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Polizei warnt: Oft wird Western Union zum Betrugs-Vehikel

E-Mail-Kaperfahrt Polizei warnt: Oft wird Western Union zum Betrugs-Vehikel

Die E-Mail klang dramatisch: Sie sei verreist und habe im britischen Manchester ihre Tasche samt Reisepass und Kreditkarte verloren, schrieb Lilli Bischoff an sämtliche Freunde, Bekannte und Kollegen. Ihre Bitte: ihr „so schnell wie möglich“ Geld zu leihen.

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Polizei warnt: Western Union begünstigt Betrüger.

Quelle: Montage: Pohl

Göttingen/Barsinghausen/Manchester. Das wahre Problem von Lilli Bischoff, Chefin der niedersächsischen Landsmannschaft der Russlanddeutschen, war jedoch nicht eine verlorene Tasche, sondern der Verlust ihres E-Mail-Kontos. Unbekannte Betrüger hatten ihre Adresse elektronisch gekapert und benutzt, um Bischoffs E-Mail-Kontaktpersonen auszunehmen.

Die Masche ist seit längerem bekannt, funktioniert aber immer wieder. Der Grund: Die Ermittler der Polizei sind den gut organisierten Betrüger-Banden gegenüber machtlos.

Wie machtlos, zeigte sich, als das Tageblatt zum Schein auf den Hilferuf einging. Die Betrüger mailten zurück, man möge doch mit 1200 Euro helfen: Über Western Union könne man das Geld unter den Angaben Lilli Bischoff, Adresse 1 Middleton Gardens Middleton Manchester, Manchester M24 1AJ schicken.

Western Union bietet einen unkomplizierten Bargeld-Transfer über mehr als 450 000 Annahmestellen weltweit an. Polizei und Verbraucherschützer allerdings warnen vor Western Union: Gut organisierte Banden aus Rumänien, Bulgarien und Polen bedienen sich des Dienstes gern, um mit gefälschten Ausweisen Geld zu ergaunern. Danach ist es ohne Nachforschungsmöglichkeit spurlos verschwunden.

Die langen Wege der Bürokratie

Die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaften beklagen ein weiteres Problem: die Bürokratie im Austausch von deutschen und britischen Polizeibehörden. So wies der Tageblatt-Redakteur die Polizei in Manchester zwar auf die Abholadresse – eine Western Union-Stelle in einem Reisebüro in Middleton nördlich von Manchester – hin. Die britischen Beamten bestanden jedoch auf einem offiziellen Kontakt durch die deutsche Polizei.

Und der dauert: Zuerst muss in Deutschland eine Strafanzeige gefertigt und geprüft werden. Dann wird der Vorgang an die Staatsanwaltschaft geleitet. Die prüft noch einmal und lässt die Schriftstücke übersetzen. Dann wird die Akte an das britische Innenministerium geschickt, das noch einmal Sachverhalt und Eilbedürftigkeit prüft und den Vorgang an die zuständige Polizeibehörde weiterleitet. Gesamtdauer: mindestens zehn Tage. Bis dahin sind die Betrüger samt Geld über alle Berge.

Und auch dieser schnellste aller möglichen Wege wird nur dann beschritten, wenn besondere Eile geboten ist, sagt Andreas Buick, Sprecher der Göttinger Staatsanwaltschaft. Sonst dauert es noch viel länger, weil Landes- und Bundeskriminalamt eingeschaltet werden müssen, erklärt Werner Frenzel vom LKA Niedersachsen: „Direktverkehr, auch von Staatsanwaltschaft zu britischer Polizei, ist nicht zulässig.“ Hier hofft Frenzel indes auf Verbesserungen.

Im vergangenen Jahr hatten Unbekannte die E-Mail-Adresse des SPD-Politikers Jörg Wieland in gleicher Weise missbraucht. Damals hatte eine Frau mehrere 1000 Euro an die Betrüger geschickt – auf Nimmerwiedersehen.

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