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Mündens „Henker“ und die Tillyschanze

Denkmäler Mündens „Henker“ und die Tillyschanze

Warum benennen die Mündener den Aussichtsturm, der über der Stadt thront, nach ihrem Henker, fragt sich Reinhold Heck, seit er 1993 das erste Mal die Tillyschanze besuchte.

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Präsentierten ein neues Buch: Reinhold Heck, Marlies Scheffel und Klaus Burhenne (von links).

Quelle: Vetter

Truppen des Feldherren Johann Tserklaes Graf von Tilly schlachteten während des Dreißigjährigen Kriegs bei der Erstürmung der Drei-Flüsse-Stadt 2260 Menschen ab. Heck, der seit 1995 die Waldgaststätte neben dem Aussichtsturm führt, ist der Frage nachgegangen. Gestern stellten er und seine Frau Marlies Scheffel das Buch zum Thema vor.

Die Namensgebung sorgte bereits bei Errichtung des Turms für Unmut. Die ehemalige Stadtarchivarin Ingrid Wenzel fand einen Leserbrief aus dem Jahre 1881. Ein Ingenieur empörte sich damals über die „wirklich scheußliche Witzhaltung der Stadt“. Helmut Saehrendt fand dann aber für Heck heraus, dass der Felsvorsprung bereits auf Karten aus den Jahren 1719 und 1720 den Namen Tillischäntz beziehungsweise Dilli Schantz trug.

Kanonenkugel

Tillys Offiziere werden die Stadt von der Anhöhe aus beobachtet haben. Geschossen haben sie von dort aber nicht, stellt Heck klar. Die Reichweite damaliger Kanonen war nicht so groß. Flurnamenforscher Günther Kaerger bezweifelt sogar, ob die Schanze wirklich nach Tilly benannt ist. Er leitet das Wort vom niederdeutschen Deelen ab. So seien einst Grenzen genannt worden. Eine Grenze verläuft dort oben zwischen Hessen und dem welfisch-hannoverschen Gebiet.

Hesseburg abgerissen

Bis 1306 stand auf dem Vorsprung die Hesseburg. Der Landgraf in Kassel hatte sie aus Verärgerung über ein Lachswehr der Mündener errichtet. Das behinderte die Schiffe die fuldaaufwärts nach Hessen fahren wollten. Später handelten beide Parteien einen Vergleich aus. Die Mündener rissen ihr Wehr ab, die Kasseler die Burg. Der Burggraben existiert jedoch immer noch.

1881 ließen dann Honoratioren der Stadt – Heinrich Doerr, Adolph Natermann und Carl Georg Fischer – den Aussichtsturm errichten. Es bekam damals kein Dach. Das rächt sich heute. „Das Wasser läuft oben rein und unten raus“, beschreibt Heck das Problem. Die Schäden seien bereits beträchtlich. Die Sanierung würde die Stadt 450 000 Euro kosten, meinte dazu gestern Bürgermeister Klaus Burhenne (CDU). Das Geld sei nicht da. Er hoffe, dass der Turm nicht eines Tages als Schutthaufen vor der Fulda-brücke liege.

Reinhold Heck: „Die Tillyschanze. Der Turm, der den Namen des Henkers trägt.“ 107 S., 6,50 Euro. Infos: 0 55 41 / 18 90.

Michael Caspar

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