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9. November: Ein Tag der historischen Ereignisse

Gedenken in der Region Göttingen 9. November: Ein Tag der historischen Ereignisse

1938 marschierten am 9. November die Nationalsozialisten auf, um Synagogen anzuzünden, jüdische Mitbürger zu verhaften und ihr Hab und Gut zu plündern: Die Reichspogromnacht kennzeichnet den Beginn der systematischen Judenverfolgung durch das NS-Regime.

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In jedem Jahr am 9. November gedenken Menschen landesweit der Opfer des Nationalsozialismus.
 

Quelle: GLOK

Region.  Der Holocaust war der bis 1945 anhaltende Völkermord von etwa 6,3 Millionen europäischen Juden. 1989 wurde in beiden deutschen Staaten an die Ereignisse vom 9. November 1938 erinnert. In der DDR wurde aber auch der seit Monaten herrschende Protest gegen die SED fortgesetzt. Am Abend des 9. November gab eine überraschende Mitteilung zum Reisegesetz den Weg für die Bürger der DDR in den Westen und damit in die Bundesrepublik Deutschland frei – es war das Ende der seit Oktober 1949 herrschenden deutschen Teilung.

Die Grenze danach

Dem Nationalsozialismus und zweiten Weltkrieg folgte der Mauerbau. „Dieser Grenzturm muss als Erinnerung an die deutsche Geschichte erhalten bleiben“: Für Fredi Willig bedeutete der Entschluss, einen Grenzturm bei Bad Lauterberg zu kaufen. Bis heute sind die Wachtürme ein Symbol der deutsch-deutschen Teilung, die am 9. November 1989 endete.

Relikt der innerdeutschen Teilung

Relikt der innerdeutschen Teilung: ein alter Grenzer-Turm.

Quelle: nie

Eine hässliche graue Fassade, zugige dünne Fenster, keinerlei Komfort - eine Traumimmobilie sieht anders aus. Ein Premium-Standort ist es auch nicht gerade: Rundherum nur Bäume, Felder und eine kleine Straße, sonst weit und breit nichts. Trotzdem wollte Fredi Willig diesen Turm unbedingt haben. Der heute 65 Jahre alte Rentner ist in Bartolfelde, einem Ortsteil von Bad Lauterberg, aufgewachsen. Etwa einen Kilometer südlich verlief die Grenze zur DDR. Hier stand auch ein Turm, von dem aus die Grenze überwacht wurde. Nach dem Fall der Mauer im November 1989 wurden viele Grenzanlagen und Türme abgerissen. Für Fredi Willig stand damals fest: „Dieser Grenzturm muss als Erinnerung an die deutsche Geschichte erhalten bleiben.“ Da keine staatliche Institution am Erhalt interessiert war, kaufte er den Turm privat.

Besitzt einen Grenzturm an der einstigen innerdeutschen Grenze

Besitzt einen Grenzturm an der einstigen innerdeutschen Grenze: Fredi Willig.

Quelle: nie

Vorher hatte er allerdings langwierige Verhandlungen mit diversen Behörden führen müssen. Willig ließ nicht locker, bis er schließlich 2001 vom Bundesvermögensamt in Erfurt ein 20.000 Quadratmeter großes Grundstück mitsamt dem Turm erwerben konnte. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, wenn man so etwas macht“, schmunzelt der 65-Jährige. Der Turm war in einem miserablen Zustand. Wie so oft bei leerstehenden Gebäuden, hatten auch hier Unbekannte im Inneren alles verwüstet und mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war: „Sämtliche Fensterscheiben waren kaputt, die Treppenstufen herausgerissen, die Kabel verkohlt, der Keller voller Steine“, erzählt Willig.

Gemeinsam mit Freunden hat er dann nach und nach den Turm renoviert, so dass er wieder begehbar war. „Ein Jahr haben wir dafür gebraucht“, erzählt Willig. Anders als in manchen Grenzlandmuseen ist nur wenig von der Originalausstattung erhalten. „Das hier ist kein Museum, das Gebäude steht auch nicht unter Denkmalschutz“, sagt der Turmbesitzer. Die wenigen Dinge, die noch vorhanden waren, wurden aber wieder eingebaut, etwa die einzige erhaltene Treppenstufe und auch das Treppengeländer. In den Räumen sind auch eine Fahne, Uniformen, Mützen, Wimpel, ein Honecker-Bild und andere Relikte aus DDR-Zeiten zu sehen. Diese hat Willig aber von anderen Orten zusammengetragen. Ein etwas kurios anmutendes Original ist eine Windrose, die im Obergeschoss des Turms auf die Decke aufgemalt war - offenbar brauchten die Grenzer trotz all der Überwachungstechnik auch ganz simple Orientierungshilfen.

Quelle: nie

Überhaupt die Technik: „239 Kabel habe ich in diesem Turm gefunden“, erzählt Willig. Der Grenzturm bei Bartolfelde war ein so genannter Führungspunkt. Von hier aus wurden die umliegenden Abschnitte der insgesamt 1400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze mit aufwendiger Funk- und Nachrichtentechnik überwacht und die Einsätze koordiniert. Vor allem im Winter dürfte der Wachdienst oben im Turm kein angenehmer Arbeitsplatz gewesen sein, meint Willig. Zwar habe es einen Elektroofen gegeben: „Aber es ist nie richtig warm geworden.“ Dies hätten ihm einstige Grenzsoldaten erzählt, die damals hier eingesetzt gewesen waren.

