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„Mit der neuen Disco kamen die ganzen Kinder ins Viertel“

Jüngeres Publikum „Mit der neuen Disco kamen die ganzen Kinder ins Viertel“

Die Kühlschränke sind gefüllt mit Bierflaschen und Schnaps, vor und hinter dem Tresen liegen weitere alkoholische Getränke. Zigarettenrauch liegt in der Luft. Aus den Lautsprechern tönt laute Musik.

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„Nicht gedacht, dass es so schlimm wird“: die Betreiber des Kiosks La Tienda, Pantea Vazirifard (links) und Adar Han.

Quelle: Piltz

Mitten in dieser Szenerie, die eher an eine Kneipe als an einen Kiosk erinnert, steht Pantea Vazirifard. Die Inhaberin des Kiosks La Tienda in der Nikolaistraße ist sichtlich aufgebracht. „Ständig immer Blaulicht, ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm wird“, sagt sie. Seitdem die neue Diskothek, das Gap, in der Straße eröffnet habe, gebe es fast jeden Abend Ärger. „Und das fällt auf uns zurück.“

Das Publikum sei viel jünger, trinke mehr und benehme sich nicht. „Als Frau hat man da schon Angst, abends zu arbeiten. Ich wurde schon einige Male belästigt“, sagt Vazirifard. Vier Überwachungskameras sind in dem Laden installiert, um für etwas mehr Sicherheit zu sorgen. „Es gab viele Diskotheken davor, und nie hatten wir Probleme“, berichtet Adar Han. Nun würden sie an manchen Tagen drei- bis viermal die Polizei rufen. Der knapp zwei Meter große Geschäftsführer von La Tienda steht neben Vazirifard. Er erklärt, dass die neuen Auflagen der Stadt sie stark einschränken würden. „Wir nehmen jetzt auf alle Bierflaschen 50 Cent Pfand.“ Damit soll garantiert werden, dass die Flaschen zurückgebracht werden und nicht irgendwo auf der Straße liegen bleiben. Das Ergebnis: „Weniger Kunden und viel Stress, weil die denken, dass wir sie verarschen.“

Ein anderer Kioskbesitzer im Nikolaiviertel, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet von den gleichen Erfahrungen. Seit mehr als acht Jahren betreibe er sein Geschäft, und bevor das Gap eröffnete, habe er nie Probleme mit der Polizei oder dem Ordnungsamt gehabt.

In den vergangenen Monaten habe sich das jedoch geändert, erklärt er. „Mit der neuen Disco kamen die ganzen Kinder in das Viertel, und mir werden jetzt die Vorwürfe gemacht, dass ich Alkohol an Minderjährige verkaufen würde.“ Es gab schon die Forderung, er solle am Wochenende schließen. „Ich verkaufe hier und muss davon überleben.“ Wild gestikulierend erklärt er seine Situation, wiederholt mehrmals, dass „die Kinder“ den Alkohol woanders kaufen würden, und er letztendlich dennoch den Ärger habe.

Auch in seinem Laden wurde ein Pfandsystem eingeführt. Aus einer kleinen Pappschachtel schüttet er blaue und gelbe Plastikchips auf seine Handfläche. „Das sind die Pfandmarken.“ Er lehne das System nicht konsequent ab. „Wir müssen eine gute Lösung finden“, sagt er und blickt aus dem Schaufenster raus auf die Straße. „Und zwar alle zusammen.“

Nur wenige Läden entfernt hat Ali Kekes seinen Dönerladen. Er finde nicht, dass sich die Lage in letzter Zeit verschlimmert habe. Er lehnt locker mit verschränkten Armen auf dem sauberen Tresen seines Geschäfts. „Wir haben kein Problem.“ Zwar sei es „manchmal ein bisschen laut“, aber das sei normal in der Gegend. „Wenn jemand seine Ruhe haben will, soll er nicht hier in der Stadt wohnen.“
Er selbst habe auch mit dem Lärm zu kämpfen, da er über dem Laden wohne. „Wenn ich nachts um drei Uhr ins Bett gehe, ist es laut, und ich kann nicht schlafen. Aber ich bin ja selber schuld.“ Er findet das Verhalten der Disco- und Clubbesucher normal: „Die jungen Leute müssen auch mal laut sein dürfen, sonst werden die zu Maschinen.“ Mit dieser Meinung scheint Kekes jedoch eher einer Minderheit im Nikolaiviertel anzugehören. Für viele Ladenbesitzer gab es in den letzten Monaten mehr Probleme und Ärger als je zuvor.

Von Christopher Piltz

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Vandalismus, Schlägereien, Beleidigungen: Seit einigen Wochen herrscht in der Nikolaistraße besonders an Wochenenden Ausnahmezustand. Vor allem junge Menschen sind es, die hier volltrunken bis in die Morgenstunden lärmen. Die Anwohner machten jetzt ihrem Ärger im Jugendhilfeausschuss Luft. Besonders der Club Gap, Nikolaistraße 9, steht in der Kritik.

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