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Pfarrer Hans Haase sucht Gespräch mit Angehörigen der Abraham-Religionen

„Erstaunliche Gemeinsamkeiten“ Pfarrer Hans Haase sucht Gespräch mit Angehörigen der Abraham-Religionen

„Ich glaube an die kleinen Schritte“, sagt Pfarrer Hans Haase, der in Göttingen beim Runden Tisch der Abrahamreligionen die Katholiken vertritt. Auf Gemeindeebene gehe es nicht um den großen theologischen Dialog, stellt der Geistliche klar. Dazu fehle den meisten Teilnehmern das Fachwissen, so der Pfarrer, der selbst Hebräisch spricht und zudem noch Islamwissenschaften studiert hat.

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Hat nach den Al-Qaida-Anschlägen vom 11. September 2001 Islamwissenschaften studiert: der katholische Pfarrer Hans Haase.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Jedoch kämen sich die Teilnehmer durch das regelmäßige Gespräch auf menschlicher Ebene näher. Sie stellten fest, dass es bei allen Unterschieden auch erstaunliche Gemeinsamkeiten etwa im Bereich der Ethik gebe.

Nicht unbedingt fanatisch

„Viele religiöse Praktiken, die auf Außenstehende befremdlich wirken, werden verständlicher, wenn man sie näher kennenlernt“, berichtet der Pfarrer. Dann zeige sich zum Beispiel, dass ein Muslim, der fünfmal am Tag bete, nicht unbedingt fanatisch, sondern vielleicht einfach nur fromm sei. Die interreligiösen Kontakte hätten nicht Beliebigkeit zum Ziel. Jeder glaube weiterhin an die Wahrheit der eigenen Religion. Unterschiede würden offen angesprochen. Die Wahrheit müsse sich aber in der Liebe erweisen, nimmt er Bezug auf die Ringparabel des deutschen Schriftstellers Gottfried Ephraim Lessing.

„Religionen sollen den Frieden bringen, nicht den Unfrieden“, betont Pfarrer Haase. Das ist ihm wichtig, weil es in der Praxis oft andersherum ist. Die Ursache für Intoleranz und Hass sieht er nicht zuletzt in der Unwissenheit der Gläubigen über andere Religionen. Es macht ihn ärgerlich, wenn im Karneval die Beschneidungsdebatte in Deutschland zum Thema einer Büttenrede gemacht wird und dann auch noch mit der Beschneidung von Mädchen durcheinander gewürfelt wird. Der Pfarrer hat auch wenig Verständnis für Leute, die wenig Zeit für Ökumene aufbringen wollen. Er sagt: „ Offenheit gehört zum Christentum dazu . Die Kirche öffnet sich nicht zur Welt, sie ist die Öffnung.“

Arabischen Gemeinden ziehen sich zurück

Ihm ist bewusst, dass nicht jeder zum Dialog bereit ist. In allen Religionen gibt es Gruppen, die sich dem Gespräch verweigern. Bei vielen Christen sind seit den Al-Qaida-Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA die Vorbehalte gegenüber dem Islam groß. Auch auf muslimischer Seite lehnen einige das Gespräch ab. In Göttingen zogen sich zum Beispiel die beiden arabischen Gemeinden vom Runden Tisch der Abrahamreligionen zurück, weil dort ihre Sicht des Palästinakonflikts nicht mehrheitsfähig war. 

Der Runde Tisch hat sich in Göttingen nach den Anschlägen am 11. September gebildet. Er wird heute von evangelischen und katholischen Christen, der liberalen jüdischen Gemeinde und der staatsnahen, türkischen Ditib-Moschee getragen. Neben regelmäßigen internen Treffen organisiert der Runde Tisch einmal jährlich ein Friedensgebet sowie ein Abrahamsfest im Städtischen Museum.

Pfarrer Haase: „Das sind kleine Schritte, aber so lernen wir uns kennen und schätzen. Gemeinsam suchen wir nach Wegen zum Frieden und zur Verständigung.“

Von Michael Caspar

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