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Rache statt Lebensbeichte

Drogendealer Rache statt Lebensbeichte

Es sollte die Lebensbeichte eines Todgeweihten sein. Mehr als 20 angebliche Mittäter, Kuriere, Kleindealer und Drogenabnehmer hat ein inzwischen verstorbener Haschischhändler kurz vor seinem Tod schwer belastet (Tageblatt berichtete). Jetzt ist der erste der von ihm des Drogenhandels bezichtigten ehemalige Kumpel von den massiven Vorwürfen freigesprochen worden. Die Beichte, so mutmaßte am Ende auch die Staatsanwaltschaft, war wohl eher der Versuch der Rache.

Der 43 Jahre alte Angeklagte verließ nicht nur als freier Mann das Gericht, er erhält auch noch eine Haftentschädigung für knapp fünf Monate erlittener Untersuchungshaft. Die Prozesskosten muss ebenfalls die Landeskasse zahlen.

Der Göttinger war angeklagt, in 39 Fällen jeweils zwei Kilogramm Cannabisprodukte aus Amsterdam geholt zu haben. So hatte es der Kronzeuge dieses und zahlreicher anderer noch anhängiger Verfahren behauptet. Dieser hatte erst in einem privaten Gespräch mit einem Polizisten, dann formal bei der Polizei und schließlich vor einem Richter den 43-Jährigen als Mittäter belastet und weitere 20 Namen genannt.

Das geschah zu einem Zeitpunkt, als der Kronzeuge gerade die Diagnose „unheilbarer Lungenkrebs und Gehirntumor“ erhalten hatte – nur noch Wochen habe er zu leben. Zu dieser Zeit aber hatte er auch erfahren, dass Bekannte ihn und seinen Drogenhandel der Polizei verpfiffen hatten, dass mutmaßlich ein Kumpel ihm seine 40 000 Euro teure Münzsammlung gestohlen habe und dass jene Kunden, die ihm für Drogen noch Geld schuldeten, gar nicht mehr daran dachten, ihre Schuld zu begleichen – schließlich hatte der Gläubiger nur noch kurze Zeit zu leben.

Im Prozess rechnete Staatsanwalt Stefan Studenroth vor, dass der Belastungszeuge anfangs von nur 20 Kilo Haschisch, später von 150, schließlich von 185 gesprochen habe. Er habe den Ex-Kumpel für Kurierfahrten belastet, in denen dieser nachweislich in Haft saß, und er habe Mengen angegeben, die unrealistisch hoch seien. Verteidiger Oliver Hille fügte hinzu, dass der Verstorbene kurz vor seinem Tod auch in Handy-Mitteilungen gedroht habe: „Ich bringe dich in den Knast!“

Richterin Astrid Brandes-Krug fügte dem zwangsläufigen Freispruch hinzu: „Im Zweifel zu ihren Gunsten. Es bleibt aber der Nachgeschmack, dass da irgend etwas war.“

ck

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