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Plastikpulle trotz Pflichtpfand

Einweg und Mehrweg Plastikpulle trotz Pflichtpfand

Dosen, PET-Flaschen, Glasflaschen, Grüner Punkt, Tetrapack oder der sogenannte Folien-Standbodenbeutel – die Verpackungsvarianten, in denen Getränke im Handel sind, sind kaum noch überschaubar. Noch unübersichtlicher ist für manchen Verbraucher die Frage, ob Pfand erhoben wird oder nicht und ob es sich um eine Einweg- , eine Mehrwegflasche oder gar um eine „Leihflasche“ handelt.

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Kisten, Flaschen, Tetrapack oder Folienbeutel: Sind die Getränke ausgetrunken, stellt sich die Frage der Entsorgung – gelber Sack, Altglas oder Pfandautomat?

Quelle: CH

Göttingen. An den Pfandautomaten im Real-Getränkemarkt im Kaufpark haben sich lange Schlangen gebildet. Es ist Sonnabend. Viele Kunden nutzen den Wochenendeinkauf, um ihr Leergut loszuwerden.

Etliche Getränkekisten und noch mehr lose Plastikflaschen verschwinden im Schlund der Automaten. In großen Beuteln, mitunter sogar gesammelt in gelben Säcken oder lose im Einkaufswagen – meist sind es Einwegflaschen, die pro Stück immerhin 25 Cent wert sind.

Flasche um Flasche erkennen die Automaten das Logo – eine stilisierte Flasche samt Dose und Pfeil nach links – und den dazugehörigen Strichcode, erklärt Michael Hüls, Geschäftsleiter bei Real im Kaufpark. Neben dem Gerät steht die eine oder andere Flasche, auf die es kein Pfand gibt und die der Automat nicht akzeptiert, etwa weil es sich um eine Saftflasche aus Plastik handelt oder weil der Strichcode nicht lesbar ist.

Während die linke Maschine lediglich Einwegflaschen schluckt und sogleich hörbar in handlich-flache Plastik-Portionen schreddert, erkennen die beiden anderen Pfandautomaten auch Mehrwegflaschen oder Kisten und ihren Inhalt.

„Entscheidend ist das Logo“

Oft fragten sich die Verbraucher, ob es sich um eine Einweg- oder eine Mehrwegflasche handle, so Hüls. „Entscheidend ist das Logo“, sagt er und fügt hinzu: „aber das ist vielen gar nicht bewusst“. Das ganze Pfandsystem sei früher viel einfacher gewesen, resümiert er.

Und die zunehmende Vielfalt des pfandpflichtigen Getränkeangebots lässt so manchen Markt an seine Kapazitätsgrenzen stoßen. Allein im Real-Getränkemarkt im Kaufpark würden pro Woche zwei bis drei Lkw-Ladungen zerkleinerter Plastik- und Aluminium-Müll anfallen, schätzt Hüls. Das Aufkommen an PET-Flaschen nehme ständig zu. Immer mehr Verbraucher greifen trotz Pflichtpfand zur Plastikpulle.

Das belegen Studien von 2010 im Auftrag des Bundesumweltministeriums, wonach der Verbrauch in pfandpflichtigen Einweg-Verpackungen in allen Getränkesegmenten mit Ausnahme von Bier stark anwachse. Damit einher geht der seit 2004 konstant sinkende Anteil an Getränken in Mehrweg-Verpackungen. 2004 lag der Anteil noch bei 66,3 Prozent, 2010 waren es laut Studie nur noch 48,0 Prozent.

Immerhin, so heißt es in einer Meldung des Umweltbundesamtes von 2010, dass die Pfandpflicht auf Einwegverpackungen „zu weniger Müll auf Straßen und Plätzen“ geführt habe und jetzt „mehr und sortenrein gesammelt“ werde.

Lieber Plastik als Glas

Dass viele Verbraucher inzwischen lieber zur Plastik- als zur Glasflasche greifen, hat gleich mehrere Gründe. Heike Kurth etwa steht mit etlichen kleinen Plastik-Flaschen im Einkaufswagen vor dem Real-Pfandautomaten. Sie greife zu ihnen, weil es die kleinen Flaschen nicht als Mehrwegflaschen gebe. Sie gebe die kleinen Flaschen ihren Kindern gerne mit zur Schule oder zum Sport, sagt sie. „Das ist einfach praktischer.“ Und, so ergänzt sie, Getränke in Plastikflaschen ließen sich leichter in den dritten Stock tragen als Glasflaschen.

Ähnliche Argumente führt auch Christian Asche an, dessen Sohn Jan-Eric Einwegflasche um Einwegflasche auf das Automatenförderband schiebt. „Das ist bequemer“, begründet der Varmisser, „denn auf der Baustelle ist das mit Glasflaschen blöd.“ Etwa alle vier Wochen bringe er dann die angesammelten Plastikpullen weg.

