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Von Hausbesetzern zu Hausbesitzern

„OM10“ präzisiert Pläne Von Hausbesetzern zu Hausbesitzern

Nachdem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) dem Verkauf des ehemaligen Gewerkschaftshauses in Göttingen zugestimmt hat, bemühen sich die ehemaligen Besetzer um eine Finanzierung. Für sie ist das eine ungewohnte Situation, aber trotzdem herrscht Aufbruchstimmung.

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Quelle: Wenzel/Archiv

Göttingen. „Jetzt geht es nicht mehr um den Putzplan“, beschreibt Almut Schilling die Treffen der Flüchtlingsunterstützer in der „OM10“, wie das Gebäude genannt wird. Seit der Einigung mit dem DGB haben diese eigenen Angaben zufolge zwei Vereine ins Leben gerufen, eine GmbH gegründet, sich ins Mietrecht eingelesen und Versicherungen abgeschlossen. Für das Organisationsteam ist das Neuland, so berichtet Lina Dehnhardt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich auf einem Plenum mal über Zinssätze diskutiere.“

Hilfe kommt vom „Mietshäuser-Syndikat“: In dem Unternehmen aus Freiburg haben sich in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Projekte zusammengeschlossen, bei denen Gemeinschaften ganze Häuser gekauft haben. Die Zusammenarbeit soll den einstigen Besetzern zufolge sicherstellen, dass das Haus nicht irgendwann wieder mit Gewinn verkauft wird. Ein 50-prozentiger Anteil an der GmbH, der das Haus demnächst gehören soll, soll an das Mietshäuser-Syndikat verkauft werden. Dieses garantiert als stiller Gesellschafter eine gemeinschaftlich orientierte Struktur. Einer der beiden Vereine entscheidet als zweiter Gesellschafter über die konkrete Nutzung des Hauses - das allerdings erstmal bezahlt werden muss.

„Kaufpreis und Sanierungskosten müssen wir selbst aufbringen“, erklärt Udo Trost. Die Hausgemeinschaft setzt deshalb auf Direktkredite: 500 Euro soll die kleinste Kreditsumme sein, angesichts der „minimalen Zinsen“ hofft das Organisationsteam vor allem auf Freunde als Kreditgeber - das Haus soll als Sicherheit dienen. Obwohl sie nach eigenen Angaben bisher ohne Fördermittel auskommen, sind die früheren Besetzer zuversichtlich, dass ihr Vorhaben funktioniert.

Angesichts der absehbaren, dauerhaften Lösung hat sich für die ehemaligen Besetzer vieles verändert: „Wenn wir jetzt etwas renovieren, bleibt das für 20 Jahre“, sagt beispielsweise Schilling. Die Langfristigkeit hat Bewohner und Unterstützer auch auf freundschaftlicher Ebene zusammengeschweißt: Erst am Vortag sei sie von Mohammed B. nach einer Besprechung zum Essen eingeladen worden, schildert Schilling.

B. gehörte zu den ersten Flüchtlingen, die an der Oberen Maschstraße eingezogen sind - aus einer Massenunterkunft heraus, wo er nach eigenen Angaben in Schlägereien und ähnliches geraten war. In der „OM10“ hingegen habe er Freunde gefunden, helfe anderen Flüchtlingen und lerne gleichzeitig Deutsch und Englisch. Er sagt: „Jetzt geht es mir so viel besser.“

Die „OM10“

Im November 2015 haben Flüchtlingsunterstützer das ehemalige Gewerkschaftshaus an der Oberen Maschstraße 10 in Göttingen besetzt, um dort Wohnraum für Flüchtlinge und Unterstützer sowie Räume für Veranstaltungen und Sprachkurse einzurichten. Es folgte eine lange Auseinandersetzung mit dem Eigentümer, der Vermögens und Treuhandgesellschaft (VTG) des DGB, bis Letztgenannter dem Verkauf an die Besetzer im Oktober zustimmte. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Zur Finanzierung plant die Hausgemeinschaft, Direktkredite aufzunehmen. Wie genau das funktionieren soll, wird am Montag, 12. Dezember, ab 19 Uhr in der Oberen Maschsstraße 10 erklärt.

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