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Organskandal: Polizei hört Aiman O.s Fluchtpläne mit

Polizei hört mit Organskandal: Polizei hört Aiman O.s Fluchtpläne mit

Der 45 Jahre alte Medizinprofessor und Transplantations-Spezialist Aiman O. bleibt in Haft. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig am Mittwochnachmittag entschieden.

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Braunschweig/Göttingen. Der Göttinger steht weiter unter dringendem Verdacht, planmäßig die Wartelisten für Lebertransplantationen bewusst beeinflusst zu haben und damit Patienten, denen früher hätte eine Spenderleber zugeteilt werden müssen, in Lebensgefahr gebracht zu haben. Gegen O. wird wegen mehrerer Fälle versuchter Tötungsdelikte ermittelt.

Bleibt in Haft: Aiman O.

Bleibt in Haft: Aiman O.

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Auf Tageblatt-Anfrage bestätigte ein Sprecher des OLG, der Haftgrund werde weiter mit Fluchtgefahr angegeben. Dass die akut war, ist dokumentiert. OLG-Sprecher Ingo Groß bestätigte auf Anfrage  auch Informationen des Tageblattes, wonach Grundlage der Verhaftung des Mediziners konkrete Fluchtvorbereitungen waren, die Polizeibeamte bei einer vom Amtsgericht Braunschweig angeordneten Telefonüberwachung bemerkten.

Der Arzt war daraufhin am 11. Januar dieses Jahres in Untersuchungshaft genommen worden und sitzt seither in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf.

Haftbeschwerde abgewiesen

Schon das Landgericht Göttingen hatte die Haftbeschwerde O.s abgewiesen. Dem schloss sich der 1. Strafsenat des OLG unter Vorsitz des früheren Göttinger Schwurgerichtsvorsitzenden Dirk Amthauer jetzt in einer 28-seitigen Entscheidung an. Nach Auffassung des Senats habe sich der Verdacht bestätigt, dass O. durch Falschangaben zur Dialyse systematisch die Organvergabe beeinflusst und seine Patienten zum Schein kranker gemacht habe.

Weil in Deutschland die Zahl der lebensbedrohlich Erkrankten, die dringend eine Spenderleber benötigen, die Zahl der zur Verfügung stehenden Organe massiv übertrifft, hätten nur solche Patienten, die mit einer 98-prozentigen Wahrscheinlichkeit ohne lebensrettende Transplantation innerhalb der nächsten drei Monate sterben würden, eine Spenderleber erhalten dürfen.

Durch systematische Beeinflussung der an Eurotransplant gemeldeten Parameter, konkret der Meldung einer erfundenen Dialyse, seien im Tatzeitraum 2009 bis 2011 in mindestens acht Fällen Patienten bevorzugt worden.

Der rechtlichen Würdigung des Strafsenats kommt auch im Hinblick auf weitere Fälle derartiger Beeinflussung von Meldedaten durch Kliniken im ganzen Bundesgebiet, unter anderem in Regensburg, München und Leipzig, große Bedeutung zu.

Alkoholabstinenz nicht eingehalten

Ein wichtiger weiterer Punkt: Der Senat sieht auch darin, dass der Leberspezialist Patienten an die Warteliste von Eurotransplant gemeldet habe, die eigentlich niemals für eine Operation infrage gekommen wären, weil sie die vorgeschriebene Alkoholabstinenz nicht einhielten, eine systematische Beeinflussung der Warteliste.

Tageblatt-Recherchen hatten bereits ganz zu Anfang des Skandals Hinweise darauf ergeben, dass Transplantationspatienten sogar betrunken zur vorgesehenen Lebertransplantation gekommen seien. Dass solche Patienten, die Abstinenzzeiten nicht eingehalten und die deshalb von keinem beratenden Facharzt für die Warteliste vorgesehen wurden, dennoch von Aiman O. bei Eurotransplant gemeldet wurden, sieht der Senat als weiteren Hinweis auf eine planmäßige Beeinflussung der Organ-Zuteilung.

Nach Bekanntwerden dieses Verdachts und Kontrolle durch  eine Prüfungskommission waren 25 Patienten von der aus Göttingen gemeldeten Warteliste gestrichen worden. Auch die Anhaltspunkte der Manipulation von Patientenakten hinsichtlich Dialyse bezieht die Staatsanwaltschaft aus diesem Kommissionsbericht und wertet ihn als Manipulations-Beleg.

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Lebertransplantationen

Bisher stand Korruption im Mittelpunkt der Ermittlungen im Organspende-Skandal an der Uni Göttingen: Bestechung oder Bestechlickeit, um schneller an eine neue Leber zu kommen. Seit Donnerstag gibt es ein neues Ermittlungsverfahren: Verdacht von Tötungsdelikten.

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