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Schneepflüge bereiten Schneeschippern Ärger

Schneepflüge Schneepflüge bereiten Schneeschippern Ärger

Tag aus, Tag ein schnürt Franz Greinert derzeit früh morgens seine gefütterten Schuhe, schlüpft in seinen warmen Parka und zieht die Schirmmütze tief in die Stirn. Er stapft durch die klirrende Kälte zu seinem Schuppen, greift Schieber und Besen und begibt sich auf den Gehweg vor seinem Haus. Dann schippt er Schnee. Ausgiebig. Vorschriftsmäßig. Bis der nackte Bürgersteig wieder zu sehen ist.

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Ärgert sich über Mehrarbeit: der Göttinger Franz Greinert beim Schnee schippen auf dem Gehweg vor seinem Haus.

Quelle: Hinzmann

Greinert macht das nicht gerne, er ist 88 Jahre alt. Zeitlebens musste er früh aufstehen, da bliebe er heute umso lieber ein paar Stunden länger liegen. Doch jeden Morgen quält er sich erneut aus dem Bett, um Schnee zu schippen. „Das ist doch meine Pflicht als Bürger“, sagt er und fegt in gleichmäßigen Schwüngen ein paar kleine Eisstücke in die Gosse.

Alles wäre also gut, wenn da nicht die Räumfahrzeuge der Göttinger Entsorgungsbetriebe wären. Die nämlich, sagt Greinert, hätten ihm nun schon zum wiederholten Mal den von ihm mit viel Mühe an den Rand geräumten Schnee wieder zurück auf den blitzeblanken Gehweg bugsiert. Also musste Greinert erneut schaufeln. „Im letzten Jahr hatte ich schon dreimal das Vergnügen. Das ist schon ärgerlich“, erzählt er.

„Wer ist dann schuld?“

In diesem Jahr aber schluckte Greinert seinen Ärger nicht herunter, sondern berichtete dem Ordnungsamt von seinen Erfahrungen. „Denn wenn mal etwas passiert, wer ist dann schuld“, fragt er sich. „Seit 1949 räume ich hier Schnee, manchmal dreimal am Tag. Ich will doch bloß mein Recht haben.“ Beim Ordnungsamt aber konnte ihm bei seinem Schneeproblem niemand wirklich weiterhelfen.

Friedrich Jütting von den Göttinger Entsorgungsbetrieben räumt jedoch ein, dass dergleichen vereinzelt vorkommen könne und bittet um Verständnis. In der Regel werde „nicht bis ganz an den Bordstein heran geräumt“. Meist bleibe ein Hügel davor liegen. Vor allem dann, wenn die Gehwege besonders schmal seien, könne es aber durchaus zu Problemen kommen. „Wir müssen eben die Fahrwege für Autos und Räder freihalten.“ Beschwerden gebe es zudem vereinzelt von Fußgängern, berichtet Jütting weiter. So könne es schon mal passieren, dass ein allzu eifrig bewegtes Räumfahrzeug Schneematsch aufwirble. „Und dann ist der Fußgänger nass.“

Das ist Greinert indes noch nicht untergekommen. Er würde wohl ohnehin einen großen Bogen um jeden Schneepflug machen.

Von Andreas Fuhrmann

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