Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Schneeregen

Navigation:
Nach der Party im Bett gelandet

Student wegen Missbrauchs vor Gericht Nach der Party im Bett gelandet

Weil er nach einer Uniparty in das Bett einer langjährigen Freundin gestiegen und diese missbraucht haben soll, steht ein 23-Jähriger derzeit vor dem Göttinger Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Physikstudenten sexuellen Missbrauch einer widerstandsunfähigen Personen vor.

Voriger Artikel
Prozess um asiatische Kükensortierer fortgesetzt
Nächster Artikel
Förderbescheid für Breitbandausbau


Quelle: dpa

Göttingen. Es war im Dezember vor zwei Jahren, als der Angeklagte eine langjährige Freundin in Göttingen besuchte. Man kannte sich bereits seit Schultagen und hatte den Kontakt nie ganz abreißen lassen. An diesem verlängerten Wochenende wollten die beiden gemeinsam ins Theater gehen, die Stadt erkunden, auf Partys gehen, Spaß haben. Es sollte der letzte Kontakt der beiden werden. Denn am Ende des ersten Tages liegen die beiden betrunken im Bett, er versucht mit ihr zu schlafen – gegen ihren Willen, sagt die Anklage.

Am zweiten Verhandlungstag vor dem Göttinger Gericht schildert zunächst der Angeklagte die Ereignisse und ihre Vorgeschichte aus seiner Perspektive. Er beginnt in der Oberstufe, als er das erste Mal das Mädchen sah, das ihn jetzt angezeigt hat. Schon damals machte sie Eindruck auf ihn. Man traf sich in der Schule und auf Feiern. Als sie für ein Jahr ins Ausland ging, drohte der Kontakt abzubrechen. Doch sie fanden sich wieder, besuchten sich gegenseitig Zuhause und in den Studienorten, schrieben sich Kurznachrichten.

Vor dem Fernseher gekuschelt

Und obwohl sie nach seinem Bekunden nur gute Freunde waren, und sie vorgab, in einer Beziehung mit einem anderen Mann zu leben, wurden die Kontakte immer inniger, schildert der Student. Sie seien Hand in Hand gegangen, hätten vor dem Fernseher gekuschelt oder sich Geschenke und Komplimente gemacht. „Ich habe deutlich gespürt, dass sie den Kontakt gesucht hat. Das hat mir immer mehr zu denken gegeben.“

Dann kam die Einladung nach Göttingen. Sie hatte sich einige Tage freigenommen, er hatte Eintrittskarten für das Deutsche Theater besorgt. Er sollte bei ihr in der WG übernachten, in ihrem Zimmer, in ihrem Bett. Da sei man sich einig gewesen, erzählt er dem Richter. Das hatte man in der Vergangenheit ja auch schon gemacht, ohne dass etwas passiert sei. Doch diesmal passierte etwas.

Reichlich Alkohol auf der Studentenparty

Bevor es soweit kam, sollte man gemeinsam einen lustigen alkoholreichen Abend verleben. Ein Bier in der WG, einige Longdinks und Bowle beim Warmtrinken bei einer Freundin, Wodka auf dem Weg zur Party. Dort angekommen trank man mehr Bier, Likör und einige Runden anderer Spirituosen. Die Männer hätten mehr getrunken als die Frauen, aber nur unwesentlich, erinnert sich der 23-Jährige.

Doch auf der Party wurde nicht nur getrunken, sondern auch abwechselnd getanzt und geknutscht. So ging der Angeklagte im Laufe des Abends mit einer Freundin seiner Bekannten auf Tuchfühlung. Er habe sich der Situation schnell entzogen. So einer sei er nicht, sagt er. Sie habe das Gefühl gehabt, dass er mehr gewollt hätte, sagt sie.

Als er einige Stunden später mit seiner Bekannten in ihrem Zimmer sitzt, hätten beide mehr gewollt. Zwar sei noch einmal kurz die Frage des gemeinsamen Lagers für die Nacht aufgekommen, räumt er ein. Dann aber habe man in inniger Umarmung mehr oder weniger unbekleidet übereinander gelegen. Zum echten Geschlechtsverkehr sei es nicht gekommen, weil sie zu betrunken gewesen seien. „Es hat nicht geklappt“, gibt er kleinlaut zu Protokoll. „Das war schon ein bisschen peinlich.“

Am nächsten Morgen habe er beim gemeinsamen Aufwachen gemerkt, dass die Stimmung umgeschlagen war. Die Freundin sei wütend gewesen, habe gefragt, ob das wirklich passiert sei. Und sie habe verzweifelt gewirkt, weil sie es ihrem Freund erzählen müsse. „Es tat mir leid, dass ich sie in diese Lage gebracht hatte“, sagt der Physikstudent heute. Man war sich einig, dass er nach Hause fahren müsse. Dort erreichte ihn einige Zeit später die Mitteilung der Polizei, dass gegen ihn ermittelt werde.

Das Gericht wird nun klären müssen, welche Version der Geschichte der Wahrheit näher kommt. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Markus Scharf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Anzeigenspezial
GT-Nightlounge im Amavi Wild Göttingen am 9.12.2017
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt