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Streit um Magerrasen oder Heckenlandschaft

Artenschutzprojekt Streit um Magerrasen oder Heckenlandschaft

Ein Artenschutzprojekt des Landkreises erhitzt in Varlosen die Gemüter. Der alte Bahndamm wurde auf zwei Kilometer Länge eingezäunt, Büsche und Bäume wurden geschreddert. Rinder sollen in Zukunft Bewuchs verhindern und ein Magerrasen-Biotop erhalten.

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Frei von Büschen und eingezäunt: Damm der ehemaligen Eisanbahnstrecke bei Varlosen.

Quelle: Pförtner

Seltene und unter strengem EU-Schutz stehende Tierarten sollen geschützt werden. Das ist das Ziel. Es handele sich insbesondere um die Zauneidechse und die Schlingnatter, die einen sonnigen und wärmebegünstigten Lebensraum auf mageren Böden bevorzugen, erklärt die Kreisverwaltung.
Deshalb wurde der Bahndamm der ehemaligen Bahntrasse bei Varlosen auf zwei Kilometer Länge teilweise von Bewuchs befreit und ein Elektrozaun errichtet. Eine Beweidung durch Rinder im Sommer soll dafür sorgen, dass sich die Gebüsche auf dem bis zu 50 Meter breiten Damm nicht weiter ausdehnen.

Neuntöter und Heilziest

Nur so blieben die offenen Schotterflächen und Magerrasenflächen erhalten, die diese Arten zum Leben benötigten, so die Begründung. Eine extensive Rinderbeweidung werde dafür sorgen, dass sich ein Gleichgewicht zwischen Gebüschen und offenen Flächen einstelle. Weitere Tierarten, die von der Beweidung profitierten, seien der stark gefährdete Zwergbläuling und die Zweipunkt-Dornschrecke.
Der Neuntöter benötige Offenland mit Einzelbüschen, der Rotmilan brauche zum Jagen offenes Gelände. Auch seltene Pflanzenarten trockenwarmer Standorte wie der Heilziest und der Hufeisenklee.
Der Kreis verweist auf ein Gutachten aus dem Jahr 1990 mit dem Ergebnis, dass eine extensive Beweidung dieser Flächen für eine naturschutzgerechte Entwicklung erforderlich sei. Das rund 20000 Euro teure Projekt werde durch das Land unter Beteiligung der EU gefördert. Mit Rücksicht auf jagdliche Interessen sei der Zaun so gebaut, dass etwa Rehwild frei passieren könne.
Die Jagdgenossenschaft sieht das anders und ist verärgert. „Ich kann es nicht begreifen, dass zugunsten eines Biotops Magerrasen, der erst wieder hergestellt werden muss, ein anderes Biotop zerstört wird“, sagt der Vorsitzende Bernd Flentje. Die in den Jahren herangewachsene mehrreihige Heckenlandschaft sei singulär gewesen: „Sonst gibt es das nicht.“ Drei Viertel des Bewuchses seien beseitigt worden. Flentje bezweifelt auch, dass Rinder auf den belasteten Bahngelände weiden könnten. Die Genossenschaft will das Veterinäramt einschalten. Nach dem Bau von Deponie und Kompostanlage sei das der zweite „enteignungsgleiche“ Eingriff in der Varloser Feldmark, beklagt er. Die Jagdpächter hätten bereits angekündigt, dies als Minderung bei den Pachtzahlungen geltend zu machen.

Sonnenplatz für Eidechsen

Kreisumweltdezernentin Christel Wemheuer verweist darauf, dass Gespräche vor Ort angeboten worden seien. Dazu sei es bislang aber noch nicht gekommen. Sie halte es nach wie vor für ein gutes Projekt, sonst würde es auch nicht vom Land unterstützt. Der Damm sei prädestiniert für sonnenwärmeliebende Arten. Ein Gutachten über mögliche Schadstoffbelastungen gebe es nicht.
Die Bahnstrecke wurde 1980 stillgelegt. Der Landkreis bekam die Flächen zu Naturschutzzwecken als Ausgleich für den Bau der ICE-Strecke. Die Metallgleise wurden teilweise gestohlen oder verkauft. Die Landesnaturschutzbehörde empfahl, nur lose Schwellen zu entfernen, die übrigen aber liegenzulassen als Sonnengelegenheit für Eidechsen.

Von Gerald Kräft

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