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Im Bibliothekssaal auf Heines Spuren

Paulinerkirche Im Bibliothekssaal auf Heines Spuren

Die Tageblatt-Redaktion stellt 333 Dinge vor, die man in der Region gemacht haben sollte. Heute: auf Heinrich Heines Spuren den Bibliothekssaal der Paulinerkirche am Papendiek in Göttingen besuchen.

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Saal der Paulinerkirche: Im Jahr 2000 wurde die Innenausstattung nach alten Ansichten rekonstruiert.

Quelle: Hinzmann

„Ich war müde wie ein Hund und schlief wie ein Gott. Im Traume kam ich wieder nach Göttingen zurück, und zwar nach der dortigen Bibliothek. Ich stand in einer Ecke des juristischen Saals, durchstöberte alte Dissertationen, vertiefte mich im Lesen, und als ich aufhörte, bemerkte ich zu meiner Verwunderung, daß es Nacht war, und herabhängende Kristallleuchter den Saal erhellten.“

In seiner Harzreise schildert Heinrich Heine 1824 einen konfusen Traum. Darin tauchen auf: Themis, griechische Göttin der Gerechtigkeit und der Ordnung sowie der Philosophie, Bürokraten, Professoren und Rechtsgelehrte. Der Traum endet mit einem Tränenausbruch der Göttin, „die ganze Versammlung heulte wie von Todesangst ergriffen, die Decke des Saales krachte, die Bücher taumelten herab von ihren Brettern, vergebens trat der alte Münchhausen aus seinem Rahmen hervor, um Ruhe zu gebieten, es tobte und kreischte immer wilder – und fort aus diesem drängenden Tollhauslärm rettete ich mich in den historischen Saal“.

Der Schriftsteller beschreibt den Bibliothekssaal der Paulinerkirche, als Teil eines 1294 gegründeten Dominikanerklosters einst älteste gotische Kirche Göttingens. Aus dem Kloster wurde nach der Reformation (1529 in Göttingen) und Säkularisierung (16. Jahrhundert) ein Pädagogicum mitsamt Bibliothek, die sich nach und nach bis in die Kirchenräume ausdehnte. 1812 erhielt das ehemalige Gotteshaus eine Zwischendecke – im oberen Teil entstand ein Bibliothekssaal, den nicht nur Heine, sondern auch Johann Wolfgang von Goethe und die Brüder Grimm gerne nutzten. Auch heute noch ist das Gewölbe trotz reduzierter Höhe noch Ehrfurcht einflößend. Angesehen werden kann es allerdings nur zu öffentlichen Anlässen der Staats- und Universitätsbibliothek sowie anderer Veranstalter.

Informationen über solche Gelegenheiten gibt es hier.

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