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Religion sagt „Nein“, das Grundgesetz „Ja“

Aus dem Amtsgericht Religion sagt „Nein“, das Grundgesetz „Ja“

Der Angeklagte versteht die Welt nicht mehr: „Wie kann ich anfassen meine Tochter? Das ist mein eigen Blut!“ Aber genau das wird dem 38 Jahre alten ehemaligen Schrotthändler im Amtsgericht Northeim vorgeworfen: Der Familienvater soll sich dreimal an seiner zur Tatzeit noch elf- bis 17-jährigen ältesten Tochter sexuell vergangen haben.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Northeim. Das hat die inzwischen 19-Jährige bei der Polizei angezeigt, nachdem der aus dem ehemaligen Jugos-lawien stammende Northeimer von Frau und Kindern verlassen worden war.

„Sind die Vorwürfe richtig?“, fragt Richter Arno Cardinal. „Nein!“, entgegnet entschieden der Angeklagte. „Wie kommt es dann, dass Ihnen Ihre Tochter so etwas vorwirft?“ „Fragst Du meine Frau!“, lautet die Antwort.

Die Frau, die jung mit ihm verheiratet wurde und mit ihm fünf Kinder hat, spielt tatsächlich eine Rolle. Aber welche? Aktenkundig ist nur, dass sie schon in den ersten Jahren der Ehe, vor jetzt 18 Jahren, vom Ehemann aus Eifersucht böse verprügelt wurde.

Die ihr zugedachte Rolle kann erahnen, wer dem Angeklagten genau zuhört: „Ich weiß, Frau kaputtschlagen ist verboten, aber was soll ich machen? Ich wollte meine Kinder und meine Frau richtig erziehen.“

Backpfeife vom Vater

Das, so musste er erkennen, hat zumindest aus seiner Sicht nicht geklappt. Ehe die Familie ihn verließ und ins Frauenhaus zog, gab es nämlich diese Szene: Die älteste Tochter, damals 17, stand am Northeimer Bahnhof in den Armen eines jungen Mannes –  und küsste ihn.

Der Freund der jungen Muslimin türmte, als der Vater heranstürmte, ihr eine Backpfeife gab und die Tochter mit nach Hause nahm. Danach kündigte er ihr an, er werde die Tochter jetzt zu den Großeltern in die mazedonische Provinz schicken.

Ob sich die Tochter denn ihren Freund nicht selber suchen dürfe, fragt der Richter. Der Angeklagte darauf im Brustton der Überzeugung: „Bei uns, unsere Religion sagt Nein.“ Der Richter: „Aber bei uns sagt das Grundgesetz Ja.“ Und der Angeklagte weiter: „Ja, bei euch ist normal, bei uns ist nicht normal. Bei uns sucht man einen Mann aus guter Familie. Dabei bleibt sie, bis sie stirbt.“

Die Kuss-Szene am Bahnhof hatte Folgen. Die Mutter hielt zur Tochter. „War richtig Krieg“, sagt der 38-Jährige. Fünf Tage später war er allein.

Nichts Konkretes zu erfahren

Als er von der Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs erfuhr, hat er einem der Kinder noch an der Schule aufgelauert und es zum Frauenhaus verfolgt, wo er seine Frau zur Rede stellte. Die Anzeige, so sagt er, sei „nur Trick der Frau“. Die Kinder, habe die gesagt, wollten lieber ins Heim als zurück zu ihm. „Wie soll Familie weiterleben?“, fragt er und ergänzt: „Sie will frei, soll ich sie zwingen?“ „Das freut mich, dass Sie einsehen, dass Sie sie nicht zwingen können“, sagt der Richter.

Aber auch die Tochter, einzige Belastungszeugin, lässt sich nicht zwingen. Als sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu den Vorwürfen gehört werden soll, bricht sie nach der ersten Frage schon zusammen. Nichts Konkretes ist von ihr zu erfahren.

Ist sie überhaupt glaubwürdig oder war ihre Anzeige eine Notlüge, um der Verbannung nach Mazedonien zu entkommen? Das soll jetzt ein Glaubwürdigkeitsgutachten herausfinden. Der Prozess wird so lange ausgesetzt.

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Aus dem Amtsgericht

Der Angeklagte ist Profi. Als Sicherheitsfachkraft sollte er wissen, wie man Streit schlichtet. Jetzt wird ihm vorgeworfen, selbst aktiv eingegriffen zu haben. Der 38-Jährige soll gar einen 33-Jährigen brutal niedergeschlagen und am Boden liegend noch mit den Füßen getreten haben. Gefährliche Körperverletzung nennt das die Anklage. Der schwerste Vorwurf: Tritte mit dem Schuh auf den Kopf, als das Opfer wehrlos mit dem Gesicht auf dem Asphalt lag.

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