Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 3 ° Schneeregen

Navigation:
„Ein Stück weniger großartiger sein“

Tipps für ein friedliches Weihnachten von einer Psychologin „Ein Stück weniger großartiger sein“

Weihnachten bietet viel Konfliktpotenzial: Im Interview erzählt die psychologische Psychotherapeutin Christa Werner-Gawlick, warum Streiten erlaubt ist – und gibt Tipps für friedliche Weihnachten.

Voriger Artikel
Spektakel am Himmel über Göttingen ist erlaubt
Nächster Artikel
Neuer Finanzdezernent

Bereits das Geschenkekaufen in der Vorweihnachtszeit löst in vielen Familien Stress aus. Dem kann man entgegenwirken.

Quelle: epd

Göttingen. Das Geschenk ist nicht das richtige, der Gänsebraten zu trocken oder die Kinder benehmen sich nicht mal an diesem einen Tag: An Weihnachten kommt es häufig zum Familienstreit. Warum das so ist und wie es sich verhindert lässt, erklärt die Rosdorfer psychologische Psychotherapeutin Christa Werner-Gawlick im Interview.

Frau Werner-Gawlick, warum kommt es an den Weihnachtstagen häufiger zum Familienstreit als im Rest des Jahres?

Christa Werner-Gawlick: Familienstreit kommt an Weihnachten zum einen häufiger vor, weil die Menschen dann mehr Zeit füreinander haben. Dann wird das Vermeiden von Konflikten schwieriger als im Alltag, wenn jeder arbeiten oder zur Schule geht und sein eigenes Ding macht. Deshalb kommt es zum Beispiel auch in Urlaubszeiten oft in Familien zu Streit. Der zweite Grund ist die Erwartung der Menschen, dass es an Weihnachten besonders harmonisch sein soll. Umso höher die Erwartungen sind, desto schneller wird jemand enttäuscht – und dann kommt es schneller zu Streit.

Sollte man den Streit dann auf nach den Feiertagen verschieben oder darf man auch an Weihnachten streiten?

Ich halte Auseinandersetzungen in einem demokratischen System – und dazu zähle ich auch Familien – für notwendig, auch an Weihnachten. Man kann nicht Friede, Freude, Eierkuchen vorgaukeln, wenn man sauer ist. Deshalb sollten die Familienmitglieder gar nicht erst warten, bis etwas hochkocht, sondern Kleinigkeiten direkt klären und nicht unter den Tisch kehren. Das gilt übrigens nicht nur für Weihnachten, sondern für das ganze Jahr.

Glücklich sein auf Befehl für einen Tag: Das funktioniert also nicht?

Das kann nicht funktionieren. Die Erwartung, an Weihnachten nicht streiten zu wollen und zu dürfen und glücklich zu sein, setzt alle nur unter Druck.

Was kann man denn machen, um Streit an Weihnachten zu verhindern?

Die Familien sollten sich vorher überlegen: Was wollen wir machen, sodass wir uns alle wohlfühlen? Dabei sollte man sich von Erwartungen lösen und eine realistische, zur Familie passende Weihnachtsplanung vornehmen. Dazu gehört zum Beispiel auch, nicht den Großteil der Feiertage auf der Autobahn zu verbringen, um zu Verwandten zu fahren, mit denen man sich sowieso nicht so gut versteht. Oder sich zu überlegen, wie man ein schönes Weihnachtsessen haben kann, ohne dass die Mutter oder der Vater sieben Stunden am Herd stehen muss, wenn sie oder ihn das zu sehr stresst. Es geht also um Selbstfürsorge. Wir sollten uns trauen, ein Stück weniger großartig zu sein. Dann wird es auch entspannter.

Schon die Vorweihnachtszeit mit Geschenkekaufen und Co. bedeutet für viele Stress. Wie lässt sich das verhindern?

Jetzt ist es eigentlich schon zu spät (lacht). Am besten sollte man sich schon das ganze Jahr über Gedanken machen, was man schenken möchte, und nicht erst ein paar Tage vor Weihnachten. Aber generell sollten sich Eltern dabei von dem Gedanken lösen, die besten Eltern sein zu wollen und alle Wünsche erfüllen zu müssen. Dann sollen sie lieber Zeit mit den Kindern verbringen, als hektisch durch die Stadt zu rennen und nach Geschenken zu suchen. Auch kann es helfen, sich von dem Gedanken zu verabschieden, alle Verwandten und Freunde beschenken zu müssen.

Was ist das häufigste Streitthema in der Weihnachtszeit?

Oft fühlen die Frauen sich verantwortlicher dafür, dass es schön wird an Weihnachten und fühlen sich dann bei der Planung vom Partner alleingelassen. Ein anderes Problem ist, dass Eltern manchmal erwarten, dass ihre Kinder sich wenigstens am Weihnachtstag benehmen und lieb und brav sind. Aber ein ADHS-Kind beispielsweise ist auch an Weihnachten zappelig. Probleme können nicht plötzlich ausgeschaltet werden. Manchmal ist Kindern aber auch einfach langweilig an Weihnachten, weil sie plötzlich nur Zeit mit den Eltern verbringen und nicht wie in der Schulzeit jeden Tag ihre Freunde sehen. Auch das sollte in der gemeinsamen Weihnachtsplanung berücksichtigt werden und die Familienmitglieder sollten auch an Weihnachten nicht immer alles gemeinsam machen müssen. Man darf nicht denken: Es ist ja Weihnachten, es wird schon schön werden.

Von Hannah Scheiwe

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Anzeigenspezial
Die Bilder der Woche vom 2. bis 8. Dezember
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt