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Tageblatt-Weihnachtshilfe Vollzeit ohne Bezahlung

Immer wieder geraten Menschen in Not, werden Opfer von persönlichen Katastrophen und Tiefschlägen. Diesen Menschen bieten soziale Einrichtungen in der Region Hilfe. Zugunsten dieser Anlaufstellen in Krisenzeiten sammelt „Keiner soll einsam sein“, die Weihnachtshilfe des Göttinger Tageblatts. In loser Folge stellen wir einige Schicksale vor.

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Carsten Bromm sammelt in Stadt und Landkreis Göttingen seit 17 Jahren Müll ein. Bisher seien es prall gefüllte 6.600 Säcke gewesen, sagt der 53-Jährige.

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Seit 17 Jahren, sechs Tage pro Woche, ist Carsten Bromm unermüdlich im Dienst von Stadt und Landkreis unterwegs. Geld bekommt der 53-Jährige nicht dafür: Rein ehrenamtlich räumt er den Müll weg, den andere Leute acht- und rücksichtslos in die Gegend werfen. „Göttingen soll sauberer werden“, sagt Bromm.

Der unermüdliche Müllsammler stammt aus Reyershausen und lebt heute in Rosdorf. Früher fand er sein Auskommen als Objektschützer und Bewacher von Baustellen. Nach einem Unfall geht das heute nicht mehr, sagt Bromm: „Ich bin auf einem Ohr taub, und das ist heute in diesem Beruf gar nicht mehr zulässig.“

Stattdessen also Müllsammeln von morgens bis abends, egal, ob Sonne, Schnee oder Eis. 6.600 Säcke Abfall, rechnet Bromm vor, hat er in 17 Jahren zusammengetragen. Derzeit füllt er pro Tag zwei bis drei Säcke, die er mit seinem speziell konstruierten Dreirad mit eigenem Abfallbehälter abtransportiert.

Vielen ist der 53-Jährige als der Müllsammler vom Rosdorfer Baggersee bekannt. „Wenn es nicht solche Leute wie den Carsten Bromm geben würde“, schrieb ein Leser vor sieben Jahren ans Tageblatt, „bin ich mir sicher, dass der Baggersee in Rosdorf mittlerweile von dem Eigner des Sees schon längst für alle Sonnenanbeter und Umweltschweine gesperrt und mit einem dicken Zaun eingegrenzt wäre.“

Bromm ist allerdings überall unterwegs, wegen des Müllaufkommens besonders häufig am Bahnhof und seinen Bahnsteigen, im Umfeld von McDonald‘s und auf dem Campus. Auf Dank kann er beim Müllräumen nicht immer hoffen. Erst neulich, erzält der 53-Jährige, habe ein Jugendlicher vor seinen Augen eine leere Pommes-Pappe einfach weggeworfen. Bromm ließ das nicht unkommentiert. An die lapidare Antwort des Jugendlichen erinnert sich Bromm ganz genau: „Wieso, da kommt doch sowieso irgendein Arsch und räumt das weg.“

Anerkennung für seinen Einsatz erhielt Bromm von anderer Seite: Im vergangenen Jahr wurde ihm der Göttinger Zivilcouragepreis verliehen. Dennoch bleibt sein Leben mehr als bescheiden: Bromm muss von Hartz IV leben, obwohl er deutlich mehr arbeitet als jeder normale Angestellte. Nur ab und zu, sagt der 53-Jährige, steckt ihm jemand eine leere Pfandflasche zum Einlösen zu.

Das Leben mit wenig Geld hat ihm seine Träume allerdings nicht nehmen können. Einmal im Jahr leistet er sich eine Fahrt mit dem Niedersachsenticket nach Hamburg. Bromme liebt die Stadt und ihre Schiffe, der Hafen fasziniert ihn. Sein allergrößter Traum: „Wenn ich mal den ganz dicken Jackpot knacke, dann kaufe ich mir ein kleines reetgedecktes Kapitänshaus bei Blankenese.“

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