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Schrotthändlers Spähtrupp zwischen alten Zirkuswagen erwischt

Aus dem Amtsgericht Schrotthändlers Spähtrupp zwischen alten Zirkuswagen erwischt

Seinen Beruf gibt der 21-Jährige mit „Schrotthändler“ an. Damals, als er erwischt wurde, war er wohl noch in Ausbildung. Jedenfalls will er einem Schrotthändler-Kollegen aus Norddeutschland geholfen haben, als er am 6. August 2011 von einem rüstigen Rentner dabei ertappt wurde, wie er in einer frisch aufgebrochenen Scheune die alten Wagen eines Wanderzirkus’ nach Verwertbarem durchsuchte.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Jetzt sitzt der junge Mann ohne Ausbildung vor Richter Sönke Andresen im Amtsgericht Northeim und muss sich einer Anklage wegen versuchten Diebstahls erwehren. Sein Einkommen gibt er mit 200 bis 500 Euro an – das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz sei es, das es den Schrotthändlern schwer mache. Er werde nun auf einen Kiosk umsatteln. Der Vorpächter sei „eine zwielichtige Person“, er wolle es besser machen.

Dabei glaubte auch der 86-Jährige, der sich seinerzeit in einer Scheune bei Eboldshausen plötzlich zwei jungen Männern mit Bolzenschneider gegenüber sah, ihm seien Zwielichtige begegnet. Der eine, Bruder des Angeklagten, noch so jung, dass er nicht einmal vor Gericht gestellt werden kann.

Der andere, der Angeklagte, habe auch gleichzugegeben, das stabile Werkzeug sei „zum Schlösseraufmachen“. Und da, sagt der rüstige 86-Jährige als Zeuge, „habe ich einen Fehler gemacht: Ich hätte den gleich kassieren sollen.“
Der Bolzenschneider spielt dann auch tatsächlich eine zentrale Rolle.

War er dafür da, einzubrechen? Das würde den Tatvorwurf erhärten. Oder war es, wie der Angeklagte behauptet, gar kein Schneidewerkzeug, sondern ein selbst gebastelter Metallprüfer. Den, so der Angeklagte, habe er draußen im Auto, den könne er vorzeigen. Den habe er bloß nicht gleich mitgebracht, sonst hätten ihm die Wachleute das abgenommen.

Nur im Auftrag reingegangen

Das hält der Richter für umsichtig, informiert die Wachtmeister und lässt sich das Gerät zeigen: der Griff von einer Heckenschere, an den ein Magnet geklebt ist. „Nee,“ sagt der Rentner, „der war’s nicht. Ich werd’ doch wohl einen Bolzenschneider erkennen. Ich hab’ 20 Jahre im Kraftwerkbau gearbeitet.“

Was wollte der Angeklagte eigentlich in der Scheune? Abgestellt sind darin die alten Wagen eines Wanderzirkus’, der immer unterwegs ist und den Rentner gebeten hat, darauf aufzupassen. Eingebrochen wurde schon mehrfach. Er aber, behauptet der Angeklagte, sei doch nur im Auftrag reingegangen.

Der Schrotthändler-Kollege habe einen Anruf vom Zirkus-Chef bekommen, er solle die Scheune mal entrümpeln . Da habe er ihn gebeten, sagt der Angeklagte, schon mal nachzusehen, was der Schrott wert sei. Und er habe eben den kleinen Bruder mitgenommen und sich zu der Scheune fahren lassen, sei durch eine Lücke im Zaun und die offene Hintertür rein.

Dumm nur, dass niemand vom Zirkus den Auftrag gegeben hat, dass die angeblich offene Tür frisch aufgebrochen war und dass ausgerechnet der Rentner gerade kam. Die Geschichte, die der ältere Schrott-Kollege präsentiert, warum er den jungen vorschickte und selbst erst einmal wegfuhr, nimmt ihm das Gericht auch nicht ab.

Selber hat er einen Strafbefehl erhalten und akzeptiert – wegen Beihilfe zum versuchten Diebstahl. Jetzt kann er mit seinem unglaubwürdigen Entlastungsversuch dem Kollegen nicht helfen.

Das Gericht sieht es jedenfalls so: „Wer mit einem Bolzenschneider irgendwo reingeht, der will was klauen. Alles andere finde ich total abwegig“, sagt Richter Andresen. Dennoch erspart er dem jungen Mann eine Jugendstrafe, denn seine neuen Kiosk-Pläne sprächen doch für eine gewisse Nachreife. Sogenannte „schädliche Neigungen“ lägen nicht vor. Also kommt der 21-Jährige mit 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon.

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