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Nach Brand in Grone: Haftstrafe wegen illegalen Chemielagers

Grüne Grone Nach Brand in Grone: Haftstrafe wegen illegalen Chemielagers

Eiertanz nennt der Volksmund das Verhalten: erst Abstreiten jeder Verantwortung, dann Verhandeln über eine Höchststrafe, darauf eine kalkuliert wirkende Entschuldigung samt Geständnis. Am Ende mit dem letzten Wort doch wieder ein Relativierungsversuch und ein Jammern darüber, dass ja auch er einen Schaden hatte.

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Nach dem Brand in einem Chemikalienlager hatte sich die angrenzende Grone grün verfärbt.

Quelle: dpa

Göttingen. So hat sich der 42 Jahre alte promovierte Chemiker Peter L. in seinem Strafprozess wegen des Betriebs eines illegalen Chemikalienlagers in Grone verhalten. Das Lager mit 1000 Kubikmetern hochgiftiger Chemie und Abfälle war am 2. März 2012 in Flammen aufgegangen. Freigesetzte Stoffe  waren mit dem Löschwasser in Flötergraben, Grone, Leine und ins Grundwasser gedrungen.

Der Angeklagte aus Einbeck ist einschlägig vorbestraft. Er hatte bis 2008 in Fredelsloh-Tönnieshof ein illegales Lager mit 350 Tonnen hochgiftiger, teils explosiver Chemikalien ohne Erlaubnis unterhalten. Weil seine Firma (Gereso) zahlungsunfähig wurde, blieb am Ende der Steuerzahler auf riesigen Aufräumkosten hängen. Er selbst wurde 2008 zu 300 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt.

Mindestens ein Teil der Chemikalien aus Fredelsloh wurde von L. später in dem angemieteten Lagergebäude, einem einstigen Heizwerk des Flugplatzes Grone, untergestellt – ohne behördliche Erlaubnis. Außerdem palettenweise alte Kondensatoren und Transformatoren, darin höchst wertvolle Rohstoffe wie etwa das seltene chemische Element Tantal aus der Vanadiumgruppe, das nach dem Brand beschlagnahmt wurde und aktuell einen Wert von 280 000 Euro hat.

Die Staatsanwaltschaft hatte den 42-Jährigen der fahrlässigen Brandstiftung – durch chemische Reaktionen in dem Durcheinander hatte es offenbar eine Selbstentzündung gegeben –, wegen vorsätzlichen unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Stoffen und Abfällen sowie wegen Gewässerverunreinigung angeklagt.

Nach einem Großbrand in einem illegalen Chemikalienlager im Industriegebiet in Grone hat sich der angrenzende Bach Grone grün verfärbt.

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Nach einer ersten Einlassung, in der L. jede Verantwortung abstritt und behauptete, die Behörden hätten alles gewusst, gab es schließlich den sogenannten Deal im Strafprozess: eine verfahrensabschließende Verständigung, in der eine Bewährungsstrafe zugesagt wurde.

L. danach: „Es tut mir leid, dass ich wider besseres Wissen Chemikalien eingebracht habe. Auch wenn das der Gewerbeaufsicht bekannt war, war das nicht korrekt.“ Es sei ihm „nicht möglich gewesen, es regelgerecht zu entsorgen“, behauptet er. Sein Verteidiger formuliert es im Plädoyer so: „Dieses Fehlverhalten beruhte wohl ein bisschen auf Faulheit .“

Als Ergebnis der Absprache hatte das Gericht zuvor den nicht geklärten Vorwurf der fahrlässigen Brandstiftung eingestellt. Das Gericht sah aber die anderen Taten aufgrund eines Sachverständigengutachtens des am Brandtag eingesetzten Chemikers Rainer Hartmann als erwiesen an.

So habe das massenhaft notwendige Löschwasser Öle aus den Kondensatoren, die gefährliches polychlorierte Biphenyle (PCB) enthielten, ins Grundwasser und in Flötergraben und Levinschen Teich gespült. Im unbefestigten Keller des Gebäudes  sickerten die Schadstoffe ins Grundwasser. Der Rest floss in die Bäche. Darunter der ungefährliche Markierungsstoff Uranin, der Grone und Leine leuchtend grün färbte.

Nach dem Gutachten Hartmanns entstand zunächst ein Streit unter Fachleuten (auch der Angeklagte ist promovierter Chemiker), ob die gefährlichen PCBs nicht aus Altlasten oder Installationen im Gebäude stammen könnten. Hartmann wies das zurück . Und das Gericht folgte ihm.

Es verhängte eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe, die auf Bewährung ausgesetzt werden. L. muss 10 000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen und bekam außerdem auferlegt, aus dem Verkauf des sichergestellten Tantal, für das 280 000 Euro geboten wurden, die Kosten der Stadt Göttingen zu ersetzen. Über deren Höhe wird derzeit noch vor dem Verwaltungsgericht gestritten.

Ein Fakt, so Amtsrichter Detlef Hoefer, habe strafverschärfend gewirkt: Dass der Angeklagte die eingesetzten Feuerwehrleute gefährdet habe, weil er ihnen nicht sagte, was er alles dort eingelagert hatte: zum Beispiel fässerweise Flusssäure und Kerosin, die für zunächst arglose Feuerwehrleute tödlich hätten wirken können.

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Erst bestritten, dann gestanden, schließlich relativiert: Angeklagter Peter L. am Dienstag im Gerichtssaal. Foto: Hinzmann

Erst bestritten, dann gestanden, schließlich relativiert: Angeklagter Peter L. am Dienstag im Gerichtssaal. Foto: Hinzmann

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Nach dem Brand in einem illegalen Chemielager am 2. März im Industriegebiet Grone hat die Staatsanwaltschaft jetzt den Betreiber des Lagers, den 41 Jahre alten Chemiker Peter L. aus Einbeck, angeklagt. Ihm wird das unerlaubte Betreiben einer Anlage sowie der unerlaubte Umgang mit gefährlichen Abfällen vorgeworfen.

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