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Skandal um Bio-Eier: Göttinger Landwirte reagieren wütend

Umfrage in Region Skandal um Bio-Eier: Göttinger Landwirte reagieren wütend

Bio-Eier, die wohl gar keine sind: Der nächste Lebensmittel-Skandal ist da. Landwirte in der Region sind sauer auf ihre Kollegen, die sich offenbar mit unlauteren Machenschaften unverdientes Geld in die Taschen geschaufelt haben. Das Misstrauen der Verbraucher trifft auch sie, obwohl sie sich nichts hätten zuschulden kommen lassen, klagen sie.

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Die neue Eier- und Huhn-Frage: Bio oder nicht?

Quelle: Hinzmann

Göttingen/Duderstadt/Varlosen. Derzeit wird bundesweit gegen etwa 200 Betriebe ermittelt, allein 150 davon in Niedersachsen.

Für Hilmar Dörhage ist der neue Eier-Skandal – Bio- und Freilandeier sollen aus Ställen mit enger Massentierhaltung stammen – schlicht „eine Sauerei“. Dörhage hält in Varlosen etwa 300 Hennen , deren Eier er ausschließlich per Direktvermarktung auf den Tisch der Kunden bringt. Er kann „nicht nachvollziehen, dass Betriebe mit 100 000 Hennen und mehr immer noch als bäuerliche Haltung gelten“. Dörhage selbst produziert zwar keine Bio-Eier – „zwar Freiland-Haltung, aber kein Bio-Futter“ – aber das neu erwachsene Misstrauen auch gegenüber Qualitätseiern könne völlig unberechtigt auch ihn treffen.

Auch Kreislandwirt Hubert Kellner macht den Zorn und die Ratlosigkeit der Landwirte deutlich . „So etwas geht nicht. Das muss verfolgt und auch bestraft werden.“ Sein Ärger schlägt bei der Folgefrage, ob gegen Betrüger etwas unternommen werden könne, in Resignation um: „Nein“, so Kellners schlichte Antwort. Die Folgen würden die Bauern schnell zu spüren bekommen. Die Verunsicherung der Verbraucher führe zum Rückgang der Nachfrage und zu sinkenden Preisen. „Das geht ziemlich schnell. Das ist bei jedem Skandal so, das sind wir seit Jahren gewohnt.“

Was ist die Ursache der wiederkehrenden Schreckensmeldungen bei Lebensmitteln? „Ich weiß nicht, woran es liegt“, räumt Kellner ein. Die Realität der Bauern sei der globale Wettbewerb. „Wir haben die Massenproduktion für den Weltmarkt.“ Das führe zum einen zum Preisdruck. Der sei aktuell jedoch nicht das Problem: Bei den Bio-Eiern hätten Kunden ja bewusst zum höherpreisigen und vermeintlich höherwertigen Produkt gegriffen. Vielmehr bringe der Anspruch auf ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln Risiken mit sich. Die Menschen seien gewohnt, 24 Stunden am Tag zu jeder Zeit des Jahres alle Lebensmittel zu bekommen.

Der Kreislandwirt wirbt auch angesichts der jüngsten Skandale für den Einkauf beim regionalen Erzeuger: „Wir haben ja eine Reihe guter Direktvermarkter. Für die lege ich meine Hand ins Feuer.“ Und die sehen auch Chancen: Borchardts Bauernladen in Duderstadt verzeichnet nach Lebensmittelskandalen verstärkten Zulauf. Sie hätten das Vertrauen ihrer Kunden, sagt Konstanze Borchardt. Diskussionen mit Verbrauchern gebe es aber immer dann, wenn im Hofladen nicht alles erhältlich sei. „Es gibt nur dann Eier, wenn die Hühner auch Eier legen“, macht sie deutlich. Und wenn ein Kunde sich über fehlende oder zu kleine Eier beschwere, entgegne sie: „Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wie sich unser Huhn den A... aufreißt für Ihr XL-Ei?“

In der Region werden die Lebensmittelkontrolleure der Kreisverwaltungen dem niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) helfen, falsch deklarierte Eier per Rückrufaktion aus dem örtlichen Handel zu nehmen, sagt Landkreis-Sprecher Marcel Riethig. Das Landesamt habe der Göttinger Kreisverwaltung allerdings noch keine Rückruflisten übersandt. Das deckt sich mit den Aussagen der Märkte selbst: Bei den Versorgern Rewe und Edeka wurden bis zum gestrigen Montag noch keine Eier aus den Regalen genommen.

Ohnehin seien die hiesigen Hühnerhaltungsbetriebe nicht betroffen, sagt Riethig. In der Region gebe es nur einen einzigen größeren Eierproduzenten. Und der, so die Kreisverwaltung, „ist absolut zuverlässig“. Daher werde es vor Ort auch keine besonderen Kontrollen geben.

Zum Thema: die Broschüre „Alles Bio. Öko-Betriebe in Südniedersachsen“. Buchverlag Göttinger Tageblatt. Im Online-Shop erhältlich oder in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen, Jüdenstraße 13c, und Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11.
Die Tageblatt-Serie "Alles Bio" online.

Von Matthias Heinzel und Ulrich Lottmann

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