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Prozessauftakt gegen Handy-Betrüger in Göttingen

Landgericht Prozessauftakt gegen Handy-Betrüger in Göttingen

Wer hat sich das noch nicht gefragt: Wie sollen nur diese vielen Telefonläden überleben? Diese Frage haben zwei junge Männer aus Bad Hersfeld für sich offenbar so beantwortet: Mit selbst erfundenen Aufträgen. Jetzt stehen die 30 und 32 Jahre alten Mobilfunk-Unternehmer wegen gewerbsmäßigen Betruges vor Gericht.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Die beiden Anklagen zum Landgericht Göttingen werfen ihnen 86 Betrugsfälle mit einem Schaden in Höhe von mehr als 450 000 Euro vor.

Dabei haben die Hersfelder, die Mobilfunk-Shops in Göttingen, Warburg und Bad Driburg betrieben, alles getan, damit der Laden brummt. Etwa so: Wenn sich Mitarbeiter oder Kontrolleure des Vertriebspartners T-Mobile anmeldeten, setzte sich einer der beiden Chefs ins gegenüberliegende Café und rief fortwährend die Telefonnummern des eigenen Ladens an. Dort waren die Mitarbeiter angewiesen, telefonische Verkaufsgespräche vorzutäuschen , um dem offiziellen Besucher vorzugaukeln, dass es gut läuft.

Zwei einträgliche Betrugsmaschen sollen die Angeklagten genutzt haben : So sollen sie neben den wenigen echten Aufträgen, die ihre drei Shops abschlossen, massenhaft Kunden erfunden haben. Mit fiktiven Namen und Anschriften oder mit Aufträgen auf eine eigens dafür gegründete Firma wurden Prepaid-Karten mit den dazugehörigen Handyverträgen verkauft, von denen natürlich nie Umsätze für den Netzbetreiber T-Mobile zu erwarten waren.

Über den Vertriebspartner floss aber für jeden dieser Verträge die Abschlussprovision in Höhe von 25 bis 30 Euro an die Firma der Angeklagten. Von November 2007 bis Ende April 2009 sollen von den erzielten 325 000 Euro Provisionen rund 200 000 derart erschwindelt worden sein. Das waren mehr als 1300 erfundene Telekom-Kunden. Weitere 69 000 Euro Provision zahlte ein anderer Mobilfunkanbieter für 3440 Verträge, die ebenso nur fingiert waren.

Die zweite Masche war genau so einträglich, aber noch perfider: Viele tausend erschwindelte Reparatur-Pauschalen für angeblich defekte Handys. Die beiden Angeklagten sollen sich insgesamt 13 658 sogenannte Imei-Nummern von Handys beschafft haben. Diese individuellen Seriennummern sind nötig, damit Hersteller ihre Geräte identifizieren können.

Meldeten sie über ihren Vertriebs- und Netz-Partner T-Mobile ein defektes Mobilfunkgerät, erhielten sie für die Reparatur jeweils eine Pauschale von 13,67 Euro. So wurden Monat für Monat 900 bis 1200 Endgeräte als reparaturbedürftig gemeldet. 233 394 Euro wurden dafür kassiert, im Monat durchschnittlich 10 000 bis 15 000 Euro. Die wenigsten Geräte waren tatsächlich zur Reparatur gegeben worden. Die Eigentümer ahnten nicht einmal etwas davon. Alle anderen Imei-Nummern hatten sich die Angeklagten mutmaßlich von Kollegen gekauft. Teils sollen sie ihre Mitarbeiter auch angewiesen haben, bei Kunden ihres Shops heimlich deren Imei-Nummer auszuspähen.

Und wo ist das ganze erschwindelte Geld geblieben? Das ist nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft hat lediglich all die Computer, mit denen der Betrug begangen wurde, beschlagnahmt und eingezogen. Die Angeklagten können derzeit offenbar nicht einmal ihre Schulden zahlen. Der 30-Jährige wurde deshalb zum Ende des ersten Verhandlungstages von den Wachtmeistern des Landgerichts in Handfesseln gelegt. Gegen ihn liegt ein Vollstreckungshaftbefehl vor. Das vereinfacht es, wenn am morgigen Dienstag weiter verhandelt wird. Bisher haben die Angeklagten zu den Tatvorwürfen geschwiegen.

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Wann ihm denn klar geworden sei, wird einer der Angeklagten gefragt, dass er sich strafbar gemacht hat. „Als die Anklage kam, letztendlich“, antwortet der 32-Jährige treuherzig. Er habe geglaubt, das Geschäft sei so in Ordnung, wenn T-Mobile es durchgehen lässt. Schließlich habe die noch keinen Cent Schaden angemeldet.

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