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Stadt und Landkreis Göttingen: 3700 Haushalte sollen Mietkosten senken

"Angemessene“ Unterkunftskosten Stadt und Landkreis Göttingen: 3700 Haushalte sollen Mietkosten senken

Voraussichtlich bis zu 3700 Haushalte in Stadt und Landkreis werden in den kommenden Monaten Post bekommen und aufgefordert werden, ihre Unterkunftskosten zu senken. Ein neues Gutachten zum Wohnungsmarkt auf Basis von 18 000 Mietverhältnissen liegt vor. Daraus resultierten neue Höchstgrenzen von Bruttokaltmieten, die vom Landkreis für Sozialhilfeempfänger und Langzeitarbeitslose übernommen werden.

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Wohn-Komplex an der Groner Landstraße: In Stadt und Kreis gelten neue Mietobergrenzen, die von Jobcenter und Sozialamt übernommen werden.

Quelle: Heller

Göttingen. Die Konsequenzen können weitreichend sein. Für viele Bereiche insbesondere in den Städten Göttingen und Münden liegen die neuen Grenzen unter den Werten der Bundeswohngeldtabelle, die bislang angewandt wurde. So wird in Göttingen für eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft aus zwei Personen künftig statt 435 Euro nur noch 381 Euro im Monat anerkannt. Für einen Fünf-Personen-Haushalt kann es mit 698 Euro künftig zehn Euro mehr geben. In Adelebsen, Dransfeld und Staufenberg steigt die angemessene Kaltmiete für eine Person um zehn Prozent auf bis zu 321 Euro. Heizkosten werden zusätzlich nach dem bundesweiten Heizspiegel gewährt.

Umzug unwirtschaftlich

Der Verwaltung zufolge leben von 9900 Bedarfsgemeinschaften in Stadt und Kreis, die Hartz-IV-Leistungen beziehen, 3100 in zu teuren Wohnungen . Bei 600 von ihnen wäre ein Umzug unwirtschaftlich. In allen Fällen werde aber geprüft, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, ob ein Umzug zumutbar wäre, versicherte die Verwaltung im Kreissozialausschuss. Das Konzept sieht vor, nur schrittweise bis Ende 2014 vorzugehen, zuletzt bei Alleinerziehenden und Schwerbehinderten. SPD und Grüne beschlossen eine Vertagung, allerdings könnte der Kreistag höchstens ein neues Gutachten in Auftrag geben. Neue Erkenntnisse müssten sofort angewandt werden, so Landrat Bernhard Reuter (SPD).

Angemessene Unterkunftskosten
nach Wohnfläche (max. Bruttokaltmiete im Monat)
Wohnfläche Göttingen, Bovenden, Rosdorf Adelebsen, Dransfeld, Friedland Hann. Münden, Staufenberg Gieboldehausen, Gleichen,
Radolfshausen
Duderstadt
           
50 m² 353 321 299 298 298
           
60 m² 381 356 336 327 309
           
75 m² 479 435 430 415 400
           
85 m² 528 506 473 476 487
           
95 m² 698 576 598 576 564
           
105 m² 758 658 655 624 602
           
115 m² 830 720 717 684 659
           
125 m² 902 783 779 743 717
           
135 m² 974 846 842 802 774
           
145 m² 1.046 908 904 862 831
   
   
Hartz IV: Leichte Beute für Vermieter

Göttingen. Es ist ein Thema, über das niemand gerne spricht, Vermieter schon gar nicht. Auch den Sozialbehörden in Stadt und Landkreis ist es eher unangenehm. Es geht um Mieten, die für Hartz-IV-Empfänger gezahlt werden – und darum, dass diese sich auf wundersame Weise immer relativ schnell den gezahlten Höchstwerten annähern und damit zugleich deutlich über Marktwert liegen können.

Vermieter antworten, auf das Thema angesprochen, eher ausweichend. Immerhin wird durchaus eingeräumt, dass man von Studenten nicht eine so hohe Miete wie von Hartz-IV-Empfängern nehmen könne. Ansonsten könne man das mit den Miethöhen nicht so genau sagen, es gebe ganz unterschiedliche Mietverhältnisse, und überhaupt habe man nur wenige Wohnungen. Dabei gibt es durchaus Spezialisten, die sich ein kleines Imperium an Wohnungen in sozial schwierigen Lagen zusammengekauft haben. Wenn die Miete vom Amt kommt, können sich solche Objekte durchaus schnell rentieren.

Bei Stadt und Landkreis wird jedenfalls das Phänomen beobachtet, dass sich die Mieten vergleichsweise zügig den jeweils durch Hartz IV gesetzten Obergrenzen annähern. Und die Behörden zahlen – wobei sie nach eigener Aussage allein auf die Miethöchstgrenze achten, aber nicht darauf, wie groß die Wohnung ist. Einem Hartz-IV-Empfänger standen in Göttingen als Bruttokaltmiete bislang maximal 358 (jetzt 353) Euro und 50 Quadratmeter Wohnfläche zu. Für zwei Personen galten Obergrenzen von 435 (jetzt 381) Euro und 60 Quadratmetern. In der Bruttokaltmiete sind die kalten Betriebskosten, etwa für Abwasser oder Müllabfuhr, nicht jedoch die Heizkosten enthalten.

Eine Stichprobe für die Groner Landstraße 9 bestätigt das Problem mit den Mieten. Der Gebäudekomplex gilt als sozialer Brennpunkt und nicht eben als bevorzugte Wohngegend. Etwa 60 Prozent der rund 700 Bewohner der Wohnanlage sind Hartz-IV-Bezieher. Eine 18-Quadratmeter-Wohnung dort wird im Internet für eine Kaltmiete von 180 bis 200 Euro und warm für 250 bis 280 Euro angeboten – die Angebote stammen von einem Studenten, der einen Nachmieter sucht, und einem Makler. Der Landkreis zahlt bei Hartz-IV-Empfängern – ohne sagen zu können, für welche Wohnungsgröße – für Ein-Personen-Haushalte in dem Komplex durchschnittlich eine Bruttokaltmiete von 288 Euro, für Zwei-Personen-Haushalte im Schnitt nur etwas mehr, nämlich knapp 289 Euro. Für Drei- und Vierpersonenhaushalte sind es durchschnittlich knapp 359 Euro, für Haushalte mit fünf oder mehr Personen 747 Euro.

Man könne den Hartz-IV-Empfängern nicht vorschreiben, wo sie wohnen sollten, heißt es bei den Behörden. Man könne den Betroffenen ja auch nicht vorschreiben, wo sie möglichst günstig einkaufen sollten. Manche Mieter bekämen nur noch in bestimmten Gebäuden Wohnungen. Welches die niedrigste Miete in der jeweiligen Kategorie ist und bis zu welchem Höchstwert er für die Groner Landstraße 9 Mieten zahlt, möchte der Landkreis nicht verraten – mit Verweis auf „datenschutzrechtliche Gründe“. Denn bei Angabe einer Preisspanne, so die Begründung, seien Rückschlüsse auf einzelne Mietverhältnisse möglich.                                                               Von Jörn Barke

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Zu teure Wohnungen

Landrat Bernhard Reuter (SPD) hat das Gutachten zu Mietobergrenzen für Hartz-IV-Empfänger verteidigt und Kritik daran zurückgewiesen. Laut Gutachten leben von 9900 Bedarfsgemeinschaften in Stadt und Kreis Göttingen 3100 in zu teuren Wohnungen.

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