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Stadtwerke weisen Kritik aus der Politik zurück

Biowärmezentrum Stadtwerke weisen Kritik aus der Politik zurück

Die Stadtwerke reagieren auf Kritik vor allem von Seiten der CDU und FDP im Rat der Stadt an einem geplanten Biowärmezentrum. Hans-Georg Scherer (CDU) bezeichnete die Folgen der Anlage als „ökologisches Desaster“. Felicitas Oldenburg (FDP) sorgte sich um möglichen Dioxin-Ausstoß.

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Planung der Stadtwerke: Pilotprojekt eines Biowärmezentrum.

Quelle: Stadtwerke

Göttingen. Claudia Weitemeyer, Sprecherin des Stadtwerke, kontert Scherers Aussagen zum „ökologisches Desaster“. Mit dem neuen Biowärmezentrum könnte der Ausstoß von Kohlendioxid im Vergleich zum heutigen Zustand um 7000 bis 8000 Tonnen reduziert werden. Werde eine Gasheizung durch eine Fernwärmeheizung ersetzt käme es zu einer weiteren Einsparung von Kohlendioxid-Emissionen von 75 Prozent. Zudem könne eine Unabhängigkeit von Erdgasimporten erreicht werden.

Biowärmezentrum ab 2019 im Testbetrieb

Hintergrund der Diskussion sind Stadtwerkepläne für ein Pilotprojekt eines Biowärmezentrum. Als „bundesweit einzigartig“, „innovativ“, „effizient“ und „ökologisch“ hatte Gerd Rappenecker, Technischer Vorstand der Stadtwerke, das Vorhaben im Bauausschuss vorgestellt. Mit der Boson Energy SA aus Luxemburg sei ein Biowärmezentrum mit einem europaweiten Forschungs- und Pilotprojekt im Maschmühlenweg an der Ecke Hildebrandstraße geplant. Außer einem neuen Heizkraftwerk mit Holzhackschnitzelkessel für die Nahwärmeversorgung soll für eine Testphase von zwei Jahren eine Holzvergaseranlage (Pyrolyse) installiert werde. Dafür soll Holz und Altholz aus Südniedersachsen genutzt werden. Das Biowärmezentrum soll Anfang 2019 seinen Testbetrieb aufnehmen.

Beispielrechnung der Stadtwerke

Scherers Aussage, der große Bedarf der Anlage an hochwertigen Holz führe zu einer Verschiebung, an deren Ende große Spanplattenhersteller ihr Holz künftig nicht mehr aus heimischen Wäldern beziehen könnten, setzt Weitemeyer eine Beispielrechnung entgegen. Die jährliche Menge von 8000 Tonnen „vorwiegend unbehandeltem“ Alt- und Restholz für den Holzhackschnitzelkessel mache nur zwischen drei und vier Prozent des gesamten jährlichen Holzzuwachses im Umkreis von bis zu 50 Kilometern um Göttingen aus. Dieser Anteil lasse sich um ein Prozent durch den Einsatz von Holz aus der Landschaftspflege reduzieren. Für den Holzvergaserkessel würden ebenfalls 8000 Tonnen Frischholz benötigt.

Blick vom Maschmühlenweg auf das Grundstück, auf dem das Biowärmezentrum entstehen soll

Blick vom Maschmühlenweg auf das Grundstück, auf dem das Biowärmezentrum entstehen soll.

Quelle: Beckenbach / Stadtwerke

Einen von Scherer beschworenen „Krieg um Holzhackschnitzel“ und „Kahlschlag in den Wäldern“ sieht Weitemeyer nicht. Sie beruft sich auf den Waldbericht 2017. „Die Waldfläche ist angewachsen, der Bestand der alten Bäume hat zugenommen, der Holzvorrat ist auf einem Höchststand“, sagte Philipp zu Guttenberg, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), über die allgemeinen bundesweiten Entwicklungen. Auch der Waldbestand in Südniedersachsen liegt im Auswärtstrend, bestätigte Michael Rudolph, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten für die Region Süd, im September.

Boson Energy SA hält Patent auf geplantes Hochtempereaturverfahren

Zum befürchteten Ausstoß von Dioxin stellt Weitemeyer fest, dass Chlor in unterschiedlichen Konzentrationen im Holz durch Umwelteinflüsse immer enthalten sei. So könne theoretisch bei jeder Verbrennung Dioxin als Nebenprodukt entstehen. Deshalb sei die in Göttingen geplante Vergaserkesseltechnologie angepasst worden. Das angewandte Hochtemperaturverfahren bei 1000 Grad, auf das Boson Energy SA ein Patent halte, vermeide die Entstehung von Dioxin.

Hintergrund für die Planungen für das Pilotprojekt ist das alte Heizkraftwerk in der Godehardstraße. Das ist in die Jahre gekommen und muss bis 2020 ersetzt werden. Es beliefert derzeit etwa 200 Gebäude in der Innenstadt ganzjährig mit Wärme.

Von Michael Brakemeier

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