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Mit Prügelei in den Mai gefeiert

Vor Gericht gelandet Mit Prügelei in den Mai gefeiert

Er gilt als guter Fußballer. Sein Ruf wird nur übertroffen von seinem schlechten Ruf als Schläger. Mehr als einmal war der 21-Jährige in Prügeleien verwickelt. Schon einmal drohte ihm dafür eine Jugendstrafe. Doch dann ließ das Gericht noch einmal Gnade walten und setzte die Verhängung einer Jugendstrafe unter den Vorbehalt einer Bewährung.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Das war wenige Tage vor dem 1. Mai. Dann ging der junge Mann aus der Gemeinde Gleichen zum Tanz in den Mai nach Bremke. Und dieses Tänzchen wird wohl noch bis weit in den Dezember währen. Denn  frühestens dann wird entschieden, ob er künftig „Fußball hinter Gittern spielt“, wie es der Mann von der Jugendgerichtshilfe schon vor Augen hat, oder doch weiter in Freiheit in der Kreisliga.

Angeklagt sind diesmal eine Körperverletzung mittels Faustschlag ins Gesicht eines jungen Mannes aus Ballenhausen sowie eine zweite per Fausthieb und Tritt ins Gesicht eines 30-Jährigen aus Rosdorf. Der Ballenhäuser, alkoholisiert wie der Angeklagte, ging sofort zu Boden, schlug mit dem Hinterkopf auf und bemerkte am nächsten Morgen im Krankenhaus, dass ihm jede Erinnerung an den Vorabend fehlt. Der Rosdorfer erlitt eine böse Platzwunde am Auge. Ob vom Fußtritt oder vom Sturz gegen einen Tisch, ist unklar.

Dabei hatte doch damals alles nach Neubeginn für den Azubi ausgesehen. Erst die neue Chance durch das Gericht, dann neue Freiheiten, weil die Freundin ihn verlassen hatte, schließlich am Abend des Festes in Bremke ein versöhnliches Gespräch mit einem alten Kontrahenten, mit dem er sich einst geprügelt hatte. Er betrat gerade die Reithalle, wo man feierte, als der neue Streit begann. Der 23-Jährige, so sagt er, habe sich ihm in den Weg gestellt. Da habe er „aus Angst einfach zugehauen“. Auch bei der folgenden Schlägerei mit bis zu zehn Gegnern will er „nur aus Angst um mich geschlagen“ haben. Daran, dass er getreten haben soll, könne er sich nicht erinnern. „Das ging doch alles gar nicht von mir aus. Ich wollte allem aus dem Weg gehen, weil ich wusste, dass ich auf Bewährung bin und mir nix mehr leisten kann.“

Das ist wohl wahr, wie sich im Prozess vor dem Jugendschöffengericht bald herausstellt: Beim verherigen Prozess wegen Körperverletzung hatte das Gericht gegen den Heranwachsenden gerade noch einmal von einer Jugendstrafe abgesehen. Voraussetzung hierfür wäre die Feststellung gewesen, der Angeklagte habe „schädliche Neigungen“. Diese Einstufung ersparte das Gericht sich damals, stellte zwar die Schuld des Angeklagten nach Paragraf 27 des Jugendgerichtsgesetzes fest, sah aber von Strafe ab, falls der junge Mann sich in Anti-Aggressionskursen bewährt.
Allerdings: Die ihm auferlegten Kurse besuche er schon seit den Sommerferien nicht mehr, sagt deren Leiterin. Die Jugendgerichtshilfe beklagt, ihm sei doch schon bei der Anhörung „dreimal rauf und runter erklärt“ worden, dass er in den Jugendknast muss, wenn er jetzt nicht an seinen Aggressionen arbeite. Und der Bewährungshelfer ist „überhaupt nur zur Verhandlung gekommen, weil ich ihn mal sehen wollte“. Er habe sich seit April nicht einmal mit ihm getroffen. Er sei einfach nicht gekommen.

Es sieht also nicht gut aus, findet auch Verteidiger Matthias Wuttke. Doch es gibt da noch Zeugen der Prügelei, die der Angeklagte erst jetzt benennt: darunter seine Cousine. Die könnten ihn entlasten. Oder sie könnten etwas zu seinem Alkoholisierungsgrad sagen, schließlich soll ein Sachverständiger beurteilen, ob er vielleicht vermindert steuerungsfähig war. Doch der Gutachter meint, das Versöhnungsgespräch mit seinem früheren Prügelpartner sei doch gut gelaufen, da habe man sich trotz Alkohol doch wohl verstanden. „Ja“, sagt Wuttke: „Zwei Besoffene an der Theke verstehen sich auch prima.“

Man einigt sich schließlich, den Prozess im Dezember neu zu beginnen, dann mit den neuen Zeugen. Und dann könnte der Angeklagte, falls er seine Lage jetzt begriffen hat, vielleicht auch nachweisen, dass er an seinem Aggressions-Problem inzwischen arbeitet.

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Überraschende Wende

Die Prügelei in den Mai vor und im Eingangsbereich des Sporthauses in Bremke in der Nacht zum 1. Mai 2012 hat beim zweiten Verhandlungsanlauf vor dem Amtsgericht eine überraschende Wende genommen. Der 21 Jahre alte Bremker, dem der Ruf vorauseilte, nicht nur ein guter Fußballer, sondern auch ein gefürchteter Schläger zu sein, ist vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen worden.

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