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Nach Notlandung: Viele Zugvögel leiden

Hunderte Kiebitze und Feldlerchen sitzen fest Nach Notlandung: Viele Zugvögel leiden

Tausende von Zugvögeln sitzen seit etwa zwei Wochen in der Region fest – erschöpft und ausgehungert.  „Da bahnt sich eine mittlere Katastrophe an“, befürchtet der Göttinger Ornithologe Hans Heinrich Dörrie. Er appelliert an Spaziergänger und Hundebesitzer, den Tieren nicht zu nahe zu kommen: „Wenn die Vögel auffliegen, werden sie weiter entkräftet“.

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Zwangsstopp in Südniedersachsen: Bei Duderstadt warten rund 4000 Kraniche auf den Weiterflug in ihre Brutgebiete im Norden.

Quelle: Blank

Göttingen / Eichsfeld. Als dramatisch beschreibt Dörrie die Situation für rund 700 Kiebitze, die in der Göttinger Feldmark bei Reinshof ohne Nahrung nahezu reglos auf den verschneiten Flächen ausharrten.

Auch Franz-Josef Lange aus Rüdershausen im Eichsfeld entdeckte eine Gruppe von 150 Kiebitzen und fotografierte die im Schnee kauernden Vögel. Lange macht sich ebenfalls Sorgen. Die Insektenfresser hätten derzeit wenig Chancen, Nahrung zu finden.

Unzählige Feldlerchen – Dörrie schätzt ihre Anzahl auf 800 – wurden ebenfalls Opfer des sogenannten Zugstaus und sitzen wie die Kiebitze südlich des Flüthewehrs in der Göttinger Feldmark fest. Der erneute Kälteeinbruch, der vor allem den Norden Deutschlands betrifft, unterbrach den Rückflug der kleinen Zugvögel in ihre Brutreviere. Ähnlich erging es rund 4000 Kranichen, die am Seeanger im Eichsfeld notlandeten und dort mittlerweile seit knapp zwei Wochen ausharren. Auch im benachbarten Hessen wurden Kraniche und andere Zugvögel beobachtet.

Dörrie befürchtet, dass viele der durch Nahrungsmangel geschwächten Vögel den Flug in ihre Zielgebiete nicht schaffen, selbst wenn die Wetterbedingungen sich verbessern. Eine Notfütterung so vieler Tiere sei allerdings nicht praktikabel, „das funktioniert nur mit den Vögeln im eigenen Garten“, sagt der Vogelkenner.

Tiere in Ruhe lassen

Deshalb empfiehlt er den Menschen in der Region, die Tiere in Ruhe zu lassen, vor allem die Kiebitze und Feldlerchen in der vielfrequentierten Göttinger Feldmark: „Sie sollten ihre letzten Kraftreserven nicht durch Flucht verbrauchen.“ Hundebesitzer hat Dörrie gebeten, ihre Vierbeiner in den betroffenen Gebieten anzuleinen , auch wenn der gesetzliche Leinenzwang noch nicht begonnen habe.

Um andere Wintergäste, deren Flug in Richtung Norden durch den Göttinger Luftraum  führt, macht der Ornithologe sich weniger Sorgen. Die Lachmöwen etwa, die zur Zeit immer wieder in der Region umherfliegen. Auch am Göttinger Kiessee seien zurzeit rund 900 der weißen Vögel zu sehen: „Das ist zu der Jahreszeit nicht ungewöhnlich“.

Die kleinste der mitteleuropäischen Möwen hatte sich in den vergangenen Jahren sogar zeitweise am Seeanger niedergelassen, „es gab dort etwa 150 Brutpaare, mittlerweile aber leben nur noch fünf bis sechs Paare am Seeburger See“, berichtet Dörrie.

Zwischenstation in Göttingen hat auch ein Trupp von rund 150 Kormoranen eingelegt, die am Kiessee die tiefhängenden Äste der Bäume besetzen. Die Wasservögel fänden selbst im Winter genug Nahrung, meint Dörrie, „wenn nicht hier, dann fliegen sie an die Northeimer Kiesteiche“. Neue Bewohner seien derzeit auch einige schöne Kolbenenten. Die Männchen der Art sind an ihrem breiten, roten Kopf und dem roten Schnabel zu erkennen. Dörrie: „Die werden zunehmend in der Region und in ganz Niedersachsen beobachtet.“

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Möwenflucht: Auch auf dem Wasser sollten Menschen lieber Abstand halten.

Vorsichtige Entwarnung: Weil einige Felder mittlerweile vom Schnee befreit und über das Wochenende neue Niederschläge ausgeblieben sind, hat der Göttinger Ornithologe Hans-Heinrich Dörrie die Hoffnung, dass das von ihm befürchtete Massensterben von notgelandeten Zugvögeln ausbleibt. „Kleinere Verluste wird es allerdings geben.“

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