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Tageblatt-Spezial: Momentaufnahmen vom Weihnachtsmarkt

Karussell, Bratwurststand und Glühweinbude Tageblatt-Spezial: Momentaufnahmen vom Weihnachtsmarkt

Freitagabend in der Innenstadt. Viele Geschäfte und auch der Weihnachtsmarkt sind ausnahmsweise bis 23 Uhr geöffnet. Aber was ist wo los? An drei Orten – Karussell, Bratwurststand und Glühweinbude – haben sich Tageblatt-Redakteure von Punkt 19 Uhr bis 19.15 Uhr umgeschaut und wie eine Webcam das Geschehen eingefangen. Drei Momentaufnahmen.

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Treffpunkt in der Vorweihnachtszeit: Der Göttinger Weihnachtsmarkt hat für fast jeden Geschmack etwas zu bieten.

Quelle: Pförtner

Was ist Freitagsabends auf dem Weihnachtsmarkt in Göttingen los? Eine Momentaufnahme in Bildern von 19 Uhr bis 19.15 Uhr. © Swen Pförtner

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Punkt 1: Schnelle Wurst vom Grillmeister

Die Bratwurstbude am Vierkirchenblick, 19 Uhr: Es dampft und zischt. Bratwürstchen liegen auf dem Grill. Kleine und große, lange und dünne. Der Grillmeister reibt sich die tränenden Augen. „Das ist ja schweinekalt“, sagt eine junge Frau, die mit einem Mann vor dem Tresen steht. Hinter ihnen schieben weitere Leute nach. „Hallo, bist du besoffen“, fährt eine Frau in der Schlange einen Drängler an. „Ja klar.“ Er und seine Freunde lachen. Sie grinst ebenfalls.

Am Ende der Schlange stellt sich ein Mädchen an, um die 18 Jahre alt, knapp 1,60 Meter groß. Sie kramt Kleingeld aus dem Portemonnaie. Stellt sich auf die Zehenspitzen. Lugt nach vorne. Ihr kastanienbraunes Haar verschwindet unter der großen pelzumrandeten Kapuze ihres schwarzen Mantels. An ihrem rechten Ohr blitzt ein kleiner silberner Ohrring. Vorne wechselt eine Bratwurst nach der anderen den Besitzer. „Macht sechsfünfzig.“ Sie trippelt mit den Füßen. Schaut mal nach links, mal nach rechts. Überall Menschen. Sie klimpert mit dem Geld in ihrer Hand. Dann geht es ein Stück vorwärts. Sie stellt sich wieder auf die Zehenspitzen, schiebt den Kopf über den Tresen.

„Tschuldigung.“ Stimmengewirr. „Tschuldigung.“ Sie schaut sich kurz um. Reckt erneut den Kopf über die Theke. „Tschuldigung, werde ich hier vielleicht auch mal bedient.“ „Jaha“, ruft ein Mann mit Grillzange, roter Mütze und Dreitagebart und wendet sich ihr zu. „Ich muss nämlich zur Arbeit“, sagt sie. „Was soll es denn sein“, erwidert er. „Eine Bratwurst, aber bitte schnell, ich muss wirklich los.“ Wenige Sekunden später steht der Mann mit der Bratwurst vor ihr. „War das schnell genug?“ Sie nickt. „Warte, ich helfe dir noch“, sagt er, hält die Bratwurst, während sie Ketchup darauf verteilt. „Jetzt aber“, sagt er, „viel Spaß bei der Arbeit.“ „Danke schön“, sagt das Mädchen und lächelt. „Tschüss.“ Es dampft und zischt. Der Grillmeister reibt sich die tränenden Augen. Von Andreas Fuhrmann

 
 
Punkt 2: Falschparker an der Glühweinbude

Wo ist denn hier der Glühweinstand?“. Der Mann mit der blauen Fleecemütze steht drei Meter von der Theke entfernt und blickt sich um. Vor ihm stehen fünf Reihen Menschen, dichtgedrängt. „Soll ich mal vorgehen?“, fragt der dunkelhaarige Mittvierziger wenige Meter weiter links seine weibliche, blondierte Begleitung. Er schiebt sich Schritt für Schritt an den Menschen vorbei in Richtung Theke, die Blondierte folgt und beißt die Lippen aufeinander.  Rechts steht eine Gruppe, vier Männer, drei Frauen, ebenfalls 40 bis 50 Jahre alt. Sie bilden einen Kreis, Ellbogen an Ellbogen. Alle halten einen Glasbecher mit dunkelroter Flüssigkeit in der Hand. In vier Bechern steckt ein kleiner weißer Plastiklöffel. Fünf der sieben tragen schwarze Jacken, zwei schlammfarbene, drei der Jacken ziert ein Plüschpelzkragen. Die drei  Frauen sind auch blondiert. Dunkle Haaransätze verraten die Brünetten ohne Mütze. Sie reden.

