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S’ist Winterzeit in Göttingen und andere Nachrichten

Wochenend-Kolumne S’ist Winterzeit in Göttingen und andere Nachrichten

Wenn dem Straßenmusikanten in der Weender Straße das Akkordeon einfriert. Wenn die Kollegin nicht ins Büro kommt, weil der Wagen nicht anspringen will und der ADAC schlicht erklärt, für so etwas habe man keine Zeit. Wenn modebewusste Frauen ohne zu zögern in breite Moonboots steigen, um die Straßen heil zu überqueren: Dann ist Winterzeit in Göttingen.

Bevor ich darüber böses schreibe (warum sollte ich, schließlich ist das eine unserer vier mitteleuropäischen Jahreszeiten und dies seit Jahrhunderten), lasse ich lieber Hape Kerkeling zu Wort kommen – genau der mit dem Buch über den Jakobsweg. Denn Jakobsweg hin oder her, keiner kann so schön böse sein wie er. Gehen Sie also auf das beliebte Youtube und geben das Stichwort „S’iss Winterzeit in Wien“ ein und hören sich seinen Song an über diese kalten Tage in Österreichs Hauptstadt, ekliges Essen und tote alte Damen. Dann wissen Sie, was ein richtig böser Text in Zusammenhang mit dem Wort Winter bedeutet.

Gar nicht nett, fällt mir dabei ein, war auch der Brief, den die CDU-Ratsfraktion an Oberbürgermeister Wolfgang Meyer geschrieben hat. Eher deutlich vergrätzt. Denn Fraktionschef Fritz Güntzler, der für seine Fraktion im sogenannten „Arbeitskreis Haushaltskonsolidierung“ (und die braucht Göttingen nun eigentlich wirklich) teilgenommen hatte, fühlt sich mitsamt seiner Partei auf den Arm genommen. Immerhin geht dieser Arbeitskreis auf einen Vorschlag der CDU zurück – woran Güntzler gerne noch mal erinnerte. Man habe vorgeschlagen, doch den Haushalt gemeinsam mit allen Fraktionen zu beschließen – um ein Zeichen zu setzen. Doch außer der FDP hat niemand seinen Vorschlag auch nur zur Kenntnis genommen. Vielmehr durfte die CDU aus dem Tageblatt erfahren, dass SPD und Grüne dies alleine tun wollen. Wozu also noch einen Arbeitskreis besuchen, sagte Güntzler und schrieb den Brief. Man kann es nachvollziehen. Wobei Arbeitskreise ohnehin zu jenen Veranstaltungen gehören, die ich unter die Rubrik „Lebenszeitvernichter“ abzubuchen pflege.
Den Brief nutzte Güntzler aber gleich auch noch dazu, Meyer in Sachen Südspange und geplanter „Bürgerbefragung“ eins auszuwischen: Das sei „zutiefst unseriös und schade leider der Glaubwürdigkeit der Politik insgesamt“. Und dann noch ein kleiner Blick zurück im Zorn: „Vergessen ist in diesem Zusammenhang natürlich auch nicht, dass die SPD-Fraktion bei der Wahl des letzten Stadtbaurates im Jahr 2003 unter einer fadenscheinigen Argumentation getroffene Vereinbarungen mit der CDU ohne jeden Skrupel gebrochen hat. Glaubwürdiges verlässliches Handeln sieht anders aus.“
PS: Die FDP tat das gleiche wie die CDU, benötigte allerdings lediglich knappe zwei Zeilen auf einem Fax an die Redaktion, um dies mitzuteilen. Die CDU hatte ja schon alles gesagt...Das neue Jahr beginnt äußerst munter in der örtlichen Politik.

Wo bleiben die guten Nachrichten, höre ich schon im Hintergrund flüstern. Dazu fällt mir eine Veranstaltung der Universität ein, die gestern in der Aula am Wilhelmsplatz geschlagene dreieinhalb Stunden gedauert hat. Kein Wunder, denn immerhin sechs neue Professoren aus dem Bereich der biologischen Fakultät, die in den vergangenen zwei Jahren neu berufen worden sind, stellten sich und ihre Forschung gemeinsam vor. Dabei ging es darum, wie Gehirne lernen und Ohren funktionieren, um das soziale Verhalten und Denken von Kleinkindern oder um die Tricks von Enzymen, komplizierte chemische Reaktionen zu beschleunigen. Hochspannend, hochwissenschaftlich. Und ein Beweis, wie sehr sich gerade der professorale Lehrkörper (was für ein schöner Begriff) gegenwärtig verjüngt. Weitere drei Berufungsverfahren allein in dieser Fakultät laufen noch, drei weitere Verfahren haben begonnen – darunter dann eventuell auch mal eine Frau.
Die Uni auf Verjüngungskurs, wir sind gespannt. Schließlich geht es in diesem Jahr auch um einen neuen Präsidenten – vielleicht auch mal eine Frau, weil das gerade wieder so PC ist? (steht für Political Correctness, nicht für den Heimcomputer).

Bis dahin: Neujahrsempfänge. Heute in Adelebsen, morgen in Rosdorf und zeitgleich bei den Katholiken im Göttinger Ortsteil Grone. Man müsste sich teilen können…

Von Ilse Stein

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