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Statt Dankbarkeit ein Kündigungsbrief

Kollegen als Dieseldieb überführt Statt Dankbarkeit ein Kündigungsbrief

Ehrlich währt (oder fährt) am längsten. Weil er ehrlich war, ist ein Kraftfahrer im neuen Job nicht lange gefahren. Wo er Dankbarkeit des Chefs und eine Gehaltserhöhung erwartete, hat der ihm die Kündigung geschickt. Jetzt steht der 24-jährige Tino Scharf ohne Arbeit da. Er wird gar des Diebstahls verdächtigt, weil er einen Dieb in der Firma überführte.

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Nur noch im eigenen Auto: Tino Scharf wird gekündigt, weil er Kollegen als Dieb überführte.

Quelle: Gückel

Der Fall ermöglicht einen Einblick ins umkämpfte Transportgewerbe. Am 8. Dezember hatte der 24-Jährige aus dem Eichsfeld bei einem Northeimer Transportunternehmen angefangen. Die Firma fährt für die Post. Tino Scharf wurde eingearbeitet von einem älteren Kollegen, für ihn eine Art Vorarbeiter. Schon nach zwei Wochen bat ihn der, beim Tanken an der Kasseler Landstraße in Göttingen mit der Tankkarte des Betriebes einen Reservekanister mit Diesel zu füllen und abzuliefern. Tags darauf sollten es zwei Kanister sein, dann ein Zehn-Liter-Behälter.

Dass sein Dienstfahrzeug gar keinen Reservekanister an Bord hatte und dass der Kollege darauf bestand, er solle an der Zapfsäule nur knapp tanken, den Rest in den Kanister füllen, machte Scharf bald misstrauisch. Er fragte, erhielt ausweichende Antworten, erfuhr dann, dass der Treibstoff für den privaten Traktor bestimmt sei. Als der Kollege auch noch verlangte, er solle das gestohlene Diesel zu ihm nach Hause fahren und ins Carport stellen, wurde es dem Neuen zu viel. Er offenbarte sich dem Chef.

Der war vom dreisten Betrug naturgemäß entsetzt. Er empfahl, die Aufträge ein paar Tage zum Schein weiter zu machen, um Beweise zu sammeln. Scharf zeichnete gar ein Handy-Telefonat mit dem diebischen Kollegen auf, in dem dieser den Betrug zugab. Dann wurde der Vorarbeiter gefeuert. Ein Strafverfahren läuft, Tino Scharf ist der Belastungszeuge.

Weil auch noch heraus kam, dass der entlassene Kollege heimlich mit einem konkurrierenden Transportunternehmen zusammengearbeitet hatte und diesem die Fahrer der eigenen Firma für Schwarzfahrten vermittelt haben soll, entwickelten Chef und Scharf einen weiteren Plan: Der junge Fahrer sollte sich von der Konkurrenz anwerben lassen, um deren Praktiken auszuspionieren. Dafür, so erzählt Scharf, sei ihm eine Gehaltserhöhung (von monatlich 900 auf 1200 Euro) versprochen worden.

Aus der Lohnerhöhung wurde nichts. Er habe dem Chef zwar berichtet, der aber habe zu seinem Wort nicht gestanden. Es kam zum Streit, zum Wortwechsel, zur spontanen Kündigung. Drei Tage später dann flatterte dem 24-Jährigen die fristlose Kündigung ins Haus. Die Begründung: „Die Kündigung erfolgt, weil Sie Treibstoff gestohlen haben.“

Der, der einen Kollegen des Diebstahls überführt hatte, sollte nun selber ein Dieb sein? Scharf ging mit dem Schreiben zur Polizei und zeigte nun seinen Ex-Chef wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung an. Der revanchierte sich einige Tage später mit einer eigenen Diebstahlsanzeige. Scharf, behauptete er, habe ebenfalls mit der Betriebstankkarte privat getankt – Superbenzin, kein Diesel. Ja, sagt Scharf dazu, einmal, und das mit Erlaubnis des Chefs.

Alle diese Anzeigen bestätigt die Polizei; sie ermittelt noch. Der Chef der Firma bestreitet auf Tageblatt-Anfrage, für Betriebsspionage mehr Gehalt versprochen zu haben: „So viel verdienen ja nicht einmal meine Lkw-Fahrer.“ Und bei der Arbeitsagentur kann sich die Begründung der Kündigung, der Vorwurf des Diebstahls, fatal auswirken: in Form einer Sperre des Arbeitslosengeldes. Dabei, sagt Scharf, war Transporterfahrer „mein Traumberuf“.

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