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Pistolen, Perücke und Pumpgun

Prozess Pistolen, Perücke und Pumpgun

Im Prozess um die Pumpgun-Schießerei in einem Striplokal mit anschließendem Brandanschlag im vergangenen Jahr sind gestern einige Polizeibeamte gehört worden. Sie gaben Einblicke in einen zum Teil grotesk verlaufenden Einsatz. 

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Selbstdarstellung: der Waffennarr.

Quelle: EF

Tag der Polizei im Landgericht: Einer vor dem Striplokal am 30. November 2008 eingesetzten Beamten nach dem anderen lieferte gestern die detaillierte Geschichte eines, vorsichtig ausgedrückt, ungewöhnlichen Einsatzes. So musste zunächst das Opfer der Pumpgun-Attacke, der Besitzer der Nackt-Bar, mit einem Nebel aus Pfefferspray außer Gefecht gesetzt werden. Der Kampfsportler gab sich gestern vor Gericht abgebrüht: „Tat zwar weh, war aber schon so in Ordnung.“

Zum Teil absurde Szenen spielten sich dann vor und bei der Festnahme des Hauptverdächtigen aus der Gruppe der angeklagten drei Rechtsextremisten ab. Nachdem der 34-Jährige von der Hannoverschen Landstraße schwerbewaffnet nach Hause in die Weststadt gehetzt war, bat er seinen Nachbarn, die Tasche, in der sich die Pumpgun befand, „kurz aufzubewahren“. Der glaubte im dunklen Hausflur zwar an einen Gitarrenkoffer, lehnte aber dennoch ab. In seiner Not fiel dem Waffenfetischisten eine verlassene Kellerwohnung ein, die zuvor von einem Messie in einen chaotischen Zustand versetzt und später aufgebrochen worden war. Dorthin trug er sein gesamtes Waffenarsenal – neben der Pumpgun unter anderem ein Maschinengewehr, einen Revolver und ein Scharfschützengewehr samt Zielfernrohr, dazu Munition und eine in einer alten Dose untergebrachten Perücke.

Mannshohes Mobiltelefon

Als die Polizei eintraf, fand sie die Wohnung notdürftig verbarrikadiert vor: mit einem zu Werbezwecken angefertigten fast mannshohen Nokia-Mobiltelefon. In der Küche fanden die Beamten das Arsenal, das seinem Besitzer eine Anklage wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz einbrachte. Die eindeutigen Spuren im Schnee des Gartens führten die Polizei dann zu dem Mann, der erst jetzt einsah, dass es keine Chance zur Flucht mehr gab.

Auch der nächste Prozesstag am 18. Mai verspricht Unterhaltungswert. Dann treten unter anderem die Stripperinnen des Lokals auf – allerdings nicht leichtbekleidet, sondern als Zeuginnen des explosiven Abends. Beginn ist um 9 Uhr. 

Von Matthias Heinzel

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