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Raubüberfall vor laufenden Kameras

Prozess vor dem Landgericht Göttingen Raubüberfall vor laufenden Kameras

Wegen eines Raubüberfalls mit einem Hackmesser muss sich seit Dienstag ein 27-jähriger Mann vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Er soll mit einem Hackmesser bewaffnet im Februar eine Spielothek in der Göttinger Innenstadt überfallen haben.

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Quelle: dpa

Göttingen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, Anfang Februar um kurz vor 1 Uhr nachts maskiert eine Spielhalle in der Innenstadt von Göttingen betreten zu haben. Dort habe er die Aufsicht mit einem Hackmesser bedroht und zur Herausgabe des Bargeldes aufgefordert. Da diese die Tageseinnahmen bereits im Tresor eingeschlossen hatte und der Angeklagte den zu Boden gefallenen Schlüssel nicht entdecken konnte, flüchtete er mit ihrer Handtasche. Darin befanden sich diverse Papiere, ihre ec-Karte und mehr als 100 Euro Bargeld. Die Staatsanwaltschaft hat den 27-Jährigen wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung und besonders schweren Raubes angeklagt.

Da die Spielothek mit mehreren Überwachungskameras ausgestattet ist, die das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven aufgezeichnet haben, können sich die Prozessbeteiligte in diesem Fall ein genaues Bild von der Tat machen. Auf den Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein maskierter Mann die Spielothek betritt, Gegenstände vom Tresen herunterwirft, einen Barhocker schwingt und mehrmals mit einem Hackmesser auf den Tresen schlägt. Er geht dann um den Tresen herum und bewegt wiederholt das Hackmesser in Richtung der Spielhallenaufsicht. Er fasst die Frau am Hals und am Kopf und drückt sie in Richtung Tresor. Es gelingt ihm nicht, den Tresor zu öffnen. Es kommt zu weiteren Handgreiflichkeiten, er sucht herum, greift sich schließlich die Handtasche und verlässt die Spielothek.

Insgesamt dauert der Überfall viereinhalb Minuten. Wer die Videoaufnahmen sieht, bekommt einen Eindruck davon, dass viereinhalb Minuten eine furchtbar lange Zeit sind, wenn man Opfer eines Verbrechens wird.
Während der Angeklagte selbst keine Angaben machte, verlas seine Verteidigerin für ihn eine Erklärung, in der er die Tat einräumt. Er habe keine Erinnerung an das Geschehen, habe sich aber auf den Aufnahmen wiedererkannt. Es sei keine geplante Tat gewesen, und er bereue sie sehr.

Der aus dem Libanon stammende Angeklagte ist eigenen Angaben zufolge im Dezember 2015 nach Deutschland geflohen. Einige Monate zuvor seien ein Bruder und seine damalige Verlobte bei einem IS-Bombenanschlag in Beirut ums Leben gekommen. Außerdem hätten ihn Mitglieder eines anderen Clans mit dem Tod bedroht. Laut seiner Verteidigerin ist er spiel- und drogensüchtig. Am Tattag habe er sich mit seiner Ehefrau gestritten. Diese habe ihm Vorwürfe gemacht, weil er ihren Goldschmuck verpfändet habe, um seine Spiel- und Drogensucht zu finanzieren. Er habe dann das Haus verlassen und dabei das Messer eingesteckt. Was dann passierte, daran habe er nur bruchstückhafte Erinnerungen.

Die Spielhallenaufsicht hatte den Angeklagten erkannt, weil ihm mehrmals der Schal heruntergerutscht war, mit dem er sich maskiert hatte. Der 27-Jährige sei seit vergangenem Sommer regelmäßig in die Spielhalle gekommen. „Er war immer sehr nett und hat ganz oft vorne bei mir am Tresen gesessen“, berichtete die 56-Jährige. Während des Überfalls habe er sie einmal auch mit ihrem Vornamen angesprochen und „Gib Geld!“ gesagt.

Die 56-Jährige erlitt bei seinen gewalttätigen Übergriffen eine Prellung am Arm und hatte mehrere Tage lang starke Kopfschmerzen. Die psychischen Folgen sind deutlich schwerer und langwieriger: Sie leidet seit dem Vorfall unter innerer Unruhe und Schlafstörungen und befindet sich in psychologischer Behandlung.

Das Gericht hat für den Prozess insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt. nie

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