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Tür 24: Der Marienaltar

Adventskalender „24 Türen im Harzer Land“ Tür 24: Der Marienaltar

Bei jedem Adventskalender ist das 24. Türchen am Heiligen Abend immer etwas Besonderes. Eine Art Adventskalender waren auch die 24 Kirchentüren, die seit dem 1. Dezember Tag für Tag veröffentlicht worden sind. Und so gehört es sich, dass auch in dieser Reihe die 24. Tür eine ganz besondere Tür ist.

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Der Marienaltar.

Quelle: R

Diese Tür hier ist so besonders, dass man bei einem ersten Blick vielleicht sogar in Zweifel kommen kann, ob es sich dabei überhaupt um eine Tür handelt. Aber es gehört zum Wesen eines Flügelaltars, dass man seine Flügel schließen kann. Das geschieht normalerweise in den „stillen“ Zeiten des Kirchenjahres, in der Passions- oder Fastenzeit und eben auch in der Adventszeit. Der prächtige Schmuck des Altares wird gleichsam hinter Türen weggeschlossen, damit die Kirche ein schlichteres Aussehen erhält.

Weil das besonders in der Adventszeit üblich war, hat der Maler Heinrich Heisen diese Türen bemalt. Vier Bilder aus der Weihnachtsgeschichte werden vorgestellt: Die Ankündigung der Geburt, der Besuch bei Elisabeth, die Anbetung der Hirten und die Anbetung der Könige. So konnten sich die Menschen in besonderer Weise auf das Weihnachtsfest vorbereiten. Wenn sich die Türen an Weihnachten öffnen, dann geben sie den Blick frei auf eines der bedeutendsten Kunstwerke der Stadt Osterode: Den Marienaltar des Bildschnitzers Bartold Kastrop in der Marienkirche. 1515 ist dieser Altar fertiggestellt worden. Er ist also im vergangenen Jahr 500
Jahre alt geworden.

Im Mittelpunkt steht die Madonna. Sie hat eine Krone auf dem Haupt, steht auf einer Mondsichel und ist von einem großen Strahlenkranz umgeben. Das alles gibt ihr ein prächtiges, goldenes Aussehen. Auch ihr Gewand ist golden. Natürlich ist es zugleich ein Weihnachtsbild. Maria mit dem Kind gehört in dieses besondere Fest.

Diese festliche Darstellung macht deutlich: Hier ist etwas Göttliches in die Welt gekommen. Der Glanz Gottes und die Macht Gottes liegen über dieser Mutter mit ihrem Kind. Gott beginnt zu handeln. Und wenn viele Menschen fragen, wo Gott denn sei angesichts des vielen Leides in der Welt, zeigt sich hier die Antwort. Er ist schon da. Maria kann man ansehen, dass er mit seinem Glanz und seiner Macht hinter ihr steht und mit ihr ist. Maria steht exemplarisch für den Menschen überhaupt. Gott steht er hinter jedem Menschen und schenkt ihm damit eine unglaublich große Würde. Und er steht gerade hinter denen, die leiden oder in Sorgen sind. „Darum so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“.

Maria lässt aber auch noch etwas anderes deutlich werden. Wenn Gott handelt, dann handelt er immer auch durch Menschen. Er geht nicht am Menschen vorbei. Er kommt nicht direkt vom Himmel in die Welt, sondern durch den Schoß der Maria. Menschen bekommen die Würde, an seinem rettenden Handeln teilzunehmen. Der Altar des Bartold Kastrup ist ein eindrucksvolles Kunstwerk. Und er bringt den Menschen das weihnachtliche Geschehen ganz nahe. Mit diesem besonderen 24. Türchen wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und friedliches Weihnachtsfest 2016, indem auch Sie ein Stück von Gottes Glanz und Macht spüren mögen, die nun hinter jedem Menschen steht.

Ihr Superintendent Volkmar Keil

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