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„Zwei Helden und tausend Schutzengel“

Wiedersehen mit Lebensrettern „Zwei Helden und tausend Schutzengel“

Als Marc Sieck und seine Verlobte Yvonne Blänkner das Krankenzimmer betreten, wird Nicola Bremer von ihren Gefühlen überwältigt. Ihre Tochter Anna-Lena Heinrich hätte ohne den selbstlosen Einsatz von Sieck einen Verkehrsunfall wahrscheinlich nicht überlebt.

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Unfallopfer Anna-Lena Heinrich (Dritte von links) mit ihren Lebensrettern Yvonne Blänkner (links) und Marc Sieck sowie Mutter Nicola Bremer.

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Als Marc Sieck und seine Verlobte Yvonne Blänkner das Krankenzimmer im Göttinger Uniklinikum betreten, wird Nicola Bremer von ihren Gefühlen überwältigt. Ihre Tochter Anna-Lena Heinrich hätte ohne den selbstlosen Einsatz von Sieck einen Verkehrsunfall wahrscheinlich nicht überlebt. „Jedes Wort ist zu wenig für das was ich fühle“, sagt Bremer unter Tränen. Und umarmt den Retter ihrer Tochter.

„Ohne euch hätte ich keine zweite Chance auf das Leben gehabt“, sagt Heinrich. Ihr Auto war nach einem Manöver eines anderen Wagens am Sonnabend gegen 21.45 Uhr auf der Autobahn 7 ins Schlingern geraten, anschließend von der Fahrbahn abgekommen, über die Leitplanke und durch einen Wildzaun die Böschung hinunter gefahren. Das Fahrzeug überschlug sich, blieb auf einem Feld liegen und fing Feuer. Sieck und seine Verlobte, die hinter Heinrich fuhren, hielten an. Der 32-Jährige hat in dem Moment „nicht nachgedacht“. Er lief zum auf der Seite liegenden Wagen, zerschnitt den Sicherheitsgurt mit einem Taschenmesser – das Heinrich seit einem versuchten Überfall immer in ihrer Hosentasche hat, es selbst aber nicht greifen konnte – und zog die junge Frau aus dem Wagen. Kurz darauf stand der komplette Chevrolet in Flammen. Die Hilfe „sollte selbstverständlich sein“, meint Sieck, der mit seiner Verlobten in wenigen Monaten ein Kind erwartet.

Yvonne Blänkner und Marc Sieck

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„Da sollten sich viele Leute ein Beispiel dran nehmen“, appelliert Mutter Bremer und ergänzt: „Nicht gaffen, sondern helfen. Sonst säße meine Tochter nicht mehr hier.“ Ihre Tränen kann sie dabei nicht zurück halten.
Mit einer Stauchung der Wirbelsäule und einigen Prellungen kam die Moringerin glimpflich davon. Ebenfalls davon kam der nach Angaben Siecks „kleine rote Polo“, der bei freier Fahrbahn von der rechten Spur knapp vor Heinrichs Fahrzeug auf die Mittelspur gezogen sein soll. „Ich habe noch die Hoffnung, dass er oder sie ein schlechtes Gewissen bekommt und sich meldet“, sagt der Kfz-Mechaniker.
Unterdessen steht für Heinrich die Entlassung aus dem Krankenhaus an. Auf ihrem Weg zur Arbeit wird sie in Zukunft wieder täglich an der Unfallstelle vorbeifahren müssen. „Das wird am Anfang sicher schwer werden“, meint die 23-jährige Bäckerin und fügt hinzu: „Dieses Jahr werde ich definitiv nicht mehr arbeiten.“ Ihre Mutter hat inzwischen Kontakt zu einem Pastor aufgenommen. Die Familie will sich bei der Verarbeitung des Geschehenen Hilfe holen.

Die Reaktionen auf ihren Einsatz empfinden die Retter indes als „erschreckend und beeindruckend“. „Ein Dankeschön, ein Händeschütteln und dann wäre das Thema durch gewesen“, meint Sieck bescheiden. Er hatte bei der Rettung auch sein eigenes Leben riskiert. „Natürlich hatte ich Angst – er wird Papa“, sagt seine Verlobte. Aber wenn man helfen könne, dann würde man helfen. Denn wie Bremer sagt: „Das Leben ist unersetzbar“, und ihre Tochter hatte an diesem Abend „zwei Helden und tausend Schutzengel“. yah

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