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Stapelmahlzeit mit Spree-Athenern

Festredner Stapelmahlzeit mit Spree-Athenern

Mai-Krawalle auf der einen Seite und boomender Tourismus auf der anderen, Rütli-Schule und lange „Kreuzberger Nächte“, Flughafen-Desaster und hervorragende Universitäten: „Entweder man liebt Berlin oder man hasst es“, meint Norbert Kopp (CDU), seit 2006 Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf. Dass er seine Stadt liebt, daran lässt der Festredner bei der 30. Stapelmahlzeit in Hann. Münden im großen Saal des historischen Rathauses keinen Zweifel.

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Beim Bieranstich: Norbert Kopp, Bezirksbürgermeister aus Berlin (Mitte), tut sich mit dem Zapfhammer schwer.

Quelle: Theodoro da Silva

Hann. Münden. Auch die Mündener mögen die Spree-Athener. Mit Steglitz verbindet sie eine 50-jährige Städtepartnerschaft. Sie wurde 1962, wenige Monate nach dem Mauerbau, gestiftet.

„Eine bemerkenswerte Geste“, meint Kopp. Die Drei-Flüsse-Stadt versorgte die Steglitzer noch im gleichen Jahr mit Weihnachtsbäumen aus ihrem Stadtwald. Steglitzer Kinder durften über viele Jahre im - mittlerweile verkauften – Mündener Schullandheim an der Ostsee in Pelzerhaken ihre Ferien verbringen. Von „einer Vielzahl von Begegnungen auf den unterschiedlichsten Ebenen“ spricht Kopp.

An seine 160 Zuhörer gewandt erklärt er: „Ihr alle ward in schwerer Zeit für die Menschen bei uns in West-Berlin eine große Stütze, die wir nicht vergessen werden.“ Und dabei hätte die Ehe ein halbes Jahrhundert „ohne Trauschein“ funktioniert. Eine offizielle Partnerschaftsurkunde existierte nämlich bis 2012 nicht. Hann. Mündens Bürgermeister Klaus Burhenne (CDU): „Wir haben ein Jahr lang gesucht, aber nichts gefunden.“ So wurde das Dokument im Mai bei der 50-Jahr-Feier in Steglitz offiziell unterzeichnet.

Bevor Kopp ans Rednerpult treten darf, muss er zunächst ein Fass Bier anzapfen. Beim Stapelmahl ist es nämlich Tradition, dass jeder Gast einen halben Liter Bier bekommt, damit ihm die Zeit bis zum Schweinebraten mit Sauerkraut nicht zu lang wird. Serviert wird der Gerstensaft in Stapelhumpen, die die Brauerei Felsenkeller spendiert. Kopp schwang den Zapfhammer – und flutete den Rathaussaal. „Dass ist unserer früheren Landesbischöfin Margot Käßmann auch passiert“, tröstete Burhenne den Katholiken Kopp.

Nach dem Essen trat der Gedächtniskünstler Jens der Denker auf. Der gelernte Parlamentsstenograf aus Berlin hat als Kind eine Zeit lang in Hann. Münden gelebt. Beim Singen des traditionellen Stapelliedes am späten Abend half die Band „Heinrich II.“, Träger des diesjährigen Jugend-Kulturpreises Hann. Münden. Der Erlös des Festes wird 2012 für ein Hilfsangebot verwendet. Es kommt traumatisierten Kinder zugute, die mit ihren Müttern in der Frauenschutzwohnung Zuflucht nehmen müssen.

Das Stapelmahl erinnert an das Stapelrecht, das der Stadt Hann. Münden im Jahr 1247 verliehen worden ist. Die vielen Handelsschiffe mussten seinerzeit ihre Ware in der Stadt zum Kauf anbieten. Das hat die Mündener reich gemacht.

Von Michael Caspar

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