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Pastor Henning Goeden: Andacht zum Karfreitag

Gott lässt sich nicht verpflichten Pastor Henning Goeden: Andacht zum Karfreitag

„Jeftah war ein streitbarer Mann aber der Sohn einer Anderen“. So beginnt eine Geschichte im 11. Kapitel des Richterbuches. „Sohn einer Anderen!“

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Quelle: Armer/dpa (Symbolbild)

Man spürt die Verachtung: Wahrscheinlich hat man Jeftah von Anfang an spüren lassen, was es heißt, nicht dazu zu gehören, ein Außen-Seiter zu sein. Außenseiter: Viele wissen, was das für ein Gefühl ist: Als schwarzes Schaf der Familie, als chronisch Kranker unter Gesunden, als Armer in der Überflussgesellschaft, als Schulversager unter Abiturienten.

Pastor Henning Goeden

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Jeftah, der Außenseiter, wird von seinen gutsituierten Brüdern gemobbt, er flieht und wird der Anführer einer Bande. Noch mehr Außenseiter. Jeftah rächt sich, indem er die wohl sortierte Welt, die ihn ausgeschlossen hat, in Angst versetzt. Ihr habt mich als Kind nie geliebt? Gut, dann fürchtet mich als Erwachsenen!

Gefragt ist Jeftah erst wieder, als die Brüder bedroht werden. In der Not bitten sie Jeftah um Beistand und dem gelingt es mit Gottes Hilfe die Feinde abzuwehren. Und tut nun etwas Merkwürdiges: Er legt ein Gelübde ab: „Wenn ich heil zurückkomme, so soll, was mir aus meinem Haus entgegengeht, geopfert werden.“

Jeftah, der in seinem Leben nie wohltuende, absichtslose Bindungen erfahren hat, kann sich Zuneigung nur erkaufen oder sie erzwingen. Das Gelübde ist der Versuch, Gott an sich zu binden.

Und Gott? Schweigt.

Nun passiert alles so, wie Jeftah es will – es ist nicht immer gut, wenn alles so kommt wie wir es wollen – nur läuft ihm, als er nach Hause kommt, seine Tochter entgegen.

Was macht Jeftah? Er opfert seine Tochter. Warum? Weil er es versprochen hat? Ist die Bindung an ein Wort mehr wert als ein Menschenleben? Warum sucht Jeftah keinen Ausweg? Warum sagt er: „Ich kann nicht zurück?“ Wirklich nicht? Warum bittet er nicht Gott um Hilfe, schließlich hat er schon einmal die Erfahrung gemacht, dass Gott auf seiner Seite ist?

Und Gott? Schweigt. Es ist schwer dieses Schweigen auszuhalten. In Indien wird eine Frau nach Vergewaltigung erschlagen, Millionen Frauen sind weltweit männlichen Übergriffen ausgesetzt, wie viele Kinder leiden unter den sinnlosen Worten und Gewalttaten ihrer Väter!

Gott schweigt. Das macht wütend. Macht ohnmächtig. Viele wissen, wie aggressiv Schweigen machen kann. Wir wollen uns mit dem Schweigen nicht abfinden. Wir möchten eine Erklärung für das, was an Abgründigem geschieht, wir wollen eine Erklärung, warum immer wieder Menschen zu Opfern werden. Wir wollen – und erhalten keine Antwort. Gott lässt sich nicht verpflichten.

Jeftahs Tochter hat keinen Namen. Sie steht stellvertretend für die namenlosen Opfer dieser Welt. Für die ungeliebten Kinder. Die geprügelten Frauen. Die gekreuzigten Männer.

Jesus am Kreuz, das bekannteste Opfer der Welt. In Jesu Tod stellt sich Gott auf die Seite der Opfer. Er stirbt mit Jeftahs Tochter. Er leidet mit allen, die keine Stimme und keinen Namen haben, mit allen, die kein Gehör finden.

„Mein Gott, ich rufe bei Tag doch du gibst keine Antwort; ich rufe bei Nacht und finde keine Ruhe.“ (Psalm 22,3)

Gott schweigt.

Er schweigt in unseren täglichen Karfreitagen. Aber das ist nicht sein letztes Wort. Ostern gibt er seine Antwort.

Pastor Henning Goeden,

Justizvollzugsanstalt Rosdorf
Evangelisch-Reformierte Kirche

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