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Pleiten, Pech und Pannen im Uni-Klinikum

30 Stunden ohne Nahrung Pleiten, Pech und Pannen im Uni-Klinikum

Eigentlich hatte sich Jörg Klein nur wegen einer harmlosen Routineuntersuchung ins Universitätsklinikum einweisen lassen. Stattdessen erlebte der Tageblatt-Leser einen Anschauungsunterricht darüber, was im Klinikalltag alles schiefgehen kann. Und das nicht zu knapp.

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Göttingen. Seine Erlebnisse beschreibt Klein als „Reihe von Nachlässigkeiten, Absprache- und Behandlungsfehlern“, beginnend mit seiner Ankunft in der gastroenterologischen Abteilung am 30. Mai, pünktlich um 9 Uhr: „Sieben Stunden lang“, sagt Klein, „musste ich auf Zimmer und Bett warten, die letzten vier Stunden davon auf dem Flur der Station.“ Von seinem Aufnahmetermin habe die Station nicht die geringste Ahnung gehabt. Nach sechseinhalb Stunden Wartezeit wurde er nach seinen Beschwerden befragt, ein Katheter gelegt und Blut abgenommen – alles auf dem Stationsflur.

Am Abend fragte der Patient, ob er für Untersuchungen am nächsten Tag nüchtern bleiben müsse. Antwort: Nein. Nachdem sich Klein am nächsten Morgen einen halben Becher Kaffee genehmigt hatte, kam die Nachricht, er solle jetzt zur Magenspiegelung, er wäre doch sicher noch nüchtern. Es folgte eine Diskussion wegen des Kaffees, aber die Spiegelung fand dennoch statt. Der Oberarzt, der sie vornahm, habe irritiert bemerkt, die Station sei doch frühzeitig informiert gewesen.

Der Magenspiegelung folgte eine Ultraschalluntersuchung. Der Arzt, der sie vornahm, bemerkte, dass eine Ultraschalluntersuchung gleich nach einer Magenspiegelung sehr ungünstig sei, weil bei der Spiegelung viel Luft in den Bauch gelange.

Mit dem Rota-Virus infiziert

Aber es kam noch schlimmer: Am dritten Tag seines Klinikaufenthalts, einem Freitag, erfuhr Klein, dass er sich mit dem Rota-Virus infiziert habe – möglicherweise erst im Klinikum. Dennoch sollte drei Tage später eine Darmuntersuchung stattfinden. Sonntag früh durfte Klein zum letzten Mal etwas essen, am Mittag musste er das Darmentleerungsmittel nehmen. Ab Montagmorgen durfte er auch kein Wasser mehr trinken. Am Montagmittag – nach 30 Stunden ohne Nahrung – teilte ihm eine Ärztin mit, dass die Untersuchung wegen der Virusinfektion abgesetzt worden sei – obwohl der Infekt der Klinik bekannt war. Erst auf Nachfrage erfuhr Klein, dass er jetzt nach Hause gehen könne.

Einen Monat später suchte Klein die Beschwerdemanagement-Stelle der Klinik auf und bat um Stellungnahme. Die kam trotz mehrfacher Nachfrage, auch von Kleins Krankenversicherung, erst dreieinhalb Monate später, enthielt allerdings eine ausführliche Entschuldigung. „Ab sofort“ müssten Mitarbeiter vor Aussagen zu Untersuchungen die Patientendokumentation einsehen.

Die lange Wartezeit am Aufnahmetag begründete das Klinikum damit, dass die Station „ungewöhnlich viele Patienten“ von der Notfallaufnahme erhalten habe. Gegenüber dem Tageblatt räumte das Klinikum allerdings ein, „dass sich die vorgetragenen Beschwerden in dieser oder ähnlicher Form ereignet haben“.

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