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Band mit bekannten Goethe-Zeilen gerettet

Bedrohte Bücher-Schätze, Folge 7 Band mit bekannten Goethe-Zeilen gerettet

Man fühlt sich wie in Anwesenheit eines großen Kapitals, das lautlos unberechenbare Zinsen spendet.“ Johann Wolfgang von Goethe empfand so im Jahr 1801 in der Göttinger Universitätsbibliothek. 28 Tage weilte der schon zu Lebzeiten bekannte Dichter und Denker aus Weimar damals in Göttingen – und die Universitäsbibliothek war einer seiner bevorzugten Aufenthaltsorte. 

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Utensilien in der Restauratorenwerkstatt: Mit Lederfarbe getränkte Stoffbeutel.

Quelle: Hinzmann

Hier recherchierte er für seine „Farbenlehre“. Und vielleicht holte der 1749 in Frankfurt geborene Jurist, Naturforscher und Dichter damit etwas nach: Der Vater hatte ihm ein  Jurastudium in Leipzig nahegelegt und das gewünschte Studium in Göttingen nicht erlaubt. 

Ein Band mit Briefen von Goethe gehört zu den „bedrohten Schätzen“ der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen. 1839, sieben Jahre nach dem Tod des Dichterfürsten, erschienen im Leipziger Brockhaus-Verlag „Goethe’s Briefe an die Gräfin Auguste zu Stolberg: verwitwete Gräfin von Bernstorf“. Sie war die Schwester der Brüder und Hainbund-Dichter Stolberg-Stolberg und Goethe nicht persönlich bekannt. Aber ihr vertraute sich Goethe als junger Mann in den Jahren 1772 bis 1782 in 19 Briefen an und schrieb darin auch über seinen Liebeskummer und die gescheiterte Beziehung zur Frankfurter Bankierstochter Lili Schönemann. Gräfin Stolberg erhielt mit dem 16. Brief die bekannten Goethe-Zeilen: „Alles geben die Götter, die unendlichen, / Ihren Lieblingen ganz, / Alle Freuden, die unendlichen, / Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz“. 

Unberechenbare Zinsen

Schmerzen dürfte Goethe-Freunde der Anblick des Göttinger Bandes. Der mit Göttinger Kleisterpapier bezogene Halblederband ist im Buchrücken beschädigt und verfärbt. 

Schon Goethe hatte erkannt, dass die Fülle der Bibliothek ein großes Kapital ist, das lautlos unberechenbare Zinsen spendet. Wären sie berechenbar, könnte die Bibliothek wohl alle notwendigen Restaurierungen in Angriff nehmen. Aber die Geldmittel reichen nicht für alle erforderlichen Restaurierungen. Deshalb begann im Januar die „Aktion Buchpatenschaft“. Derzeit stehen 36 Exemplare, die dringend restauriert werden müssen, auf der „Liste der bedrohten Schätze“. 

Der mit 214,20 Euro Restaurierungskosten angegebene Goetheband hat inzwischen ein Patenpaar gefunden. Mit deren finanzieller Unterstützung stellen Restauratoren einen neuen Halblederband und Rückenschild nach dem alten Vorbild her –  ganz.

Von Angela Brünjes

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