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Mutperlen für krebskranke Kinder

Elternhaus-Projekt Mutperlen für krebskranke Kinder

Der 13-jährige Marco und seine Mutter Christa Joachim messen mit dem Zollstock nach: 1,50 Meter lang ist die knallbunte Kette des 13-Jährigen. Es ist keine Kette, die man sich um den Hals hängt, schon gar nicht als 13-Jähriger. Und doch ist es für Marco eine ganz besondere Kette. Denn sie berichtet von seinem Kampf gegen den Krebs.

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Ihre Mutperlen-Kette ist 1,60 Meter lang: die sechsjährige Hannah.

Quelle: CH

Göttingen. Die Perlen, die auf die Kette aufgefädelt werden, sind eine Belohnung für Marcos Standhaftigkeit, für sein Durchhaltevermögen, für seinen Mut, Schmerzen und schlechte Tage zu ertragen. Für jede Behandlung, die Marco über sich ergehen lässt, bekommt er eine Perle. Ein Würfel in Regenbogenfarben: Notaufnahme. Gedrehte rot-blaue Perle: Bluttransfusion. Gelb-grüne ovale Perle: Intensivstation. Giftgrüne Kreisel stehen für besonders schreckliche Tage. An einigen Stellen häuft sich das grün in Marcos Kette. 

Mutperlen sollen helfen

Die Liste der möglichen Perlen ist lang, und sie enthält alle die medizinischen Fachausdrücke, die keine Eltern der Welt in Zusammenhang mit ihrem Kind hören wollen: Chemotherapie, Radiotherapie, Isolierung, zentral-venöser Katheter, Knochenmarkpunktion. Die, die hier auf der Kinderkrebsstation des Universitätsklinikums sind, müssen aber mit diesen Begriffen leben. Die Mutperlen sollen dabei helfen.

Seit Ende Dezember ist der an Leukämie erkrankte Marco auf der Station, und rund 120 Perlen hat er in dieser Zeit aufgefädelt.Für ihn sei die Kette wie eine Art Tagebuch, sagt er. „Man kann sehen, was er alles geschafft hat“, ergänzt seine Mutter.

Geburtstag im Krankenhaus

Alle Kinder, die das wollen, können auf der Krebsstation solche Perlen bekommen. Auch Maximilian hat schon eine lange Kette, obwohl er noch ganz klein ist. Nach seinem Alter gefragt, kann er erst zwei Finger ausstrecken. Den dritten Finger kann er in einigen Tagen dazunehmen, wie Mutter Ursel Wode berichtet. Dann feiert Maximilian seinen dritten Geburtstag, womöglich im Krankenhaus.

Die Kette des kleinen Mannes ist 1,60 Meter lang. Viele rote Perlen sind darin enthalten. „Sooooo viele Pikse“, erklärt Maximilian. Die und noch viele andere Sachen musste er ertragen, weil er einen Tumor im Bauch hat. Schläuche und Katheter haben Maximilian Angst gemacht, aber er hat viel Mut gezeigt, wie seine Kette beweist. Und sie kann auch als Spielzeug verwendet werden. „Eine Rettungsschleife“, ruft der kleine Mann, als er die Kette mit seiner Mama um Stoffhund Bello wickelt. Denn Maximilian ist Fan der Trickfilm-Figur „Feuerwehrmann Sam“.

Die Perlen, die die krebskranken Kinder im Universitätsklinikum Göttingen auf die Kette auffädeln, sind eine Belohnung für ihre Standhaftigkeit, Durchhaltevermögen und den Mut, Schmerzen und schlechte Tage zu ertragen.

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Abschluss der Behandlung

„Viele Kinder und Eltern fragen nach den Perlen“, erklärt Gunda Wiedenbruch. Die Erzieherin betreut auf der Station das Projekt. Wiedenbruch hatte vor einigen Jahren ein kleines Projekt dieser Art angefangen, vor knapp drei Jahren wurde es von dem jetzigen, umfangreicheren Projekt abgelöst.

Viele Kinder lieben es, ihre Kette deutlich sichtbar ans Bett oder den Tropfständer zu hängen, berichtet Wiedenbruch. Auf der Station könnten Kinder schon anhand der Perlenketten der anderen erkennen, was auch diese hinter sich haben. Viele Patienten behielten ihre Kette noch lange nach Abschluss der Behandlung, bewahrten sie wie einen Schatz auf oder dekorierten damit ihr Zimmer.

Die Mutperlen sind ein bundesweites Projekt der Deutschen Kinderkrebsstiftung, das mit lokalen Partnern umgesetzt wird. In Göttingen wird das Projekt von der Elternhilfe für das krebskranke Kind finanziert.

Info: 25 Jahre Elternhaus
Das Elternhaus am Universitätsklinikum Göttingen feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Im Elternhaus können Angehörige von schwerkranken Kindern, die im Klinikum behandelt werden, übernachten. Der Bau des Elternhauses wurde überwiegend über Spenden finanziert. Betroffene Familien erfahren im Elternhaus Unterstützung durch ein Beratungs-Team. Das Elternhaus wird vom Verein „Elternhilfe für das krebskranke Kind Göttingen“ getragen. Seit 1988 wohnten  nach Angaben der Elternhilfe mehr als 4500 Familien im Elternhaus. Für seine Arbeit ist der Verein dauerhaft auf Spenden angewiesen. Das Elternhaus, Am Papenberg 9, ist unter Telefon 05 51/ 37 44 94 erreichbar.
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