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Mit einem Trick aus der Gefangenschaft befreit

100. Geburtstag Mit einem Trick aus der Gefangenschaft befreit

Manchmal gibt es schon seltsame Zufälle – so auch bei Artur Wokittel. Nicht genug, dass der Göttinger ausgerechnet am 10. 10. 2010 Geburtstag feiert, also am Sonntag.

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„Ein gewisser Stolz ist da schon“: Artur Wokittel wird morgen 100 Jahre alt.

Quelle: Hinzmann

Es ist überdies auch noch sein 100. Und wenn es nach Dokumenten aus der Nachkriegszeit ginge, wäre es sogar schon sein 110. Aber dazu später mehr.
Artur Wokittel wurde in Schweidnitz in Schlesien geboren. Er machte eine Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer und heiratete am 27. November 1937 seine Frau Maria. Dann kam der Zweite Weltkrieg, und Artur Wokittel geriet in russische Gefangenschaft. Zuhause in Schlesien hatte seine Frau derweil Töchterchen Eva-Maria zur Welt gebracht und flüchtete mit der Familie ihres Mannes am Ende des Krieges nach Westen. Im Februar 1945 landeten sie über Umwege in Harste.

Artur Wokittel kam erst vier Jahre später aus der Gefangenschaft zurück, und das hatte er wahrscheinlich nur einem kleinen, aber folgenreichen Trick zu verdanken. In seinen Papieren hatte er sein Geburtsjahr nämlich um zehn Jahre vorverlegt – auf das Jahr 1900. „Die russische Ärztin wollte das erst gar nicht glauben, weil er so knackig war“, erzählt sein Schwiegersohn. Doch letztendlich wurde der vermeintlich knapp 50-Jährige nach Deutschland entlassen.
Trotz dieses Glücksfalls waren die ersten Monate in der kleinen Familie schwierig. Tochter Eva-Maria, gerade acht Jahre alt, sah ihren Vater zum ersten Mal. Wie ein Fremder sei er anfangs gewesen, erinnert sie sich. Doch mit den Jahren ging das vorbei. Mehr noch: Die Familie fand zusammen, wurde zu einer glücklichen Gemeinschaft.

1954 zogen die Wokittels nach Göttingen, weil Vater Artur beim Arbeitsamt eine neue Anstellung gefunden hatte. Erst wohnten sie an der Geismar Landstraße, später auf dem Lohberg. Artur Wokittel wechselte noch einmal den Arbeitgeber, ging zur Bundeswehr und dann im Dezember 1973 in den Ruhestand. Das ist jetzt schon 37 Jahre her.

Seit 2004 nun lebt der rüstige, alte Herr im Seniorenheim Alt Bethlehem in der Göttinger Innenstadt. Hier wohnte er die ersten Jahre noch mit seiner Frau zusammen in einem Appartement, bis sie vor einigen Jahren starb.
Doch auch jetzt ist Artur Wokittel, der neben seiner Tochter noch zwei Enkel und vier Urenkel hat, nicht allein. Besuch bekommt er regelmäßig, und auch wenn er nicht mehr gut zu Fuß ist, lässt er es sich nicht nehmen, mit dem Rollator zum Speiseraum zu gehen oder mit seiner Tochter durch den Botanischen Garten zu flanieren.

Früher war er ein begeisterter Fußballer, schaute jeden Sonntag den Spielern von Göttingen 05 zu. „Und er war ein Meister im Kreuzworträtseln“, sagt Tochter Eva-Maria. Auch heute noch guckt er vor allem Fußball im Fernsehen, wenn die Spiele nicht zu spät laufen. Denn schlafen, das macht Artur Wokittel auch für sein Leben gern. Genauso, wie morgens dann ausgeruht die Schwestern zu ärgern.

Am Sonntag nun kommen Familie und Freunde im Altenheim zusammen, um Artur Wokittel hochleben zu lassen. Aufgeregt sei er deswegen nicht, wehrt er ab. „Aber ein gewisser Stolz ist da schon, dass man so lange ausgehalten hat“, sagt er. Und als Tochter Eva-Maria dann noch eine „ordentliche Torte“ als Geschenk ankündigt, strahlt der Jubilar über das ganze Gesicht.

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