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Mörder, Brandstifter und Kinderpornosammler

Doppelmord von Bodenfelde Mörder, Brandstifter und Kinderpornosammler

Der wegen zweifachen Mordes an Kindern angeklagte und geständige 26-jährige Jan O. ist auch einer Brandstiftung schuldig und hat zudem kinderpornografische Fotos gesammelt.

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Akribische Spurensuche in Bodenfelde: Zwischen Bahntunnel (Hintergrund) und Mühlengraben sprach O. seine Opfer an.

Quelle: dpa

14 Tage vor dem ersten Mord an der 14-jährigen Nina in Bodenfelde hat die Polizei Northeim vergeblich versucht, den bis dahin zwölffach verurteilten Kleinkriminellen wegen einer Brandserie im Bereich Uslar und als Bewährungsversager hinter Gitter zu bringen.

Das wurde am zweiten Prozesstag bei der Vernehmung zahlreicher Polizeibeamter aus der Mordkommission (Moko) „Rechen“ deutlich. Demnach hatte O. Anfang November im Verdacht gestanden, einen Holzschuppen und damit ein angrenzendes Wohnhaus in Vahle angesteckt zu haben. Diese Brandstiftung hatte er zugegeben, allerdings behauptet, sie sei fahrlässig geschehen, als er im Dunkeln mit dem Feuerzeug nach einem Rad suchte, das er stehlen könne. Die Polizei verdächtigte ihn zudem der Brandstiftung im Tennisheim Allershausen und in einer Gaststätte in Uslar. Doch der Staatsanwaltschaft Göttingen reichten die Indizien nicht für einen Haftbefehl, zumal nicht auszuschließen war, dass die Brandlegung in dem Schuppen tatsächlich fahrlässig geschah.
Auch der Nachweis, dass der zweifach unter Bewährung stehende Kleinkriminelle immer wieder gegen Auflagen verstoßen hatte, reichte nicht, ihn hinter Gittern zu behalten. Zwar befürwortete ein Richter des Landgerichts Göttingen einen Sicherungshaftbefehl gegen ihn, das für die Vorverurteilungen zuständige Landgericht Stade lehnte jedoch ab.
Dann, so der Leiter der Moko, Hartmut Reinecke, der damals auch gegen O. die Brandstiftungen ermittelt hatte, habe er im Hinblick auf die völlige Verwahrlosung O.s wegen Selbstgefährdung dessen Unterbringung in der Psychiatrie angeregt. Die Kommission nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz (Psych-KG) habe jedoch abgelehnt. Es sei gar das Wort „Rechtsbeugung“ gefallen. Am 5. November musste O. entlassen werden, am 17. tötete er die 14-jährige Nina auf bestialische Weise, am 20. den 13-jährigen Tobias ebenso.

Zu dieser Zeit war er auch schon verdächtig, sich für junge Mädchen zu interessieren. Der Leiter eines Marktes in Uslar hatte der Polizei gemeldet, dass er versucht hatte, rund 70 Fotos von knapp bekleideten Mädchen – meist in Bikini oder Badeanzug – am Fotoautomaten auszudrucken. Doch die Fotos erwiesen sich bei Kontrolle durch die Polizei als nicht justitiabel; verbotene Nacktaufnahmen waren nicht dabei. Solche – kinderpornografische Darstellungen von Mädchen zwischen zwölf und 16 – fand man erst nach seiner Verhaftung in der Mordsache in seiner Wohnung. Im Geständnis zugegeben hat O. bereits, dass er sich in Internetforen als junges Mädchen ausgegeben habe, um Teenager dazu zu bringen, ihm Fotos von sich zu schicken.

Seine Aktivitäten im Internet haben letztlich auch zur Festnahme Jan O.s geführt. Gestern sagte ein 33 Jahre alter Polizeibeamter aus Uslar aus, wie er am 22. November, also zwei Tage nach dem zweiten Mord, rein privat im Internet surfte. Bei Facebook habe er Freunde gesucht. Dabei sei ihm angezeigt worden, dass einer seiner Bekannten einen Jan O. zum Freund habe, dessen Namen der Polizist kannte, weil er gegen ihn wegen Ladendiebstahls ermittelt hatte. Er klickte auf O.s Seite und fand dessen letzten Eintrag an der Pinwand: „Heute Mädchen geschlachtet, jeden Tag eins, bis mich erwischt.“ Er druckte die Seite sofort aus, fuhr zur Dienststelle und übergab sie der Mordkommission. Drei Stunden später war O. verhaftet. Er saß im Zug nach Bodenfelde, wo er zuvor zweimal getötet und sich mindestens zweimal an der Leiche seines ersten Opfers vergangen hatte. Bei einem der Besuche hatte er sich gar mit seiner Handykamera mit der zwei Tage toten Nina gefilmt.Den Facebook-Eintrag bewertete der Moko-Leiter gestern so: „Wie eine Aufforderung: Nehmt mich fest!“

Eines allerdings brachte der zweite Verhandlungstag gestern noch: Erste Zweifel am Geständnis. Denn O. hatte behauptet, Tobias erstochen zu haben, als der vollständig entkleidet war. Die Spurensicherung fand aber Blut an der Jacke des Kindes. Ein Aussagesachverständiger soll nun prüfen, ob alle Aussagen des schriftlichen Geständnisses auf tatsächlich Erlebtem basieren.

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