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Mutter dement oder dankbar?

Streit ums Erbe Mutter dement oder dankbar?

Sie waren sieben Kinder. Der Älteste ließ sich frühzeitig auszahlen, der zweite Sohn erhielt den Hof. Die Töchter sollten sich das Erbe teilen. So war es gedacht. Und eigentlich war auch alles richtig gemacht – mit rechtzeitigem Rat vom Notar und Generalvollmacht für jene Tochter, die Mutter bis zum Schluss pflegte.

Dennoch gibt es erbitterten Streit ums Erbe unter den Schwestern – mit Strafanzeige und jahrelangem Prozess.

Einer von mehreren Dutzend Zivilprozessen vor dem Landgericht Göttingen jährlich, in denen späte Testamente angefochten oder Verfügungen kurz vor dem Tode angegriffen werden. Wenn es auch noch um die Frage geht, ob der Erblasser die letzten Verfügungen noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte machte oder ob Demenz die Entscheidungskraft trübte, müssen Sachverständige für Altersdemenz hinzugezogen werden.

Im konkreten Fall geht es um eine Familie vom Westrand des Eichsfeldes. Als Vater starb und Mutter erbte, war noch alles gut. Die jüngste Tochter pflegte die Mutter, erhielt von ihr General-, also auch Kontovollmacht. Als die Schwestern beim Vormundschaftsgericht Duderstadt anregten, eine Betreuung zu prüfen, wurde das abgelehnt. Zum einen bestand ja die Generalvollmacht, zum anderen stellte ein Amtsarzt in diesem Verfahren fest, dass „sie ausreichend in der Lage ist, die für ihr Leben wichtigen Dinge zu regeln.“

Nach dem Tod der Mutter dann das böse Erwachen: Von den Konten der Mutter waren nach und nach mindestens 93 000 Euro abgehoben worden – entweder von der Schwester durch Vollmacht oder mit Unterschriften, die die Geschwister für gefälscht halten. Schlimmer noch: Vom Vermögen wurden zwei Grundstücke im Wert von 110 000 Euro an die Jüngste übertragen – aus Dankbarkeit für die Pflege, sagt die. Der Notar, der die Schenkung beglaubigte, hielt die alte Dame seinerzeit für geschäftsfähig.

Die Schwestern, für die es nicht mehr viel zu Verteilen gibt, erhoben Klage. Sie stützen sich auf einen Bericht der Krankenkasse, in dem bei einer Pflegestufen-Prüfung schon ein Jahr vor Betreuungsverfahren und Grundstücksschenkung ein „demenzieller Abbau“, „körperlich-seelischer Verfall“ sowie „Realitätsverlust“ attestiert wurden. Weil sie glauben, dass die Schwester das Konto mit gefälschten Unterschriften der Mutter plünderte, gab es auch bei allem guten Zureden des Richters keine Chance, sich zu einigen. Ein Gutachter und viele Zeugen werden gehört – noch Jahre wird prozessiert.

  Testament
  Das Testament (letztwillige Verfügung) ist eine widerrufbare Erklärung eines Erblassers (§ 1937 BGB). Es kann festlegen, wer erben soll, wer enterbt wird, für wen ein Vermächtnis ausgesetzt wird, welche Auflagen zu erfüllen oder was zu teilen ist. Auch kann ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden. Ein Erbvertrag (§ 1941, 2274 ff. BGB) regelt vorzeitig mit Erblasser und allen Erben, wer im Todesfall was vom Erbe anteilig erhalten soll.
  Erbschein
  Nach dem Todesfall können Erben oder Gläubiger beim Nachlassgericht einen Erbschein beantragen. Vor Erteilung hört das Gericht alle potenziellen Erben, auch die, die im Testament nicht bedacht sind. Der Erbschein, der von Banken für die Übertragung des Guthabens auf den Erben verlangt wird, beinhaltet, zu welchem Anteil der Erbe bedacht ist. Für Grundstücksübertragungen ist der Erbschein ebenfalls erforderlich.
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Streit ums Erbe

Eine Betreuungsvollmacht für die Person des Vertrauens, ein frühzeitiges Testament oder gar ein Erbvertrag mit allen Pflichtteilberechtigten verhindern in der Regel Streit ums Erbe. Stets sollte ein Notar zu Rate gezogen werden.

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