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(Raub-)Zug durch die Gemeinde

Aus dem Land- und Amtsgericht (Raub-)Zug durch die Gemeinde

Erst einmal ins Paulaner, dann ins Mr. Jones, zwischendurch einige Zeit in eine Döner-Imbiss, danach noch in den Irish Pub, wo es Ärger gab, der mit Rauswurf und Lokalverbot endet. Zum Finale spätnachts  dann mit Karacho wieder ins Paulaner.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Was klingt wie ein feuchtfröhlicher Zug durch die Gemeinde, beschreibt in Wahrheit die Göttinger Lebensstationen eines 48 Jahre alten Kochs. In den genannten Innenstadt-Lokalen hat er gearbeitet, und am Ende hat er sich auf einen Raubzug durch eine der ihm bekannten Kneipen begeben. Jetzt sitzt er deshalb vor Gericht.

Es geht um sehr viel für den Familienvater, um Sitzen oder nicht Sitzen. Die Staatsanwaltschaft will ihn im Gefängnis sehen. Zur Tatzeit stand er zweifach unter Bewährung. Dennoch hat das Amtsgericht auch seine dritte Strafe noch einmal zur Bewährung ausgesetzt. Das empörte die Strafverfolger; sie gingen in Berufung. Das Landgericht soll in zweiter Instanz die Strafhöhe und die Frage der Bewährung neu bewerten.

Die Fakten stehen seit dem Amtsgerichtsprozess rechtskräftig fest: Einen Tag vor Heiligabend 2012 hat der 48-Jährige tief in der Nacht mit der Bank einer Sitzgarnitur den Eingang des Paulaner am Leinekanal eingerammt, ist eingedrungen und hat noch eine weitere Tür gewaltsam geöffnet. Dann stahl er 1400 Euro. Er wusste, wo in dem Lokal das Wechselgeld zu finden ist. Denn er hatte dort einst als Koch gearbeitet.

Das war auch der Grund, warum er gerade dieses Lokal aussuchte. Er wollte sich am Betreiber rächen, gab er im Gericht an. Rächen dafür, dass er aus einem anderen Lokal, dem Irish Pub, gerade im Streit rausgeworfen worden war und dort Hausverbot erhalten hatte. Voller Wut, so sagt er, sei er danach durch die Stadt gezogen und habe schließlich im Paulaner zugeschlagen, das vom selben Betreiber geführt werde.

Raubzug statt Rachefeldzug

Doch das mit dem Rachefeldzug hat ihm schon das Amtsgericht nicht abgenommen, eher war es ein Raubzug, juristisch korrekt ein schwerer Einbruchdiebstahl. Zu zielgerichtet war das Vorgehen. Er habe nicht nur zerstören wollen, sagt die Staatsanwältin, sondern Türen aufgebrochen, um an Geld zu kommen – eine mit einer Bierzeltbank, die andere mit einem Bierfass.

Im Plädoyer allerdings konzentrieren sich Anklage wie Verteidigerin auf die Straffolgen, besonders, ob Bewährung möglich ist. Da passt es gar nicht, dass der Koch acht Einträge im Strafregister hat, darunter neben Drogendelikten, Urkundenfälschung, Betrug und Unterschlagung auch zwei wegen Diebstahls.

Wer doppelt unter Bewährung steht, dabei jeweils Gesamtstrafen von einmal einem und einmal zwei Jahren, die aus insgesamt vier Verhandlungen vor Amtsrichtern resultieren, dem könne bei einer neuerlichen Tat keine positive Sozialprognose gegeben werden, sagt die Staatsanwältin.

Die Verteidigerin jedoch sieht eine „psychische Ausnahmesituation zur Tatzeit“, weil er durch den Rauswurf gekränkt worden sei. Er habe durch jahrelangen Drogenkonsum – er war 15 Jahre von Kokain abhängig – eine Persönlichkeitsveränderung erlitten, die bei ihm leicht zu Kontrollverlust führe.

Therapiebemühungen stehen am Anfang

Deshalb der Rachefeldzug. Jetzt aber sei er auf einem guten Weg. Er nehme keine Drogen mehr, mache eine Therapie, werde zu Frau und Kindern, die zu ihm halten, nach Hessen ziehen.

Doch die Therapiebemühungen, begonnen erst nach der Verurteilung im Amtsgericht und noch immer ganz am Anfang, überzeugen die Berufungskammer nicht. Sie mildert zwar die Strafe des Amtsgerichts von einem Jahr Freiheitsentzug auf acht Monate ab, kann sich aber nicht zu Bewährung durchringen.

Es werde anerkannt, dass er sich durch den Arbeitsplatzverlust in einer schwierigen Lebenssituation befunden habe, zumal er kurz zuvor bereits mit seinem Imbiss in Konkurs geraten war. Auch, dass er trotz Privatinsolvenz weiter unter Schulden leide – Schulden, die, weil sie aus Straftaten stammten, nicht insolvenzfähig waren. Das alles sei berücksichtigt worden. Aber Bewährung musste verweigert werden, weil die Voraussetzungen fehlten.

Obwohl er schon Hafterfahrung habe und sich „eine Bugwelle neuer Haftstrafen vor ihm aufgebaut“ hätte, habe ihn das nicht von der neuen Tat abgehalten, sagt Richter David Küttler: „Im Moment, so sind wir überzeugt, braucht der Angeklagte neue Hafterfahrung.“

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