrhundert räderte man Verbrecher noch mit diesen Rädern und ging danach, spätestens seit 1699, zum Einsatz schwerer Eisenkeulen über....

Die meisten Hinrichtungen, die im Zusammenhang mit dem Raub der güldenen Tafel aus dem Kloster zu St. Michaelis in Lüneburg von Nickel List und seiner Bande vollzogen wurden, fanden in Celle statt. Nach beendigter Untersuchung wurde an zwei verschiedenen Tagen die Exekution an den Unglücklichen mit aller in damaliger Zeit üblichen Grausamkeit vollzogen. Bei den beiden Hinrichtungswellen des Jahres 1699 vor den Toren vor Celle kamen die schweren eisernen Keulen zum Einsatz.

Der erste Tag der Hinrichtung war der 21. März 1699. Es wurde nach feierlich gehaltenem hochnotpeinlichem Halsgericht der Stab gebrochen über Christian Schwanke und Andreas Schwarz, deren Glieder vor dem Westceller Tor von oben herab mit eisernen Keulen zerschmettert und dann auf das Rad geflochten wurden, dann über den Gardereiter Christoph Pante und Jürgen Kramer (geköpft) und über den Regimentsquartiermeister Gideon Peermann, der Sohn eines Generalleutnants, und Jonas Meyer, welche gehängt wurden. Der ebenfalls zum Tode verurteilte Otto Müller wurde begnadigt und mit Anna von Sien auf Lebenszeit ins Zuchthaus geschickt...

Das berühmte Bild vom Galgenberg, wie es sich danach noch lange Jahre präsentierte, spricht tausend Bände. Das Szenario muss unbeschreiblich gewesen sein. Der Nachwelt bleibt nur ein relativ geordnetes Bild, das Details nicht nennt.
1737 wurde die Hinrichtungsmethode „mit eisernen Keulen“ in Hannover angewandt. „Heinrich Mevius, sonst Schultze benahmt, mit eisernen Keulen von oben ab zerschmettert, nachdem er mit heißen Zangen in beyde Arme gegriffen, und ward aufs Rad geleget, Joh. Nicolaus Görz, vulgo Pleße genannt, auch auf solche Weise“, berichten die Hannoverschen Geschichtsblätter, Band 12 (1909).

Das letzte bekannte Beispiel dieser Hinrichtungsmethode im Hannöverschen datiert vom 10. Oktober 1828. Als Vergeltung für den aus Habsucht begangenen Mord an Vater und Schwester wurde Andreas Christoph Beinhorn aus Grone auf einer Kuhhaut zum Richtplatz geschleift und dort, auf dem Leineberg in Göttingen, öffentlich von unten auf gerädert – wie es in einem zeitgenössischen Flugblatt heißt – „mit Keulen zerschlagen und nachher sein Körper auf das Rad geflochten“ (wenn auch nur für einen Tag).
Andreas Christoph Beinhorn wurde am 18. Januar 1794 in Grone geboren. Er hatte Catharine Magdalene Kruse am 17. April 1825 in Reckershausen geheiratet und wurde in Göttingen bestattet. Der Vater, Andreas Friedrich Beinhorn, am 16. Juni 1758 zu Grone geboren, starb am 18. März 1827. Die Schwester, Mar. Charlotte Elisabeth Beinhorn, am 25. Oktober 1796 in Grone geboren, verlor am gleichen Tag in Grone ihr Leben wie ihr Vater.

Das „Eisenbergische Nachrichtsblatt“ berichtete am 4. November 1828 über die Hinrichtung: „Am 10. October wurde zu Göttingen auf dem von einigen Speculanten für die schaulustige Menge gegen ein Entrée von 6 Gr. mit Bühnen amphitheatralisch eingeschlossenen Richtplatze der Vater- und Schwestermörder Beinhorn aus Grone schrecklich hingerichtet. Hingestreckt auf einen kreuzähnlichen Holzblock wurden dem Verbrecher mittelst eiserner Keulen durch 12 Schläge die Knochen zerschmettert, und er dann auf ein etwa 20 Fuß von der Erde erhobenes Rad geflochten.“

Die bei dieser Hinrichtung gebrauchten schweren eisernen Keulen befanden sich nach den Worten von Oberappellationsrat a. D. Johann Carl Ludwig Nöldeke, der im Künstlerverein zu Celle am 4. und 11. November 1895 zum Thema „Die Kriminalrechtspflege in Celle, insbesondere im 16. und 17. Jahrhundert“ referiert hatte, im Stadtmuseum zu Göttingen. Ihr Verbleib ist dort heute allerdings unbekannt.

Eine Hausinschrift von 1828 am Hause des Schuhmachers Justus Christoph Beinhorn, Greittor 7 in Grone, ist heute noch sichtbar: „JUSTUS BEINHORN / CHRISTINA BEINHORN GB. ALRUTZ / 31. MAI 1828. Im Nachbarhaus, Greittor 9, soll sich nach Familieninformationen früher die Inschrift „FRIEDRICH BEINHORN / CHRISTINA BEINHORN GB. SCHLIEPER, den 11. August 1827.“ befunden haben. Das sind kleine Hinweise am Rande zu den schlimmen Ereignissen von 1827 und 1828, die die Familie und die Dorfbewohner stark erschüttert haben müssen.

Mit dem Erlass des hannoverschen Kriminalgesetzbuchs vom 8. August 1840 wurde das Rädern mit eisernen Keulen im Lande abgeschafft.

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