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Tannenzapfen-Schlacht mit Folgen

Aus dem Amtsgericht Tannenzapfen-Schlacht mit Folgen

Nennen wir ihn Ali: Ali ist erwachsen, gerade 21 und Vater zweier Kinder. Ali ist für die Justiz Heranwachsender, denn zur Tatzeit war er noch 20. Ali ist demnach Jugendlicher, jedenfalls wegen fehlender Reife einem solchen gleichzusetzen, wenn es um Sanktionen geht.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Und Ali ist ein Kind, wenn es um den Auslöser der Tat selber geht. Ja, Ali ist gar bockig wie ein Kleinkind, wenn es darum geht, die Folgen seiner Tat und seiner Verurteilung zu tragen.

„Das fing ja an wie Kinderkram. Ärgerlich, dass man sich damit beschäftigen muss“, sagt folgerichtig auch Richterin Kathrin Ohlemacher. Was das Jugendschöffengericht schon zum zweiten Mal verhandeln muss, sind die Folgen einer Kinderei, einer Schlacht mit Tannenzapfen. Damit haben sich Ali und sein „bester Freund“ in Grone- Süd im Sommer 2012 beworfen.

Als Ali ein Zapfen unglücklich im Gesicht traf, folgte als Rache das, was in der Anklage steht: gefährliche Körperverletzung durch mehrere Faustschläge ins Gesicht des Freunde und Fußtritte auf dessen Brust. Das Opfer erlitt dadurch Schädel- und Toraxprellungen, rief die Polizei und erstattete Anzeige. Er strengte zudem eine Zivilklage auf Schmerzensgeld an.

Eigentlich hätte alles längst ausgestanden sein können. Mit seinem Freund hat sich Ali längst versöhnt. Im Zivilgericht hat man sich auf 50 Euro Schmerzensgeld geeinigt, und der Strafprozess ging im ersten Anlauf auch zu Alis Gunsten aus. Der angeklagte Straftatbestand der Gefährlichen Körperverletzung erwies sich gar nicht als gefährlich.

Für die Fußtritte auf die Brust gab es keine Zeugen, das Opfer konnte sich nicht erinnern, und ein weiterer Freund, der als Schlichter eingriff, schloss nicht aus, dass er über das am Boden liegende Opfer gestolpert sein könnte. Im Dezember stellte das Jugendschöffengericht den Fall vorläufig ein und verhängte eine Auflage von 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Einstellung widerrufen und neu verhandelt

Warum sich dann alle vor Gericht wieder sahen? Weil Ali seine Arbeitsauflage nicht abgeleistet hat. Auf Aufforderung reagierte er nicht. Da wurde die Einstellung widerrufen und erneut verhandelt. Seine Begründung: Er habe keine Zeit gehabt und sich um seinen kranken Sohn kümmern müssen, der 14 Tage im Krankenhaus gewesen sei.

Da gibt er sich als treusorgender Vater. Kindisch zankt er immer wieder darum, dass man sich dann doch nicht um so etwas wie Arbeitsstunden kümmern könne. Dabei sind er wie auch die Mutter arbeitslos. „Sie zeigen, dass Sie es noch nicht kapiert haben“, sagt die Staatsanwältin.

Das zeigt auch sein sonstiges Verhalten. Er steht schon unter Bewährung, hat wegen einer anderen Körperverletzung sechs Monate Jugendhaft erhalten, weder den Kontakt zur Bewährungshelferin gesucht, noch ist er zum Anhörungstermin gekommen. Jetzt droht  die Bewährung widerrufen zu werden.

Kommt nun eine Strafe obendrauf? Die Fußtritte erweisen sich in neuer Beweisaufnahme wieder nicht. Der Freund handelt sich gar Ermittlungen wegen Falschaussage ein, weil er sich angeblich nicht mehr an Schläge erinnert. Am Ende wird das Verfahren auch im zweiten Anlauf „ausnahmsweise“ noch einmal eingestellt.

Eine Schöffin besteht aber darauf, dass es spürbar mehr Arbeitsstunden werden. Statt 30 muss er nun 50 Stunden ableisten – und zwar binnen eines Monats beim Hausmeister des Gerichts. Sozusagen an kurzer Leine.

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