Eine junge dunkelhaarige Frau trägt einen Reif mit roten Hörnern auf dem Kopf. Sie hat rote Bäckchen, rote Lippen und bunte Augenlider. „Ich glaub‘s ja nicht, das geht ja gar nicht“, schimpft sie mit Thüringer Akzent und drängt sich einige Zentimeter in Richtung Glühweintheke voran. Die beiden Teenager daneben stehen vis-a-vis und halten Händchen in Handschuhen. Sie in Skihose und mit rotblauer Pudelmütze, er mit schwarzer Jacke und Zipfelmütze. Ein Küsschen, dann halten sie wieder Händchen. Getränke halten sie nicht.
„Wo ist denn Jens, und wo bleibt Julia?“ „Julia kommt nach“. Zwei Männer Mitte 30 stehen nahe der Bushaltestelle. Ein dritter schlängelt sich in Richtung Glühweintheke. „Drei mit Kirschen?“, ruft der dritte Mann in Richtung der anderen beiden. Seine Frage übertönt kurzzeitig das Stimmengewirr am Krummackerschen Glühweinstand. 

Zwei von drei Frauen, alle stark geschminkt, mit langen Haaren und Pony, stecken sich eine Zigarette an. Die Nichtraucherin unter ihnen trägt eine weiße Steppjacke. „Gehen wir noch in die Skibar?“ fragt sie. Die Raucherinnen nicken. Der Mann im Parka mit Brille stoppt. „Schreiben sie um diese Uhrzeit noch Falschparker auf?“, fragt er. Lacht und schiebt sich zur Theke. Von Britta Bielefeld

 
 
Punkt 3: Dumbo fliegt heute alleine

O Tannenbaum, O Tannenbaum. Wie grün sind Deine Blätter?“ Die Musikanlage des Kinderkarussells beschallt den Platz. Nur unterbrochen vom Glockengeläut, das vom Feuerwehrwagen herüber weht, und von der Ansage der Karussellbesitzerin, die dick angezogen in ihrem Häuschen sitzt. „Sitzenbleiben bitte“, sagt sie ins Mikrofon. Eine Kundin kommt, will Fahrkarten kaufen. Pudelmützen und Winterjacken fahren vorbei und drehen ihre Runden im bunten Licht des Karussells. Auf Motorrädern, in der Lok, im Jeep. Nur Dumbo fliegt alleine.
Zwei junge Frauen warten am Rand, die eine zeigt der anderen Bilder auf ihrer Digitalkamera. Ein kleiner Junge steht daneben und zieht an seinem blau-roten Düsenjäger-Luftballon. „Raccoon“ steht auf seiner Strickmütze. „Gleich kommt Oma“, sagt die ältere der Frauen mit einem osteuropäischen Akzent zu dem Jungen. Ihr dunkles Haar ist mit platinblonden Strähnchen durchzogen.

Gegenüber schiebt sich ein Mann in schwarzer Winterjacke ein Brötchen mit Fleischkäse in den Mund. Ein anderer puhlt sich gehend mit dem Zeigefinger im Ohr. „Blumenkohl mit Käse-Sauce“, „Leckere Gyros-Nudeln mit Tzatziki oder Käse-Sauce“, „Frische Champignons mit Knobi- oder Kräutersauce“ ist im Angebot. Es ist deutlich zu riechen. Von links schiebt sich ein halber Meter Bratwurst im Brötchen ins Bild. Eine Frau in einer Funktionsjacke beißt hinein, biegt nach rechts ab und verschwindet in der Dunkelheit der angrenzenden Straße.

„Wir haben auf der Arbeit ein neues SAP-Programm“, sagt eine Frau an der Bratwurstbude. „Und ich habe mir die Ärmel meiner Lederjacke kürzen lassen. Zehn Euro hat sie dafür genommen. Hat gut gearbeitet“, erwidert ein Mann mit schwarzer Schirmmütze. Ein zweites Paar steht schweigend daneben. Die Frau erzählt weiter von dem neuen Programm, wird aber von der Musik vom Karussell übertönt. „Meine Tochter hat einen Mac. Da sind Rechner und Bildschirm eins“, sagt der Schirmmützenmann. „Es geht wieder weiter. Vorsicht bitte“, tönt die Frau im Karussellhäuschen. Und Dumbo kreist immer noch alleine – „kameraüberwacht“. Von Michael Brakemeier

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