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Paulusstift: Senioren kochen selbst

Neue Gerichte und alte Leibspeisen Paulusstift: Senioren kochen selbst

Kartoffeln, Sellerie, Tomaten – auf dem Schneidebrett türmt sich Gemüse. Waltraud Weber-Eidt vom Sozialen Begleitenden Dienst im Caritas-Seniorenstift St. Paulus fragt in die Runde, wer welches Gemüse putzen und schneiden will. Keine Frage für Edith Scholtyssek: „Ich bin Hausfrau, ich habe alles gemacht“, ruft die 91-Jährige.

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Ist der Kassler so gut? Waltraud Weber-Eidt (Mitte) fragt Edith Scholtyssek (r.) um Rat.

Quelle: EF

Göttingen. Aber Weber-Eidt hat auch für sie noch eine Überraschung parat: „Oh, Brokkoli – den habe ich früher nie gekocht.“ Mit vorsichtiger Neugier löst die alte Dame die Röschen ab.

„Für unser gemeinsames Kochen bringe ich immer frisches Gemüse vom Markt mit“, erklärt Weber-Eidt. „Dabei kaufe ich immer auch etwas ein, was die Bewohnerinnen nicht von früher kennen, zum Beispiel Pastinaken oder Petersilienwurzeln. Mit 85 oder 90 Jahren ist das Leben ja noch nicht vorbei, da kann man immer noch etwas Neues kennen lernen.“

Einmal im Monat treffen sich rund ein Dutzend Frauen im früheren Konferenzraum, um zusammen alte Leibspeisen von früher und neue Gerichte aus Kochsendungen oder Zeitschriften auszuprobieren. Hier wird Muskatnuss noch frisch gerieben. Jede, die Lust hat, kann mitmachen. „Eine Bewohnerin hat schwere Arthrose, aber sie kann immer noch Petersilie zupfen“, erklärt Weber-Eidt.

Der Heimbeirat hat sich dafür eingesetzt, dass das Kochen regelmäßig stattfinden kann. Elke Vogel und Gertrud Timmermeister, zwei ehrenamtlich im Heimbeirat engagierte Frauen, hantieren am Herd, während die Bewohnerinnen die Zutaten vorbereiten. Einige von ihnen sind Profis: Agnes Weiser (91) hat früher in einem Hotel gekocht, Margot Poeggel (81) hat in ihrer schlesischen Heimatstadt im Ratskeller gelernt.

Andere haben noch nie im Leben gekocht und entdecken im Alter ein neues Hobby. „Hier geht es um die Lust am Genuss. Der Sinnesreiz der frischen Zutaten ist ungemein“, schwärmt Weber-Eidt.

Heute gibt es eine klare Gemüsesuppe, dann Kassler mit Weißwein-Sahne-Soße und Sauerkraut, zum Nachtisch Obstsalat und danach noch einen Espresso oder Cappuccino. Das Sauerkraut weckt Erinnerungen bei vielen der Bewohnerinnen: Weiser hat es als junge Frau immer selbst hergestellt, Poeggel kennt es von früher mit Speck. „Fleisch und Wurst gab es bei uns nur sonntags“, erinnert sich Agnes Weiser . Aber heute lässt sie sich einen Braten gerne auch am Mittwoch schmecken, sagt sie schmunzeln.

„Den Wein, den wir für die Soße brauchen, können wir gerne zum Essen austrinken“, bietet Weber-Eidt an – getreu dem Motto, das auf den Servietten gedruckt steht: „Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.“ Das Team der Helferinnen fragt die Bewohnerinnen immer wieder um Rat: Soll man in das Sauerkraut eine Kartoffel reiben? Stampft man den Kartoffelbrei besser mit kalter oder warmer Milch? Schließlich geht Waltraud Weber-Eidt mit dem dampfenden Bräter um den Tisch herum: Ist der Kassler so gut? Zufrieden nicken die Damen. Das Festessen kann beginnen.

kpg

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