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Tennet warnt vor „Blackout“

Anhörung für Stromtrasse Tennet warnt vor „Blackout“

Northeim. Für die umstrittene Höchstspannungsleitung von Wahle in Niedersachsen nach Mecklar in Hessen haben am Montag die Anhörungen in Northeim begonnen. Die Regierungsvertretung in Braunschweig sucht im Raumordnungsverfahren eine geeignete Trasse für eine neue 380-Kilovolt-Leitung.

Teilweise, so im Stadtgebiet Göttingen, soll sie als Erdkabel unter die Erde verlegt werden. Rund 100 Freileitungsgegner demonstrierten zum Auftakt am Morgen vor der Stadthalle in Northeim.

Bürgerinitiativen fordern den Ausbau in ganzer Länge als Erdkabel und den Stopp des Raumordnungsverfahrens. Es würden keine Mediatoren benötigt, sondern eine Anzahl mutiger Politiker, die auf Landes- und Bundesebene neue Gesetze verabschiedeten und Pilotstrecken definierten, die zukunftsweisend und nachhaltig seien, aber auch auf eine breite Bürgerakzeptanz stoßen würden, so der Sprecher der BI Pro Erdkabel aus Bad Gandersheim und Kreiensen, Peter Gosslar. Die auf der Strecke Wahle-Mecklar in der herkömmlichen Drehstromtechnik vorgesehenen Teil-Erdverkabelungen seien Flickschusterei und gehörten gestoppt. Die Bürgerinitiativen kündigen für den 13. April eine weitere Demonstration in Hildesheim an.

Für den niedersächsischen Abschnitt der 380-Kilovolt-Leitung sind nach Angaben der Regierungsvertretung rund 12 000 Stellungnahmen von etwa 16 500 Bürgern, Kommunen, Behörden, Naturschutzverbänden und Bürgerinitiativen eingegangen. Weitere Erörterungstermine finden am heutigen Dienstag, 29. März, und am 6. und 8. April in der Stadthalle in Northeim sowie am 11., 12. und 13. April in der Kreisverwaltung in Hildesheim statt.

Der niederländische Netzbetreiber Tennet TSO setzt auf den Freileitungsbau und den Rückbau alter 220-Kilovolt-Leitungen als „Stand der Technik“. Aufgrund der bestehenden Gesetze sei nur dort eine Teilverkabelung vorgesehen, wo Mindestabstände zur Bebauung nicht einzuhalten seien, sagte Tennet-Sprecherin Joëlle Bouillon am Montag in Northeim. Netzbetreiber seien auch zur Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit verpflichtet. Ein Kilometer Freileitung koste rund eine Million Euro. Erdkabel kosteten das Vier- bis Siebenfache. Bouillon verwies auf den unzureichenden Netzausbau. „Wir sind schon im Verzug.“ Von den nötigen Nord-Süd-Verbindungen seien bis 2010 erst 90 von 460 Kilometern gebaut worden. Bis 2015 müssten weitere 390 Kilometer gebaut werden. „Windenergie an der Küste hilft uns nicht weiter“, so Bouillon. Der Strom müsse nach Süden transportiert werden. Schon jetzt gebe es jeden zweiten Tag Eingriffe in die Leistung von Kraftwerken, um die Netzstabilität zu sichern und einen „Blackout“ zu vermeiden. Tennet sei bereit, auch Erdkabel zu bauen, so Bouillon. Das sei aber eine politische Frage. „Wie viel Kosten ist der Verbraucher bereit zu tragen?“

Derzeit gibt es in Deutschland Windenergieanlagen, zumeist im Norden, mit einer Leistung von 27 000 Megawatt. Tennet erwartet einen Zuwachs von weiteren 20 000 Megawatt, hauptsächlich aus Anlagen vor der Küste. Nach der Abschaltung von sieben alten Atomkraftwerken rechnet Tennet mit mehr erforderlichen Eingriffen, um die Systemsicherheit aufrechtzuerhalten. Das Unternehmen prüft derzeit auch die Errichtung großräumiger Gleichstrombrücken an Land wie die Errichtung einer Nord-Süd-Trasse in Deutschland. Die bestehenden Projekte wie Wahle-Mecklar zur weiteren Entlastung des Drehstromnetzes blieben davon aber unberührt.

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Die Windräder vermehren sich in Deutschland schneller, als das Stromnetz die Windenergie aufnehmen kann. Auch im Kreis Göttingen sollen demnächst moderne Anlagen mit 130 Metern Nabenhöhe errichtet werden. Windenergie im Umfang von mehr als 20 Atomkraftwerken kann jetzt schon ins Netz, wenn der Wind weht.

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