Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Seit Jahren befürchtetes Szenario

Reisende überqueren die Gleise Seit Jahren befürchtetes Szenario

Ein solcher Unfall wird seit Jahren prophezeit: Reisende überqueren die Gleise, um ihren Zug noch zu erwischen, weil ihnen am Bahnhof der Weg über die B27 auf die andere Seite der Bahnlinie durch geschlossene Schranken mehrere Züge lang verwehrt ist – und dabei passiert es dann.

Voriger Artikel
Göttinger THW-Mann an der jordanisch-syrischen Grenze
Nächster Artikel
Terror-Infos gefordert

Unmissverständlich: Verbotsschild neben dem Bahnhof.

Quelle: Pförtner

Friedland. So jedenfalls das Szenario, das von Fahrgästen oder im Ortsrat immer wieder diskutiert wird, und das an der Schrankenanlage auch wöchentlich beobachtet werden kann: verbotswidriges Überqueren der Gleise.

Doch diesmal war es offenbar anders. Nicht an der Schranke, sondern gleich vom Grenzdurchgangslager kommend quer über die Gleise und direkt zum gegenüberliegenden Bahnsteig muss die aus Kasachstan stammende 63-Jährige mit dem Kind gelaufen sein – allen Verboten zum Trotz.

Dennoch wird der tragische Unfall die Diskussion um die Schranke in Friedland wieder anfachen. Mehrfach haben Ortsratsmitglieder darüber beraten. Ortsbürgermeister Joachim Lüther (CDU), von Beruf Polizist, hat selbst einst erlebt, wie ein ungeduldiger Radfahrer an geschlossener Schranke sein Gefährt über den Balken hob, zwar aufmerksam nach Zügen Ausschau hielt, die Schienen überquerte und auf der anderen Seite weiterradelte. Ein kleiner Schuljunge machte es ihm nach – blindlings.

Dabei hat die Bahn viel getan, um die Situation zu entschärfen. Seit dem Bau der Lärmschutzwände kann man sich kaum noch an der Schranke vorbeidrücken. Überall stehen Absperrgitter, Warn- und Verbotsschilder. Die Gleise werden von Bahnhof bis Schranke von einem Zwischenzaun getrennt, damit das Überqueren unmöglich wird. Die Großmutter mit Kind aber hat den Bahnkörper vor dem Zaun betreten und muss im Gleisbett bis zum Bahnsteig gelaufen sein. Warum, ist ein Rätsel.

Dabei sind gerade wegen des nahen Grenzdurchgangslagers, in dem viele Menschen leben, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, auch hier die Absperrungen und Verbotsschilder immer wieder überprüft worden. Zuletzt Mitte November, ehe der Tag der offenen Tür im Museum Friedland gefeiert wurde, hat die Gemeinde, so Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD), das überprüft. Wer nicht lesen könne, erkenne an Piktogrammen das Durchgangsverbot.

Eine Hoffnung, die Gleise jemals mit Brücke oder Tunnel queren zu können, hat man in Friedland aufgegeben. Eine Unterführung scheitert am Mühlengraben. Eine Brücke müsste wegen der Leine weit vor dem Ort ansetzen und würde erst kurz vor dem Kreisel enden. Mehrere Gebäude müssten dafür abgerissen werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Frau von Güterzug erfasst

Ein schrecklicher Unfall im Bahnhof Friedland hat eine 63 Jahre alte Spätaussiedlerin aus Kasachstan am Freitagmorgen das Leben gekostet. Die zuletzt in Baden-Württemberg lebende Frau hatte gerade ihren achtjährigen Enkel aus dem Grenzdurchgangslager Friedland abgeholt und versucht, ihren Zug nach Göttingen zu erreichen, indem sie mit Kind und Koffer den Gleiskörper überquerte.

mehr
Anzeigenspezial
Die Bilder der Woche vom 2. bis 8. Dezember
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt