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Nach Revision auf Freispruch plädiert

BGH hebt Urteil auf Nach Revision auf Freispruch plädiert

Weil er die Lebensgefährtin seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau in einem Ferienhaus in Schweden vergewaltigt haben soll, steht ein 57 Jahre alter Kraftfahrer aus dem Landkreis Northeim vor dem Göttinger Landgericht.

In einer ersten Verhandlung wurde der Beschuldigte zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt (Tageblatt berichtete). Das Urteil hielt der Überprüfung des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht stand. Es hob das Urteil auf und verwies die Sache erneut an das Landgericht. Die Bundesrichter halten die Beweiswürdigung des Landgerichts für unzureichend. So bezweifeln sie, dass ein schwer alkoholisierter (1,77 Promille), rückenkranker Frührentner eine jüngere und sportlichere Frau vergewaltigen konnte, dabei sowohl die Tritte des Opfers also auch eine Beißattacke ihres Mischlingshundes abwehren konnte.

Am Ende der Neuauflage des Verfahrens räumte die Staatsanwaltschaft ein, dass der Angeklagte „schlüssige und widerspruchsfreie“ Aussagen gemacht habe. Nach dem rechtsmedizinischen Gutachten habe die Anklägerin erste Zweifel an der Version des vermeintlichen Opfers gehabt. Überdies habe das psychiatrische Gutachten weitere Zweifel aufkommen lassen. Auch der Vertreter der Nebenklage kommt nach der zweiten Hauptverhandlung zu einem anderen Ergebnis. Angesichts der Problematik stellte der Rechtsanwalt keinen konkreten Antrag, sondern bat die Kammer lediglich um eine „gerechte Strafe“.

Die beiden Verteidiger des Angeklagten, Olaf Wiesemann und Steffen Stern, zeigten sich nach der Beweisaufnahme sichtlich zufrieden. So stand für Wiesemann nunmehr fest, dass sein Mandant unschuldig sei und aufgrund der Angaben des vermeintlichen Opfers in diese Sache „hineingezogen“ wurde. Auch Co-Verteidiger Stern ging weiter als die Staatsanwaltschaft und befindet: „Es war nicht ‚vielleicht nicht‘ so, sondern es war absolut nicht so.“ Stern bezeichnete die im Gerichtssaal vergossenen Tränen als „verlogen“. Zum Opfer selbst fand Stern deutliche Worte: Verhalten, Aussagen – all das sei „Kalkül“ gewesen. Sowohl die Polizei als auch das Gericht habe sie erwiesenermaßen „bewusst belogen“. Für seinen Mandanten sei das eine „haarscharfe Sache“ gewesen. Der Staatsanwaltschaft gab er zu bedenken, den Fall zu prüfen. Sollte ein Fehler passiert sein, sei das eine „Riesenlumperei“. Das Urteil fällt die Kammer am Montag, 7. Februar.

Von Lukas Breitenbach

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