Kaum Rücklauf an Pfandflaschen und -dosen hat Nermin Akar, Mitarbeiterin des Kioskes La Vie in der Goetheallee. „Höchstens mal ein Sack voll“ Plastikflaschen komme pro Woche zusammen, sagt sie. Die meisten Kunden nähmen ein Getränk mit auf den Weg und würden die Flasche woanders zurückgeben, glaubt sie. Da der Kiosk unter 200 Quadratmetern Verlaufsfläche habe, müsse sie auch nur solche Flaschen und Dosen zurücknehmen, die sie im Sortiment habe.

Wer zu bequem ist, seine gesammelten Pfandflaschen zurückzubringen, hat die Möglichkeit, sein Leergut über die Aktion „Pfandgeben.de“ loszuwerden. Auf der gleichnamigen Internetseite finden sich nach Städten sortiert Telefonnummern von Menschen, die Pfandflaschen abholen. Felix Gliesche ist einer von ihnen. Der Abiturient sagt auf Anfrage, er sei in Göttingen der erste gewesen, der sich für die Aktion registriert habe.

Außerdem findet in immer mehr deutschen Städten die Aktion „Pfand gehört daneben“ Zuspruch. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, dass Pfandflaschen und -dosen nicht in öffentliche Mülleimer gehören, sondern daneben gestellt werden sollten.

Auf der Internetseite pfand-gehoert-daneben.de heißt es dazu: „Der Unterschied zwischen Arm und Reich zeigt sich selten so deutlich wie beim Pfand: Für die einen sind 8, 15 oder 25 Cent so wenig, dass sie es sich leisten können, ihre Pfandflaschen und Dosen in den Müll zu werfen – für die anderen ist das Pfand so wertvoll, dass sie es dafür auf sich nehmen, im Müll zu wühlen.“

Pfandpflicht

Die Verpackungsverordnung sieht seit 2003 für Mineralwasser, Bier oder kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke in Einwegverpackungen eine Pfandpflicht vor.

2005 und 2006 weitete der Gesetzgeber die Pfandpflicht auf alle „nicht ökologisch vorteilhaften Einweg-Getränkeverpackungen“ und auf „kohlensäurefreie Erfrischungsgetränke und alkoholhaltige Mischgetränke“ (Alcopops) aus. Ausnahmen von der Pfandpflicht:

Getränke mit weniger als 0,1 oder mehr als 3,0 Litern Inhalt; Frucht- und Gemüsesäfte, Milch, Wein und Spirituosen, dazu sogenannte „ökologisch vorteilhafte Einweg-Getränkeverpackungen“ wie Kartonverpackungen, Polyethylen-Schlauchbeutel und Folien-Standbodenbeutel.

Mehrweg

Mehrweggefäße sind wiederbefüllbar und tragen ein entsprechendes Logo oder den „Blauen Engel“ und die Aufschrift „Mehrweg“, Mehrwegflasche“ oder „Mehrweg-Pfandflasche“ auf dem Etikett oder in Reliefschrift das Wort „Leihflasche“ auf der Flasche.

Das Pfand liegt bei acht bis 15 Cent pro Flasche.

Einweg

„Ökologisch nicht vorteilhafte“ Getränkeverpackungen werden als Einwegverpackung bezeichnet. 

Ihr Füllvolumen liegt zwischen 0,1 und 3,0 Litern. Sie tragen das bundesweit einheitliche Logo der Deutschen Pfandsystem GmbH und einen Strichcode. Das Pfand beträgt einheitlich 25 Cent.

Rücknahmepflicht oder nicht?

Alle Vertreiber pfandpflichtiger Einweg-Getränkeverpackungen sind verpflichtet, diese dann zurückzunehmen und das Pfand zu erstatten, wenn sie Einweg-Getränkeverpackungen derselben Materialart (zum Beispiel Kunststoff, Glas, Metall) verkaufen. Führt ein Geschäft nur Einweg-PET-Flaschen, muss es auch nur diese und zum Beispiel keine Dosen annehmen.

Läden mit einer Verkaufsfläche unter 200 Quadratmetern können die Rücknahme auf die von ihnen verkauften Getränkemarken beschränken. Und: Wer keine Mehrwegflaschen verkauft, muss diese auch nicht zurücknehmen.

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Fertiggestellt

Im April 2011 haben die Ascher mit der Planung begonnen, am vergangenen Sonntag hat sich Asche als Bioenergiedorf der Öffentlichkeit präsentiert. Das Nahwärmenetz ist nun fertig: „Jeder hat die Leitung im Haus“, so Karl Krull aus dem Vorstand der Genossenschaft Bioenergiedorf Asche. Bis Ende November sollen auch die letzten Asphaltierungsarbeiten für das anteilig geförderte 1,4-Millionen-Projekt beendet sein.

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Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

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