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Offener Umgang mit der Sucht

Göttingen Offener Umgang mit der Sucht

In seinem Buch "9 Tage wach" verarbeitet Schauspieler Eric Stehfest seine Drogenvergangenheit. Im offenen Jugendvollzug in Göttingen hat er mit den Inhaftierten über einige Passagen des Buches diskutiert.
Stehfest, der mit 13 Jahren begann Crystal Meth zu konsumieren, möchte mit seinen Lesungen Präventionsarbeit leisten.

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Eric Stehfest

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Der Kontakt nach Göttingen kam über einen Mitarbeiter der JVA zustande. Seinen 22. Geburtstag hat der Schauspieler in einer Entzugsklinik im Erzgebirge verbracht. "Hier mussten wir selbst Holz sammeln und Dachkonstruktionen bauen", berichtete er den jungen Männern. Zunächst habe es ihm dort nicht gefallen, doch nach einiger Zeit habe er gemerkt, dass sein Handy nicht klingeln würde und er einmal ganz für sich sein könne. "Eure Einrichtung hier erinnert mich an den Ort im Erzgebirge. So wie ihr hier vor mir sitzt, könntet ihr frühere Freunde von mir sein", wandte er sich an die Inhaftierten. Er ließ auch nicht unerwähnt, dass Freunde von ihm an ihrer Drogensucht gestorben sind.

Bis er selbst bereit war, sich in Therapie zu begeben, hatte er auch eine kriminelle Karriere hinter sich. "Ich habe ab meinem 13. Lebensjahr jedes Jahr vor Gericht gestanden", erklärte Stehfest. Unter anderem sei er wegen schwerem Raub und Nötigung angeklagt gewesen. "Ich war auch in Bandenkriminalität verwickelt", gibt er offen zu. In seinen Gerichtsverhandlungen habe er sich immer als Mitläufer dargestellt, dies habe ihn vor schweren Strafen beschützt. "Ich wollte immer Schauspieler werden, das hat mir dabei geholfen", so Stehfest, der unter anderem aus Gute Zeiten schlechte Zeiten bekannt ist. Während seiner Therapie sei ihm das Bewusstsein gekommen, dass das, was er getan hat, falsch war. Und er habe sich dafür geschämt. Er zeigte den Inhaftierten auf, dass es auch in der Welt der Schauspieler viele gebe, die mit psychischen Problemen zu kämpfen hätten.

Die erste Passage, die er für die Lesung in der Jugendanstalt ausgewählt hatte, beinhaltete eine seiner Gerichtsverhandlungen. Für diese hatte er sich keinen Anwalt genommen, sondern verteidigte sich nur mit einem Gedicht von Berthold Brecht. "Die Aussage davon war, dass nicht ich allein für meine Taten verantwortlich bin. Und Fehler zum Leben gehören und gemacht werden müssen, um lernen zu können", erzählte der heute 28-jährige den Jugendlichen. Seine früheren Taten bereut der Familienvater aber nicht, denn aus seiner Sicht sollte man nicht bereuen, sondern analysieren, was falsch gelaufen ist. Er selbst habe in der Schauspielerei jetzt ein Ventil gefunden, was bei ihm die Drogen ersetzen würde. Auf die Frage eines Insassen wie es sei, über seine Vergangenheit zu sprechen, sagte Stehfest, dass es ein Geschenk sei, wenn er mit seinem Buch jemanden erreichen könne. Den Weg zum Entzug habe er durch die Schauspielschule geschafft, die ihm seinen Studienplatz ein Jahr lang freigehalten habe. "Während ich zu Beginn nur manchmal Crystal genommen habe, habe ich es ab 19 täglich konsumiert", so Stehfest.
Die Insassen waren von seiner Offenheit beeindruckt. "Ich konnte für mich etwas mitnehmen", erklärte einer. "Ich finde es mutig, dass er das Thema so direkt anspricht", sagte ein anderer. Stehfest war von der Konzentration, mit der die Insassen ihm zugehört haben, beeindruckt. "Das hätte ich vorher nicht so erwartet", gab er nach Ende der Veranstaltung zu.

Info

Crystal Meth ist eine chemisch hergestellte Droge. Sie beinhaltet den Stoff Methamphetamin. Crystal Meth wird entweder geschnieft, geraucht oder in Wasser aufgelöst injiziert. Es hat eine aufputschende Wirkung. Die Droge kann die sogenannte Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden. Durch sie wird das Nervensystem aktiviert und die Herzfrequenz steigt. Konsumenten erleben einen sogenannten "Flash" und sie spüren plötzliche Euphorie und Leichtigkeit. Crystal wirkt im Körper je nach Konzentration und Qualität zwischen vier und zehn Stunden, manchmal sogar über einen Tag lang. Wie andere Drogen auch hat Chrystal Meth erhebliche Nebenwirkungen. Konsumenten spüren lange Zeit keine Müdigkeit oder Hunger, sie schlafen, essen und trinken nicht. Langfristig leiden viele Abhängige unter Schlafstörungen und Depressionen. Zu den typischen Schäden durch den Konsum zählen Zahnausfall und Hautschäden. Außerdem kann es zu Nierenschäden kommen.

Von Vera Wölk

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