Heute können Besucher vom Turm aus einen grandiosen Ausblick genießen: „Bei gutem Wetter kann man bis zum Brocken sehen und sogar den Dampf der Brockenbahn erkennen“, sagt Willig. Von hier oben sieht man auch den alten Kolonnenweg, den damals die Grenztruppen benutzten. Dass der Verlauf so gut zu erkennen ist, ist auch Fredi Willig und seinen Helfern zu verdanken: Mit Zustimmung der Behörden haben sie den Weg, der völlig zugewuchert war, wieder freigeschnitten. Hierüber freuen sich vor allem Wanderer und Radfahrer, weil sie so die einstige Grenze erwandern beziehungsweise „erfahren“ können.

Gedenkveranstaltungen in der Region

Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit veranstaltet am Donnerstag, 9. November, in Kooperation mit der  Stadt Göttingen eine Gedenkstunde am Synagogen-Mahnmal. Die traditionelle Feier zum Gedenken an die Novemberpogrome des Jahres 1938 steht in diesem Jahr unter der Überschrift „Tosendes Schweigen. Die Verfolgung Göttinger Wissenschaftler/innen im Nationalsozialismus“. Die inhaltliche Ausgestaltung haben Geschichtsstudierende von Prof. Dirk Schumann übernommen. Die Feier, bei der auch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler sprechen wird, beginnt um 18 Uhr. Die musikalische Begleitung liegt bei den Vokal-Art-Chören unter Leitung von Michael Krause.

Platz der Synagoge in Göttingen

Platz der Synagoge in Göttingen: Auch hier gibt es in jedem Jahr am 9. November eine Gedenkveranstaltung.

Quelle: Christina Hinzmann

Im Rahmen des Göttinger Gedenkbündnis zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, veranstaltet das Jüdische Lehrhaus Göttingen eine „Lange Nacht der Erinnerung“ mit dem Titel „Der Kibbuz auf dem Streicherhof – Die letzten Landjuden in Franken“. Der Leiter und Mitbegründer des Nürnberger Instituts für NS-Forschung und jüdischer Geschichte des 20. Jahrhunderts, Jim G. Tobias, referiert dazu ab 19.30 Uhr im Begegnungszentrum Restaurant Löwenstein, Rote Straße 28.

Auf Anregung des ökumenischen Arbeitskreises Northeim wird am Donnerstag, 9. November, mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein für jüdische am Entenmarkt in Northeim der Opfer der Pogromnacht gedacht. Für die Veranstaltung, die um 18 Uhr beginnt, wird der Entenmarkt kurzfristig für den Fahrzeugverkehr gesperrt.

Der Flecken Adelebsen veranstaltet anlässlich des Jahrestags der Reichspogromnacht eine Gedenkfeier auf dem Roten Platz. Die Feierlichkeit beginnt um 16 Uhr.

Die Touristinformation Osterode am Harz lädt für Donnerstag, 9. November, zu einer Themenführung „Jüdisches Leben in Osterode“ ein. Der Rundgang beginnt um 15 Uhr vor der Gedenktafel „Stolpersteine“ vor der Touristinformation in der Aegidienstraße.

Das „ Dransfelder Bürgerforum 9. November“ veranstaltet um 16.30 Uhr eine Gedenkstunde an den Novemberpogrom 1938. Gedacht wird den Dransfelder Bürgern jüdischen Glaubens, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, vor der ehemaligen Synagoge Dransfeld, Gerlandstraße 7.

Wanderung als Zeichen für ein vereintes Europa

 Um ein Zeichen für ein friedliches und geeintes Europa zu setzen, lädt das Grenzlandmuseum Eichsfeld gemeinsam mit dem Göttinger Bündnis „Pulse of Europe“ an diesem Donnerstag (9. November) zu einer beleuchteten Wanderung auf dem Grenzlandweg im Eichsfeld ein. „Dort, wo der Eiserne Vorhang jahrzehntelang Europa teilte, soll an die Überwindung der europäischen Teilung erinnert und an die europäische Einheit appelliert werden“, sagte Harm Adam vom Organisatoren-Team der Bewegung. Für die Wanderung würden einige der historischen Lichtmasten entlang der ehemaligen Grenze angeschaltet.

Vor der Wanderung berichteten Vertreter der Initiative aus Göttingen und Erfurt im Grenzlandmuseum Eichsfeld über ihren Einsatz für Europa, hieß es. Teilnehmer könnten anschließend ihre Wünsche für die Zukunft Europas für eine Luftballon-Aktion auf Postkarten schreiben.

Der rund sechs Kilometer lange Grenzlandweg Eichsfeld führt entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze durch Thüringen und Niedersachsen. An 24 Standorten des Rundwegs wird unter anderem durch rekonstruierte Abschnitte der ehemaligen Grenzanlagen wie auch Beobachtungsbunker die Geschichte und auch die Ökologie der Region erklärt. Der Weg beginnt im thüringischen Teistungen, am einstigen Grenzübergang Duderstadt-Worbis.

Von Heidi Niemann und Pauline Noll

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