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Sauerkrautsaft statt Darmkrebs-Therapie

Berufung erfolgreich Sauerkrautsaft statt Darmkrebs-Therapie

Im Fall einer Frau, deren Hausärztin Hinweise auf eine Darmkrebserkrankung ignoriert und stattdessen Sauerkrautsaft und eine Psychotherapie verordnet hatte, ist dem Witwer jetzt ein noch höheres Schmerzensgeld zugesprochen worden.

Das Oberlandesgericht Braunschweig hielt nicht die vom Landgericht Göttingen als angemessen angesehenen 70 000 Euro, sondern die vollen geforderten 100 000 Euro für rechtens.

Der Fall hatte im Juni 2010 bundesweit Schlagzeilen gemacht, als die Allgemeinärztin aus dem Landkreis Göttingen zu dem ungewöhnlich hohen Schmerzensgeld von 70 000 Euro verurteilt wurde. Obwohl ihre Patientin auf einen entsprechenden Bericht in der „Apothekenrundschau“ hingewiesen hatte, ging die Medizinerin den eindeutigen Beschwerden nicht weiter nach. Auf 30 Kilo abgemagert, starb die Frau im Februar 2009.

In Berufung war jetzt nicht die Medizinerin, sondern der Anwalt des Klägers Karl-Albrecht Jena gegangen: Die Reduzierung auf 70 000 Euro durch das Landgericht, das die Kinderlosigkeit der Frau als schmerzensgeldmindernd bewertet hatte, sei nicht rechtens gewesen. Das Ehepaar habe sich ein Kind gewünscht, der aber wegen der Risiken der Strahlentherapie nicht mehr habe umgesetzt werden können. Die beklagte Ärztin erwiderte unter anderem, ihre frühere Patienten treffe ein Mitverschulden, weil sie nach der Lektüre der „Apothekenrundschau“ keine anderen Ärzte aufgesucht habe.

Dieser Auffassung folgte das Braunschweiger Oberlandesgericht als Berufungsinstanz nicht. Im Gegenteil: Dem Witwer stehe das volle Schmerzensgeld in Höhe von 100 000 Euro zu – unter anderem, weil seine Ehefrau „einen Leidensweg von über zwei Jahren, davon anderthalb Jahre in dem Bewusstsein des absehbar bevorstehenden Todes“ habe durchleben müssen, urteilten die Richter unter dem Aktenzeichen 1 U 37/10. Dass sie keinen anderen Arzt aufsuchte, könne ihr ebenfalls nicht angelastet werden: „Es kann einem Patienten in einer solchen Situation keinesfalls als Mitverschulden vorgeworfen werden, wenn er seinem Arzt vertraut.“

  Schmerzensgeld
  Als bislang höchstes von Richtern ausgeurteiltes Schmerzensgeld verzeichnen entsprechende Tabellen eine Summe von 102 258,38 Euro. In Fällen, in denen es nicht zum Tode, sondern zu schwersten gesundheitlichen Schäden kommt, sind die Schmerzensgelder allerdings zum Teil deutlich höher: Als bisher höchstes Schmerzensgeld in Deutschland sprach das Landgericht Kiel einem dreieinhalbjährigen Kind eine Pauschalsumme von 500 000 Euro und eine monatliche Rente von 500 Euro zu. Durch einen Verkehrsunfall hatte es eine Querschnittslähmung vom 1. Halswirbel abwärts erlitten und dadurch auch das Sprachvermögen verloren. Bei einem durch einen ärztlichen Fehler verursachten gravierenden Sauerstoffmangel, der zu einer Hirnschädigung führte, hielt ein Gericht ein Schmerzensgeld von 350 000 Euro und eine monatliche Schmerzensgeldrente von 500 Euro für gerechtfertigt.
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