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Tageblatt-Wochenendkolumne von Ilse Stein

Mathematik, Kälte und Umarmungstag Tageblatt-Wochenendkolumne von Ilse Stein

Das Letzte zuerst. Nein, Sonntag ist nicht Umarmungstag. Auch wenn sich erfahrungsgemäß die Sieger am Wahlabend strahlend in den Armen liegen. Der Welt-Hug-Day, der Welt-Umarmungstag, wird erst am Montag begangen.

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Quelle: Archiv

Göttingen. Damit wir alle auf dieser Welt mehr Gefühl in der Öffentlichkeit zeigen – so der Hinweis der Gründer dieses ebenso emotionalen wie sinnfreien Gedenktages, der dazu aufruft, so gut wie jeden und jede einfach mal in den Arm zu nehmen. Also bitte: Keine Umarmungen für mich am Montag. Es sei denn von Familienangehörigen.

Sebastiani-Kälte

Auch nicht zum Aufwärmen. Obwohl das derzeit hin und wieder nötig wäre, denn uns hält die sogenannte Sebastiani-Kälte gefangen – ein heute weitgehend unbekannter Begriff für die Zeit vom 16. bis 26. Januar, in der „in Mitteleuropa meist niederschlagsarmes, frostiges Hochdruckwetter mit den niedrigsten Temperaturen des Jahres vorherrscht“, wie Wikipedia weiß. Weil am Sebastianstag (benannt nach einem christlichen Märtyrer namens Sebastian) der Saft in den Bäumen zu steigen beginne, so erfährt man dort weiter, durften nach dem Sebastianstag, an dem „die jungen Burschen sich Weidenpfeifchen“ fertigten, keine Bäume mehr gefällt werden. Die Gefahr dürfte gering sein heutzutage. Wer fertigt noch Weidenpfeifchen? Immerhin aber verdankt die Landwirtschaft dieser Kältewelle einige sogenannte Bauernregeln wie: „An Fabian und Sebastian fängt Baum und Tag zu wachsen an.“

Sammlung ausgezeichnet

In der Universität wächst seit dem Amtsbeginn von Präsidentin Ulrike Beisiegel das Gefühl für die eigenen Besitztümer, sprich die gut 30 wissenschaftlich wertvollen Sammlungen in Medizin, Naturwissenschaften, Geistes- und Kulturwissenschaften. Eine davon, nämlich die der Mathematik, ist gerade ausgezeichnet worden – weil sie ein hohes Potenzial besitze, Studenten anhand von Objekten für den Lehrberuf auszubilden. Der Göttinger Mathematiker Felix Klein hat diese Sammlung von mathematischen Modellen und Instrumenten im 19. Jahrhundert angelegt.

Faszinierend, mit welch einfachen Mitteln, etwa aus Pappe und Stoff, komplizierte mathematische Systeme dargestellt worden sind. Mein Favorit übrigens: die gehäkelte Riemannsche Schleife. Die jüngste Auszeichnung trägt hoffentlich dazu bei, dass der Gedanke an ein Haus des Wissens, in dem alle Sammlungen exemplarisch vertreten sind, im alten Auditorium Maximum an der Weender Straße Ecke Nikolausberger Weg doch noch irgendwann verwirklicht wird. Das Preisgeld von immerhin 122 000 Euro jedenfalls hat deutlich gemacht, dass diese historischen Sammlungen auch heute noch einen hohen Stellenwert in Forschung wie Lehre besitzen. Immerhin zählt Göttingen zu nur neun von insgesamt 54 Universitäten, die für ihr Konzept einer stärker objektbezogenen Lehre ausgezeichnet worden sind.

Sie haben die Wahl!

Im Übrigen gilt für  Sonntag: Sie haben die Wahl! Wenn man der Internet-Umfrage auf der Tageblatt-Homepage glauben darf, werden sich 82 Prozent beteiligen. Das wäre ein Riesenerfolg für die Demokratie – auch wenn man im anonymen Netz natürlich gerne mal ankreuzt, was man dann in der Wirklichkeit doch nicht tut. Machen Sie also morgen ihr Kreuz auf dem Wahlzettel, auch wenn der Weg zum Wahllokal ein wenig verschneit sein sollte. Ein winterlicher Spaziergang anschließend bietet sich geradezu an.

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Mathe-Objekte

Die Universität Göttingen hat sich erfolgreich an der Initiative der Stiftung Mercator „SammLehr – an Objekten lehren und lernen“ beteiligt. Für das Projekt „KLEIN: Kulturell bildende Lernobjekte entwickeln, implementieren, neu machen“ erhält die Hochschule in den kommenden Jahren bis zu 122 000 Euro.

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